Von der Leyen Verdacht, nicht mehr

Von Stefan Vetter

Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Politiker leben gefährlich. Besonders jene, die sich mit einem Doktortitel schmücken. Nun also soll auch Ursula von der Leyen mit ihrer Dissertation die Fachwelt hinters Licht geführt haben. Typisch Politiker, werden manche sagen. Doch Vorsicht:  Erstens haben auch Politiker bis zum Beweis des Gegenteils ein Recht auf die Unschuldsvermutung.

Und zweitens hat es schon einen merkwürdigen Beigeschmack, wenn sich scheinbar immer mehr selbst ernannte Experten im Netz zu Richtern aufschwingen, um Personen des öffentlichen Lebens ins Zwielicht zu rücken. Nach allem, was man bislang weiß, hat von der Leyen erst einmal richtig gehandelt. Als die Verteidigungsministerin von dem Vorwurf erfuhr, bat sie ihre damalige Hochschule umgehend, die Doktorarbeit zu überprüfen. Transparenz und Aufklärung sind das beste Mittel, um dem zweifellos schwerwiegenden Verdacht zu begegnen.

Unabhängig vom Ausgang des Falls muss  über eine generelle Verbesserung der Standards bei der Beurteilung von Promotionen nachgedacht werden. Denn wenn es stimmt, dass von der Leyen in ihrer Arbeit auf Quellen verwiesen hat, in denen der zitierte Inhalt gar nicht zu finden ist, dann stellt das auch den wissenschaftlichen Gutachtern der Hochschule ein schlechtes Zeugnis aus.

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