Kontinent in der Krise Quo vadis, Europa?

Von Andreas Schnadwinkel

Der innere Frieden in Europa ist gestört angesichts der beiden großen Herausforderungen Griechenland- und Flüchtlingskrise.
Der innere Frieden in Europa ist gestört angesichts der beiden großen Herausforderungen Griechenland- und Flüchtlingskrise. Foto: dpa

Viele Bürger Europas nehmen die EU als Einrichtung wahr, die ihnen das Leben schwerer macht und Dinge vorschreibt, die sie nicht wollen. Sie sollen für das marode Griechenland bezahlen und Flüchtlinge willkommenheißen. Beinahe hätte Europa den Leuten noch verboten, Selfies von sich vor dem Brandenburger Tor bei Facebook zu zeigen.

In diesen Tagen fällt es nicht leicht, Europa als Errungenschaft zu begreifen. Viel ist von der europäischen Idee die Rede, wenn es darum geht, die Krisen des Kontinents in den Griff zu bekommen. 70 Jahre Frieden, abgesehen von den Jugoslawien-Kriegen in den 90ern, sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Da gerät im Alltag zwischen Grexit und Lampedusa rasch in Vergessenheit, dass Europa in seinem Kern ein Friedensprojekt ist.

Der innere Frieden Europas ist gestört. Die 28 Länder der EU sind nicht in der Lage, 40.000 Flüchtlinge unter sich aufzuteilen – eine Bankrotterklärung und nicht der einzige Beleg dafür, dass die Innenpolitik der einzelnen Staaten jede wichtige Entscheidung auf EU-Ebene massiv beeinflusst.

Zwei Beispiele: Frankreich will das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro unbedingt verhindern, weil in der Folge die Zinsen steigen und damit den französischen Haushalt derart  in Gefahr bringen könnten, dass Präsident Hollande seinen Landsleuten eine Agenda 2030 zumuten müsste. Und Großbritannien lehnt die Aufnahme von Flüchtlingen ab, weil die Probleme mit Migranten aus den ehemaligen Kolonien ohnehin schon groß genug sind.

Die Vorstellung der »Vereinigten Staaten von Europa« war noch nie so unrealistisch wie  heute. Eher feiert der Nationalstaatsgedanke aus dem 19. Jahrhundert eine Renaissance – und gleich mit ihm der Kampf der Ideologien aus dem 20. Jahrhundert.

Denn beides erleben wir gerade vor dem Hintergrund der beiden großen Herausforderungen: Flüchtlinge und Griechenland. Weil immer mehr Menschen in Europa Sorge haben,  in ihrer Heimat einen Teil ihrer Identität zu verlieren, gewinnen Nationalparteien an Einfluss. Sie geben ihren Wählern das Gefühl, darüber miteinscheiden  zu können, wer bei ihnen lebt. Die Dänische Volkspartei ist zweitstärkste Kraft im neuen Parlament und will  schärfere Kontrollen an den Grenzen des Landes durchsetzen. Und Ungarns rechtsnationale Regierung plant  einen Zaun zu  errichten, um Mi­granten  zu stoppen, die über Serbien  in die EU  kommen wollen.

Zunehmend ideologisch geht es in der Griechenland-Krise zu: Linke Wirtschaftstheoretiker geben  linken Politikern die Hoffnung, dass der Sozialismus noch eine Chance bekommt und den Kapitalismus besiegen kann. Wer Schulden erlassen und dies bezahlen will, der kommt  an Enteignungen nicht vorbei. Davon träumen Kommunisten immer noch.

Europas Erfolge sind jeden Tag spürbar. Vielleicht sind Reisefreiheit und gemeinsame Währung  so normal, dass sie nicht mehr  wertgeschätzt werden. Wenn die EU bei den Bürgern nicht als Teil des Problems, sondern als Lösung der Probleme wahrgenommen werden will, muss sie sich der Sorgen der Menschen viel stärker annehmen.

Kommentare

Vielleicht sind nationale Identitäten auch so normal, dass genau diese von den unterschiedlichen Völkern geschätzt und ersehnt werden ? Wer in Europa möchte sich denn dieses künstliche Gebilde aufzwingen lassen, ohne wirklich noch selbstbestimmend sein zu dürfen ? Patriotismus ist gut und muss gepflegt werden. Ich bin Deutscher und darauf war ich mal stolz. Aber unsere Politiker wollen uns unsere Identität rauben, sie wollen uns einen Gedanken aufzwingen, der für mich persönlich unerträglich ist. Ich sehe auch nicht, ich will auch nicht, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Ich schätze unsere Wurzeln und liebe dieses Land.
Ich habe nichts gegen Ausländer, ich bin selber oft genug im Ausland unterwegs und habe auch ausländische Freunde, die permanent den Kopf über uns schütteln und über Aussagen, wie sie der Bundespräsident perament von sich gibt. Ich habe aber sehrwohl etwas gegen Menschen, die sich auf unsere Kosten ein schönes Leben machen und dann auch noch als Flüchtlingen deklariert werden ! Diese Menschen haben hier nichts zu suchen ! Hier lebende und arbeitende Ausländer sind doch damit überhaupt nicht gemeint ! Das künstliche Gebilde Europa ist gescheitert, so sieht es aus !

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