Eine EM-Bilanz Portugal passt perfekt

Portugal also – das passt irgendwie perfekt zu dieser EM 2016. Eine Mannschaft, die nur als Gruppendritter der Vorrunde den Sprung ins Achtelfinale geschafft hatte, nimmt den Pokal mit nach Hause. Der neue Modus wirkt! Aber wie?

Von Ulrich Windolph
Die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich ist vorbei: Zeit für eine Bilanz.
Die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich ist vorbei: Zeit für eine Bilanz. Foto: dpa

Fangen wir mit dem Guten an: Der früh im Finale verletzte Superstar Cristiano Ronaldo besiegt sein ganz persönliches Trauma aus dem Jahr 2004, und Trainer Fernando Santos geriert sich als der einzig wahre Nachfolger von Griechen-König Otto Rehhagel. Auch so schließt sich ein Kreis. Der neue Europameister spielte in seinen sieben Partien selten attraktiv, war aber unheimlich effektiv. Glückwunsch, Portugal! Den deutschen Nationalspielern und ihrem Coach Joachim Löw dürfte es in den Ohren klingeln. Sie hatten nach dem verlorenen Halbfinale gegen Frankreich ziemlich unisono ziemlich viel von Ungerechtigkeit gesprochen und dabei mindestens eine Spur zu selbstgerecht geklungen. Schließlich hatten sie es verbockt: La Mannschaft fehlte es schlicht an Effektivität vorm gegnerischen Tor. Für Dominanz im Mittelfeld gibt’s keinen Preis. So platzte der Traum vom Double doch ziemlich verdient.

Deutsche Mannschaft verdient Respekt

Beeindruckend bleibt gleichwohl die Konstanz der Deutschen. Zum sechsten Mal in Folge bei einer WM oder EM das Halbfinale zu erreichen, ist alles andere als selbstverständlich. Das verdient Respekt – auch wenn viel mehr drin war.

Doch was ist der Ärger der Deutschen gegen die Tristesse der Franzosen? Nach dem Coup gegen die Löw-Elf hatten sich die Mannen von Didier Deschamps schon am Ziel gefühlt. Welch Irrtum! Ihr Superstar Antoine Griezmann wird Torschützenkönig und ist am Ende doch nur ein trauriger Held.

Die EM zum Nachlesen

Im EM-Blog des WESTFALEN-BLATTS konnten Sie Reporter Dirk Schuster bei seiner EM-Reise begleiten: www.westfalen-blatt.de/em2016

Zu gern hätte man dem Gastgeberland den Triumph gegönnt. Erstens, weil man lieber gegen den späteren Europameister rausfliegt als gegen den Verlierer des Endspiels, und zweitens, weil der Titel dem krisengeplagten Frankreich wenigstens für ein paar Tage Freude und Ablenkung beschert hätte. Auch wenn es gewiss absurd ist, zu glauben, der Fußball könnte die Probleme des wahren Lebens lösen.

Was also bleibt von dieser EM? Ein Freudenfest war sie sicher nicht – und konnte sie wohl auch nicht sein. Frankreich hat andere Sorgen. Die Angst vor Anschlägen lastete schwer auf dem Ausrichterland. Die Hooligan-Ausschreitungen taten ihr Übriges. Auch am Finalsonntag gab es Randale auf der Pariser Fanmeile. Und überhaupt: Der Funke wollte nicht so recht überspringen.

Viel guter Fußball war nicht dabei

Auch sportlich fällt die Bilanz recht mau aus: 30 Tage mit sehr viel Fußball liegen hinter uns. Sehr viel guter Fußball war nicht dabei. Was wir jetzt wissen: Auch die nicht ganz so großen Fußballnationen verteidigen mittlerweile recht ordentlich. Und um Europameister zu werden, kann selbst in einem so langen Turnier schon ein einziger Sieg in der regulären Spielzeit ausreichen.

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