Kommentar zu Donald Trump Der schlechte Gewinner

Der »Honeymoon« für den neuen US-Präsidenten ist vorüber, bevor er einen hatte. Das machten die Amerikaner am Wochenende deutlich, als sie in Rekordzahl auf die Straßen gingen, um gegen Donald Trump zu demonstrieren.

Von Thomas J. Spang
Donald Trump kurz vor seiner Inauguration.
Donald Trump kurz vor seiner Inauguration. Foto: dpa

Der dünnhäutige Trump nahm dies nicht zum Anlass, auf die Sorgen der Mehrheit seiner Landsleute einzugehen, die ihn nicht gewählt haben, sondern flüchtete sich in eine Märchenwelt. Darin sah er sich als geliebten Führer, der von historischen Massen gefeiert wird. Anschließend ließ er seinen neuen Sprecher wie einen Bulldozer los. Sean Spicer attackierte bei seinem ersten Auftritt im Briefing-Raum des Weißen Hauses die Journalisten weil diese, statt Propaganda zu machen, Fakten berichteten.

Gewöhnlich bemühen sich Präsidenten nach der Amtsübernahme, Wunden aus der Wahlschlacht zu heilen und das Gemeinsame zu suchen. Statt die ohnehin geteilte Nation zusammenzubringen, entschied sich Trump gleich am ersten Tag seiner Amtszeit, weiter zu spalten. Ronald Reagan und George W. Bush waren in vielen Teilen der US-Bevölkerung gewiss nicht beliebt. Aber niemand fürchtete sich vor diesen Präsidenten. Das ist erstmals in der Geschichte der USA anders.

Angst, ausgewiesen zu werden

Millionen junger Latinos, die als Kinder in die USA kamen, haben Angst, ausgewiesen zu werden. Muslime sorgen sich, wie Kriminelle in einem Register erfasst zu werden. Frauen fürchten, sie könnten das Sagen über ihren eigenen Körper verlieren. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Nichts von alldem ist normal. Wie auch im Verhältnis Trumps zum Rest der Welt die Brüche unverkennbar sind. Er betrachtet die Nachkriegsordnung, die Amerika geschaffen hat, als schlechten Deal und will sie überwinden. Die Nato nennt er überholt, die Europäische Union versucht er zu spalten, Freihandelsabkommen will er aufkündigen, und die UNO muss damit rechnen, den Geldhahn abgedreht zu bekommen.

Der 45. Präsident sucht nicht die Wertegemeinschaft mit anderen Demokratien, sondern bewundert Autokraten. Das Konzept des Westens bekommt Konkurrenz durch eine diffuse Russophilie, deren Wurzeln mysteriös sind.

Keine Illusionen

Trump legte an diesem Wochenende einen glatten Fehlstart hin, der sich gewiss aus der Enttäuschung über die verregnete Amtseinführung erklären lässt. Die Herzen seiner Landsleute wird er so nicht gewinnen. Im Gegenteil drohen die Verwerfungen größer denn je zu werden.

Klar verdient der neue Mann im Weißen Haus auf internationaler Bühne eine Chance. Nur sollten sich Deutschland und Europa keinen Illusionen hingeben. Die beste Rückversicherung, Einfluss, Wohlstand und Sicherheit zu bewahren, bringt ein Zusammenrücken der »alten« Welt. »Make Europe Great Again« – macht Europa wieder großartig!

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