Kommentar zur Rentenerhöhung Sachlich bleiben

Die Gefechtslage ist verwirrend. Seit Wochen jagt eine Aufgeregtheit über Altersarmut die nächste, übertrumpfen sich Politiker, Experten und solche, die sich dafür halten, mit düsteren Schreckenszenarien. Und nun hat das Bundeskabinett die größte Rentenerhöhung seit mehr als zwei Jahrzehnten beschlossen.

Von Stefan Vetter
Die rund 20 Millionen Rentner bekommen ab Sommer deutlich höhere Bezüge.
Die rund 20 Millionen Rentner bekommen ab Sommer deutlich höhere Bezüge. Foto: dpa/Patrick Pleul

Diese erfreuliche Tatsache sollte Anlass sein, die Debatte zu versachlichen. So müsste man auch darüber reden, dass das Rentenniveau ein abstraktes Kon­strukt ist und die gesetzlich vorgegebene Absenkung auf bis zu 43 Prozent des Durchschnittslohns bis 2030 nicht etwa ein Minus bei den Renten bedeutet, sondern einen langsameren Anstieg, um das System bezahlbar zu halten.

Wirklich armutsgefährdet sind deshalb nicht die Rentner, sondern bestimmte Gruppen wie Langzeitarbeitslose oder Solo-Selbstständige, weil sie kaum zusätzlich vorsorgen können. Auf sie muss sich eine Reform konzentrieren. Zu befürchten ist jedoch, dass der Alarmismus anhält. Die großen Parteien wollen sich sozialpolitisch profilieren. CSU-Chef Horst Seehofer hat damit angefangen. Prompt klammert sich die SPD ans Rentenniveau, um nicht selbst unters 20-Prozent-Niveau zu sacken. Differenzierte Betrachtungen, zumal bei einem so komplexen Thema, haben es da naturgemäß schwer.­

Kommentare

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Was soll man dazu noch sagen?
Ohne wirkliche Not kommt diese Aussage daher und worauf stützt sie sich eigentlich?
Ich kenne keine einzige Statistik, die sich ausschliesslich mit dem Älterwerden der Rentenbezieher beschäftigt.
In Demografischen Statistiken geht es immer um das Älterwerden aller; also z.B. auch der Beamten.
Ausserdem ist Demografie nicht wirklich wissenschaftlich. Jemand hätte in den 1950ern wohl kaum den Pillenknick vorhersagen können. Zudem ist die demografische Enwicklung nicht automatisch oder nur etwas Schlechtes. Zum Beispiel könnte die Arbeitslosigkeit geringer werden. Aufgabe ist es weite Teile der Bevölkerung mit einer guten Ausbildung und hohen Löhnen und Gehältern zu versehen, dann gibt es keine Probleme.

Panikmache versus Herunterspielen

Meines Wissens bekommt die Haelfte der Rentner aktuell unter 1000 Euro und der Durchschnitt um 1300 Euro. Nach Abzug des Krankenkassenbeitrags verbleiben von den 1000 Euro noch 800 Euro. Das ist vielleicht noch keine Armut aber richtig gerade im Vergleich zu den Pensionaeren, die auf einem viel hoeheren Niveau anfangen, obwohl sie nie Beitraege eingezahlt haben und auch noch eine lebenslange Jobgarantie hatten, ist das nicht. Gebrochene Lebenslaeufe machen niedrige Renten. Und das ist heutzutage in freier Wildbahn eher der Normal- als der Einzelfall. Grundsicherung + Wohngeld und auch die Lebensleistungsrente liegen vielleicht so bei 800 Euro. Obwohl gerade jetzt viele Beitragszahler da sein muessten, da doch die geburtenstarken Jahrgaenge vertreten sind, wird die Rente zur Zeit zu einem Drittel aus Steuergeldern bezuschusst. Bis vor einem oder zwei Jahren wurde im Hartz IV - Fall ein kleiner Rentenbeitrag bezahlt. Der Langzeitarbeitslose ohne Leistungsbezug, also jemand der ein Sparvermoegen groesser dem Schonvermoegen hat, darf nicht nur von seinem Sparvermoegen leben, er bezahlt auch nicht wie jeder Andere seinen Krankenkassenbeitrag aus Einkommen, sondern aufgrund der niedrigen Zinslage auch diesen aus dem Sparvermoegen und ein Rentenbeitrag wird dann auch nicht bezahlt. Ich glaube, dass die Meisten weder freiwillig in diese Situation gekommen sind (z.B ein schlechter Sozialplanplatz bei anstehenden Entlassungen) noch freiwillig in dieser Situation verbleiben. Andere haben zu dem Glück, das sie in Betrieben  arbeiten duerfen, in denen sie quasi verbeamtet sind, noch das Glück , das sie eine Betriebsrente bekommen. Gerecht geht anders. Zur Zeit werden die Jungen gegen die Alten und die Familien gegen die Kinderlosen aufgehetzt anstatt tatsächlich an Lösungen zu arbeiten. Ein Lösungsansatz ist, die vielen versicherungsfremden Leistungen, also Leistungen für die keine Beitraege gezahlt wurden, aus dem Rentensystem herauszunehmen und evtl. aus den Steuern zu bezahlen. Ein anderer ist es, alle Renten-, Pensions- und Versorgungssysteme zusammenzulegen und das beitragsfinanzierte System um eine steuerfinanzierte Grundrente in Höhe von vielleicht 700 Euro (siehe Oesterreich), die wirklich jeder bekommt, zu erweitern. Dann kann man es sich als Langzeitarbeitsloser auch leisten einen schlechter bezahlten Job anzunehmen, ohne Angst vor Altersarmut haben zu müssen. Das oder die Probleme herunterzuspielen ist geauso falsch wie Panikmache. Es sollte etwas geändert werden.

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