Rente mit 70 Kurios, aber auch sinnvoll

Von Dietmar Kemper

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, fordert Modelle für eine freiwillige Rente mit 70.
Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, fordert Modelle für eine freiwillige Rente mit 70. Foto: Stephanie Pilick/dpa

Der Vorschlag von BA-Chef Frank-Jürgen Weise für eine flexible Rente mit 70 ist durchsichtig, kurios und sinnvoll zugleich. Wenn mehr ältere Kollegen länger arbeiten, entlastet das die unter der demografischen Entwicklung leidende Rentenkasse. Deshalb ist der Vorschlag durchsichtig.

Kurios ist er deswegen, weil lange Jahre in den Unternehmen der Jugendwahn grassierte. Die Mitarbeiter hatten gefälligst belastbar, flexibel und nicht zu alt zu sein. Ältere Kollegen galten als hoher Kostenfaktor, Firmen nutzten die Vorruhestandsregeln konsequent aus. Und wer mit Mitte 50 entlassen wurde, hatte kaum noch Chancen, eine neue Stelle zu finden. Jetzt plötzlich, wo der Fachkräftemangel mit Händen zu greifen ist, umgarnen Firmen diese Gruppe wieder. Erfahrung und Routine werden nun geschätzt.

Trotz alledem ist der Vorschlag auch sinnvoll: Es gibt genügend Kollegen, die selbst entscheiden möchten, wann sie aus dem Berufsleben ausscheiden. Arbeit ist für einige mehr als Gelderwerb, sie ist Lebenszweck. Flexible Regelungen kämen ihnen entgegen und könnten den Fachkräftemangel zumindest eindämmen.

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