Kommentar zur Stasi-Unterlagen-Behörde Noch nicht ins Endlager

Ein Archiv wirkt wie ein Endlager der Geschichte, selbst wenn es offen zugänglich ist. Die Stasi-Unterlagenbehörde hingegen steht für ei­nen ganz speziellen Umgang mit den Akten des DDR-Überwachungsstaats, für die fortwährende Auseinandersetzung damit.

Von Werner Kolhoff
Das Stasi-Archiv in Berlin.
Das Stasi-Archiv in Berlin. Foto: dpa

Zwar würde sich an der Praxis nicht so viel ändern, wenn die Stasi-Akten ins Bundesarchiv wandern und dort ausgewertet werden würden, wie eine Kommission nun vorschlägt. Doch die ehemalige Gauck-Behörde ist nicht nur eine Aktenverwaltung, sie ist auch ein pädagogisches Projekt. Seine Ziele heißen Aufklärung und Aussöhnung. Das Amt steht symbolisch für einen besonders gelungenen Umgang mit den Untaten eines Regimes.

Nach 25 Jahren, also nach nicht mal einer Generation, kann die DDR noch nicht in den Keller der Geschichte entsorgt werden. Da leben noch zu viele, die Opfer waren, wie die Zahl von jährlich rund 60 000 Anträgen auf Akteneinsicht zeigt. Diese Behörde wird augenscheinlich gebraucht und sehr rege genutzt. Da gibt es noch zu viele Täter, die sich verstecken, und da sind noch zu viele Vorgänge, die bis heute nachwirken. 2030 kann man vielleicht über das Ende der Behörde reden. Dann ist der zweite deutsche Staat genauso lange Geschichte, wie er existiert hat.

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