Kommentar zur Bachelor-Reform Überfällig

Was das Turbo-Abi am Gymnasium, das ist das Bachelor-Studium an den Hochschulen: ein Ärgernis. Viele Studenten quälen sich durch Unmengen an Pflichtstoff, lassen sich durch Prüfungen peitschen und bangen um jede Zehntelnote, die am Ende über die Zulassung zum Masterstudium entscheiden könnte. Kein Wunder, dass mehr als jeder Vierte das Bachelor-Studium abbricht.

Von Andreas Kolesch
Symbolfoto.
Symbolfoto. Foto: dpa

Die angekündigte Reform war überfällig. Einige Auswüchse werden tatsächlich beseitigt. So kann der Verzicht auf Noten in den ersten beiden Semestern dazu führen, dass mehr Zeit für den Erwerb des Grundlagenwissens bleibt. Endlich wird auch anerkannt, dass viele Studiengänge für einen Abschluss nach sechs Semester zu komplex sind. Das ist auch wichtig für Bafög-Empfänger, denen bei Überschreiten der Regelstudienzeit Entzug der Unterstützung droht.

Der Bachelor bleibt dennoch eine Mogelpackung. Als vollwertiger Abschluss wird er – abgesehen von dualen, berufsbildenden Studiengängen – auch in Zukunft kaum gelten. Daran wird auch die angekündigte Reform nichts ändern.

Kommentare

Es wäre schön, wenn sich Leute äußern könnten, die etwas vom Hochschulwesen verstehen und etwas differenzieren könnten.

Gerade an den FH tat sich wenig, da aus sieben- bis achtsemestrigen Diplomstudiengänge gleichlange Bachelorprogramme wurden. Selbe Inhalte, selber Aufbau, selbe Prüfungsformen -- nur halt andere Buchstaben. Wo ist da die Mogelpackung?

An Universitäten dauert er in der Regel tatsächlich drei Jahre, aber fast jeder macht den Master im Anschluss oder nach ein, zwei Jahren Praxis. Warum sind zehn Uni-Semester nun eine Mogelpackung ggü. alten Diplomstudiengängen, die acht, neun oder zehn Semester dauerten?

Da fehlen völlig die Argumente. Und die Abbrecherquote ist in den letzten Jahren auch nicht gestiegen. Da macht man sich aufgrund von fehlendem Wissen das "Unbekannte" zu einem Feindbild, das für alle Probleme verantwortlich sein soll. Und damit zeigt man letztendlich nur den eigenen Bildungsstand und nicht den von jenen, die man zu schmähen versucht aus Profilierungsgründen.

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