Gauck in den USA Partner für die Freiheit

Von Thomas J. Spang

Joachim Gauck wird von Barack Obama im Weißen Haus empfangen.
Joachim Gauck wird von Barack Obama im Weißen Haus empfangen. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Für Bundespräsident Joachim Gauck ging mit dem Besuch im Weißen Haus ein Lebenstraum in Erfüllung. Seine Wertschätzung der Vereinigten Staaten teilt der Pfarrer aus Rostock mit der Pfarrerstochter aus Templin. Weil Gauck und Merkel das Fehlen von Freiheit am eigenen Leib kennengelernt haben, wissen sie deren Wert anders zu schätzen.

Zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung hätte es kaum einen besseren Botschafter geben können, US-Präsident Obama den Dank der Deutschen für die Hilfe der Amerikaner bei der Überwindung zweier Diktaturen und der Teilung zu überbringen. Gauck empfindet ihn von Herzen.

Den Bundespräsidenten schmerzt ganz besonders, dass die transatlantischen Beziehungen Rost angesetzt haben. In erfrischender Offenheit sprach er die Symptome des Unbehagens an.

Auf Seiten der Europäer sind es die Lauschangriffe der NSA Guantanamo und militärische Interventionen. Die Amerikaner dagegen verstehen nicht, warum sie weitgehend die militärischen Lasten schultern sollen und die Europäer nicht entschieden genug gegen Bedrohungen der inneren Sicherheit vorgingen.

Aus dem Mund Gaucks klingt es glaubwürdig, wenn der USA-Freund postuliert, die USA seien trotz mancher »Irrwege« der vergangenen Jahre immer ein Partner gewesen, auf dessen »Willen zur Verteidigung der Freiheit« er sich verlassen habe.

Angesichts der Krisen, die sich rund um Europa zusammenbrauten, aber auch wegen der Rückkehr nationaler Egoismen sei die transatlantische Wertegemeinschaft das beste Gegenmittel.

In einer Grundsatzrede an der Elite-Universität von Pennsylvania wagt Gauck die These, dieses Bündnis bleibe essentiell für eine erfolgreiche Bewältigung der großen Krisen in der Welt.

Bei den Gesprächen mit Präsident Obama und Außenminister Kerry ging es dann ganz konkret um diese Krisenherde: Das Flüchtlingsdrama im Mittleren Osten und Nordafrika, der Krieg in Syrien und die Ukraine.

Der kritische Hinweis Gaucks an die Mitverantwortung der USA für die Flüchtlingsströme und sein Appell an die Supermacht, ihr gerecht zu werden, zeigt, wo die Sonntagsrede aufhört und der transatlantische Alltag weitergeht.

Dasselbe gilt für Gaucks Warnung, es funktioniere nicht, wenn Deutschland international mehr und die USA weniger täten. Angesichts der tatsächlichen Verteilung der Sicherheitslasten ist das eine leicht verzerrte Wahrnehmung.

Das als Gastgeschenk mitgebrachte Mauerstück erinnert daran, was Europa und die USA gemeinsam erreicht haben und noch erreichen können. Aber auch, dass Freiheit und Sicherheit immer zusammengehören.

Vielleicht bringt Joachim Gauck von seiner Pilgerreise zu den Ikonen der Freiheit die Einsicht mit zurück, dass es in Europa hohe Zeit wird, sich mit der Sicherheit ein wenig intensiver zu beschäftigen.

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