Kommentar zur Forderung nach einem Islamgesetz Purer Populismus

Von Ann-Christin Lüke
Gläubige Moslems versammeln sich in der Abubakr Moschee der Islamischen Gemeinde in Frankfurt am Main.
Gläubige Moslems versammeln sich in der Abubakr Moschee der Islamischen Gemeinde in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler/dpa

Mit einem Islamgesetz will CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer die Integration von Muslimen vorantreiben und eine mögliche Radikalisierung verhindern. Deutsch müsse die Sprache der Moscheen sein. Alle Imame sollten in Deutschland ausgebildet werden und die hiesigen Grundwerte teilen.

Deutsch als »religiöse Amtssprache« ist kein Allheilmittel gegen Extremismus. Ein Beispiel ist Pierre Vogel. Der Konvertit aus Frechen gilt als einer der einflussreichsten hiesigen Salafisten, der seine Hasspredigten auch auf Deutsch verbreitet.

Weder in der katholischen Kirche noch in Synagogen wird ausschließlich auf Deutsch gepredigt. Messen christlich-orthodoxer Glaubensgemeinschaften, etwa aus Syrien oder Russland, werden in den jeweiligen Landessprachen gehalten. Auch sie müssten dann auf die »Amtssprache« Deutsch umstellen.

Mit den Umfragewerten der AfD im Nacken sind Scheuers Forderungen wohl eher populistisches Geschrei als ein ernstzunehmender Gesetzesvorschlag. Die Entscheidung, welcher Imam, Pfarrer oder Rabbi eingestellt werden soll, trifft die jeweilige Gemeinde, nicht der Staat. Zumal der Ruf nach Ausbildungsmöglichkeiten für Imame in Deutschland nicht neu ist. Vier Lehrstühle für Islamische Theologie existieren bereits.

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