70 Jahre CDU Feierlaune ordentlich verdorben

Von Ulrich Windolph

Im Schatten der Eurokrise feiert die CDU ihren 70. Jahrestag.
Im Schatten der Eurokrise feiert die CDU ihren 70. Jahrestag. Foto: dpa

Redaktionsleiter Ulrich Windolph

Es hätte eine unbeschwerte Feierstunde werden können: Die CDU auch zu ihrem 70. Geburtstag unangefochten an der bundespolitischen Macht mit einer alles überstrahlenden Parteivorsitzenden und von den Deutschen hochgeschätzten Kanzlerin Angela Merkel an der Spitze. Doch dann kamen – mal wieder – diese Griechen dazwischen.

Und so hat Angela Merkel  gestern noch einmal das »Finden von Kompromissen« als Basis für ein  erfolgreiches Europa  beschworen. Fast hatte man   das Gefühl, sie spräche  persönlich zu dem griechischen Regierungschef  Alexis Tsipras, obwohl der ganz  gewiss nicht zum CDU-Fest­akt  in Berlin eingeladen war. Merkel ließ auch  ihr Ceterum censeo »Scheitert der Euro, dann scheitert Europa«  nach langer Zeit mal wieder    hören, und zwar gleich mehrfach.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet zum runden CDU-Geburtstag die po­litische Leistung der Kanzlerin zur Disposition steht. Denn so unantastbar Merkel in ihrer Partei  und so unerreichbar das Kanzleramt derzeit für die politische Konkurrenz  sein mag, so sehr steht auch ihr Ruf nun wieder auf dem Spiel. Vermag sie es, Deutschland auch zukünftig vor den Unbilden der Euro-Krise zu schützen? Und schafft sie es,  Europa zusammenzuhalten? Jede dieser Fragen ist für sich genommen herausfordernd genug. Beiden Anforderungen  zugleich gerecht zu werden, kommt der Quadratur des Kreises nahe.

Und sie  sind  auch für Merkels Partei  von größter Bedeutung. In dieser Hinsicht immerhin  ist sich die CDU treu geblieben. Schon immer hing der Partei der Ruf an, ein »Kanzlerwahlverein« zu sein. Das war unter Adenauer so und auch unter Helmut Kohl.

Selten zuvor jedoch war die CDU inhaltlich so pragmatisch wie unter   Angela Merkel – Kritiker  sagen: so wenig programmatisch.  In der Euro-Krise hat die Kanzlerin das »Durchwursteln« gar zu ihrem Markenkern erhoben. Erst jetzt scheint diese Methode   an ihr Ende zu kommen. Auch auf anderen Politikfeldern hat man sich   überaus wendig gezeigt. Wehrpflicht abgeschafft, Atomausstieg durchgeboxt, Mindestlohn mitgetragen: Was ist da noch   konservativ, was kommt   als nächstes? Vermutlich das uneingeschränkte Ja zur »Ehe für alle«.

Noch ist nicht sicher, wohin dieser Modernisierungskurs die CDU führt. Viel spricht allerdings dafür, dass  Angela Merkel, die im 16. Jahr ihres Parteivorsitzes und im 10. Jahr ihrer Kanzlerschaft ist, einst eine große Lücke in den eigenen Reihen hinterlassen wird. Schon heute hat die Partei enorme Schwierigkeiten in den Großstädten, deren Bewohnern sie oft   immer noch nicht modern genug erscheint. Auch in den Bundesländern ist die Machtbasis nicht gerade  üppig.

Dabei ist die CDU bündnisoffen wie nie  zuvor. Doch die Christdemokraten wandeln auf schmalem Grat, denn momentan ist die Kanzlerin die Partei. Anders gesagt: Scheitert Angela Merkel, scheitert die CDU.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.