Europa nach dem Terror Für die Freiheit

Von André Best

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Der französische Präsident François Hollande spricht offen von Krieg gegen den IS. Bundeskanzlerin Angela Merkel betont, dass dieser Angriff nicht nur Paris galt, sondern sich gegen uns alle und unsere Art zu leben richtet. Und Papst Franziskus sieht die Anschläge von Paris sogar als Teil des Dritten Weltkrieges.

Seit Freitag, dem 13.,  ist die Welt noch stärker aus den Fugen geraten. Mit der Tragödie von Paris wurde die westliche Gesellschaft nach dem 11. September und »Charlie  Hebdo«  erneut ins Mark und ins Herz getroffen. Die Dimension des Terrors in der Stadt der Liebe ist noch niederträchtiger als bei vielen Anschlägen zuvor. Diesmal wurden Menschen vor Cafés ermordet, im Restaurant, auf offener Straße und im Konzertsaal. Zum Teil sind die Männer, Frauen, Kinder und Jugendlichen, die ihr Leben an diesem Freitagabend in vollen Zügen genießen wollten, regelrecht hingerichtet worden. Sie sind auf Mörder getroffen, die genau dieses Leben in Freiheit verurteilen.

Stärker als je zuvor geht es jetzt darum, unsere Werte wie Toleranz, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte zu verteidigen. Aber was heißt das? Wie soll eine Gesellschaft, wie soll jeder einzelne das tun? Zumal die Bestürzung und die Trauer nach der Terrornacht von Paris auch am dritten Tag noch groß sind.

Trotzdem müssen wir daraus neue Kraft schöpfen. Wir sollten, wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen. Es geht darum, unsere Freiheitswerte kraftvoll zu verteidigen. Die Menschen in Europa – das sind knapp 750 Millionen – sind mehr als die Kämpfer des IS, die in Syrien und Irak ihr Unwesen treiben und den Krieg zu uns bringen wollen.

Wir müssen kämpfen um unsere Freiheit. Wir dürfen sie uns nicht verbieten lassen. Deshalb ist es richtig, dass das Fußball-Länderspiel in Hannover gegen die Niederlande nicht abgesagt wurde und das gesamte Kabinett Merkel im Stadion sein wird. Wer nach Paris, Berlin oder eben nach Hannover reisen möchte, darf sich nicht abschrecken lassen. Genau das ist es, was die Täter wollen. Pflegen wir eine große Solidarität. Gerade in den sozialen Netzwerken ist das Bedürfnis nach Verbundenheit deutlich zu spüren, in der Tragödie zusammen zu stehen.

Über diese virtuelle Form der Anteilnahme hinaus ist  aber auch echtes Handeln gefragt.
 
Es wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen, wie stark Europa und die westliche Welt insgesamt dem Terror des IS die Stirn bieten werden. Die Fragen lauten: Wird es ein Zusammenrücken der Staaten – auch in der Flüchtlingsfrage – geben? Engagieren sich wie bisher nur einzelne Staaten militärisch im Kampf gegen Terrororganisationen und das Assad-Regime? Wie geht es in Afghanistan weiter, in dem Land, in dem die Taliban weiterhin für Angst und Schrecken sorgen?

Wenn man den Terror nachhaltig bekämpfen will, kann das nur gemeinsam gelingen. Die große Frage wird sein, ob das auch militärische Einsätze mit Bodentruppen vor allem in Syrien und  im Irak gegen den IS zur Folge hat, also die Nato den Bündnisfall ausrufen wird, wie es ja nach dem 11. September 2001 der Fall war. Fakt ist: Um einen Konflikt in Syrien zu lösen, brauchen die USA nicht nur Frankreich, sondern beispielsweise auch Russland.

Nur gemeinsam wird auch die Flüchtlingskrise zu lösen sein. Die CSU hat Recht, dass wir unsere Sicherheit genau im Blick haben müssen. Jeder, der zu uns kommt, muss registriert werden. Völlig falsch ist es aber, sämtliche Flüchtlinge jetzt unter Generalverdacht zu stellen, wie es Horst Seehofer und Markus Söder unmittelbar nach den Anschlägen  getan haben. Flüchtlinge sind nicht per se Terrorverdächtige. Das Gegenteil ist der Fall: Sie kommen, weil  sie vor  Terroristen, die Blutbäder wie in Paris anrichten, fliehen.

In der Trauer sind wir jetzt vereint, sind die Staaten vereint, die für Freiheit  stehen. Wichtig wäre, dass dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit auch über den Terrorakt von Paris bestehen bleibt und Taten folgen.

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