Enzyklika Ökologisches Manifest

Von Ludmilla Ostermann

Foto: Claudio Peri/dpa

Glauben hat nichts mit Wissenschaft zu tun. Und doch sind  es vor allem  die Klimaforscher und Umweltschützer,  die  Papst Franziskus zur neuen Umwelt-Enzyklika gratulieren. Manch konservativer Vertreter der  katholischen Kirche hingegen lehnt sie ab. Kein Wunder: Franziskus glaubt, die Kirche interpretiere das Dogma »Macht euch die Erde untertan« falsch. So viel Selbstkritik verträgt nicht jeder.

Das Thema Umweltschutz wurde von  der Kirche  bislang nur zaghaft behandelt. Bemerkenswert ist deshalb auch die Deutlichkeit der Worte, die  der Papst zu diesem Thema findet. Er stellt den Zusammenhang  zwischen der Zerstörung der Umwelt und  der Armut in vielen Ländern her und verweist damit auf die moralische  Dimension des Problems. Für eine  Enzyklika ungewöhnlich gibt Franziskus  konkrete  Lösungsvorschläge, fordert  die Abkehr von fossilen Brennstoffen und sogar eine Rezession in  Industrieländern.

Noch nie zuvor war  ein Papst so politisch. Er polarisiert, beeinflusst die  Meinung und  erreicht damit auch Nichtkatholiken. Das Erscheinen der Enzyklika fünf Monate vor der entscheidenden Klimakonferenz in Paris  ist taktisch klug  gewählt. Franziskus’ Wort hat Gewicht.  Es bleibt zu hoffen, dass es auch  in der französischen Hauptstadt Gehör findet.

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