Kommentar zum Silvestereinsatz der Polizei Nicht nur ein Streit um Worte

Kann die Polizei es denn gar nicht mehr recht machen? Silvester 2015 zu zurückhaltend, 2016 zu forsch. Wenn man es ganz einfach haben will, lässt sich die jeweilige Kritik an den Kölner Polizeieinsätzen rund um den Hauptbahnhof natürlich so zusammenfassen. Gerecht wird man damit aber weder der einen Debatte noch der anderen.

Von Thomas Hochstätter
Der Bahnhofsvorplatz in Köln.
Der Bahnhofsvorplatz in Köln. Foto: dpa

Die Diskussion vor Jahresfrist rührte an die Frage der personellen Ausstattung der Polizei und an die Offenheit, mit der über Taten und Täter gesprochen wird. Im Ergebnis wurden in beiden Punkten Mängel festgestellt, deren Behebung noch längst nicht abgeschlossen ist.

Die aktuelle Diskussion führt am Ende aller Wortklaubereien und parteipolitischen Reflexe zu der Frage, wie viel Skepsis im Umgang mit welchen Einwanderern geboten ist.

214.6000 Straftaten untersucht

In der vergangenen Woche wurde bekannt, was der neueste Lagebericht des Bundeskriminalamts dazu an Statistiken beitragen kann: Untersucht worden seien 214.600 Straftaten, die in den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 Einwanderern zugeschrieben werden. Demnach sind in Deutschland lebende Menschen aus den Maghreb-Staaten, die nur etwa zwei Prozent der Einwanderer stellen, dennoch bei 22 Prozent der Taten verdächtigt oder überführt worden.

Dieser Umstand und die Erfahrungen der Silvesternacht 2015 – gehört es da nicht zur Lebenswirklichkeit, dass auch die Polizei die beiden möglichen Lesweisen des nun kritisierten Begriffs »Nafri« zusammenwirft und im laufenden Einsatz alle »Nordafrikaner« (Verständnismöglichkeit eins) zu zu überprüfenden möglichen »nordafrikanischen Intensivtätern« (Verständnismöglichkeit zwei) werden? Möglichen Tätern, hier kommt es auf jedes Wort an. »Wir kennen unsere Pappenheimer«, hätte man vielleicht früher gesagt, als es noch kein Twitter gab.

Sensibel reagieren

Man kann das jetzt Pauschalverdächtigungen nennen. Und eine anlasslose Überprüfung von Nordafrikanern am helllichten Tag in einer ostwestfälischen Fußgängerzone wäre anders zu bewerten. Aber am Silvesterabend am Kölner Dom, da war das Vorgehen der Polizei richtig. Zumal der Polizeibericht im Raum steht, dass einige der Männer sich aggressiv verhalten haben sollen.

Es ist richtig, sensibel auf mögliche Vorverurteilungen und Verallgemeinerungen zu reagieren. Aber jeder polizeilichen Maßnahme geht eine Einzelfallabwägung voraus, die sich nur in Kenntnis aller Einzelheiten richtig beurteilen lässt. Welchen Anlass hatten Christian Movio und Luca Scatà noch einmal, als sie Anis Amris Papiere sehen wollten?

Kommentare

Sehr schöner und total zutreffender Kommentar !!

Ein Kommentar, der mir aus der Seele spricht.

2 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.