Pakistan Die Taktik der Taliban

Von Jürgen Liminski

Nach dem Talibanangriff auf eine Schule in Peshawar zünden pakistanische Journalisten Kerzen zum Gedenken an die Opfer an.
Nach dem Talibanangriff auf eine Schule in Peshawar zünden pakistanische Journalisten Kerzen zum Gedenken an die Opfer an. Foto: dpa

Was geht in den Köpfen von Radikalen vor? In einem fingierten Gespräch gibt der große Frankreich-Kenner Friedrich Sieburg die Stimmung zur Zeit des Terrors wieder. »Ja«, meint Saint Just, Ideologe und Anhänger Robespierres, zu dem Maler David, »ich bin ein Mann des Schreckens, weil mir die Republik wichtiger ist als der Mensch. Wer das Glück aller will, der kann auf den einzelnen Menschen keine Rücksicht nehmen«.

So dachten vor 200 Jahren die Menschen in Europa. Doch dieses Denken ist im Morgenland tödliche Gegenwart. Heute in Pakistan, Syrien und Irak, morgen in Afghanistan, übermorgen in Amman, Algier oder Aden. Und die Ausläufer dieses Denkens sind auch in London, Madrid oder Sydney zu spüren. Der frühere Erzbischof von Sydney, Kardinal Pell, meinte einst, die säkulare liberale Demokratie sei leer und selbstbezogen, der Islam zeige sich als alternative Weltanschauung, er sei die Revolution, der Kommunismus des 21. Jahrhunderts.

Aber der pakistanische Terror ist auch hausgemacht. Denn die Taliban sind eine Ausgeburt des pakistanischen und amerikanischen Geheimdienstes vor gut dreißig Jahren, als die Sowjets Afghanistan besetzt hielten. Ihre Geisteshaltung stammt aus den Koranschulen Pakistans, die noch heute überwiegend als radikal einzustufen sind. Seit die Taliban sich jedoch selbständig gemacht haben, sind Geheimdienst und Armee in Pakistan ihr Feind. Ähnlich wie in Ägypten ist die Armee in Pakistan ein Staat im Staate, mit eigenen Geschäften, Schulen und Wohnvierteln.

Die Taliban wollen Musik verbieten, Bildung islamisch reduzieren und Frauen wieder zum, wie es im Koran heißt, »Saatfeld des Mannes«, degradieren. Eben die Natur verhaften. Deshalb herrscht Krieg zwischen Armee und den Kriegern Allahs.

Die Opfer sind Frauen und Kinder. Jetzt in der Schule von Peshawar, gestern in den Tälern Wasiristans, den Rückzugsgebieten der Taliban im Nordwesten. Dort verfolgt die Armee die Taliban und hinterlässt verbrannte Erde. Die Taliban sollen so geschwächt werden, dass sie in Afghanistan auch nach dem Abzug der internationalen Truppen keine Schlagkraft mehr entwickeln und das Regime in Kabul nicht gefährden können.

Schon gar nicht sollen sie den Atomstaat Pakistan destabilisieren. Über dreißig Atombomben plus passende Raketen verfügt die pakistanische Armee. Diese Atomwaffe in den Händen der Taliban – das wäre der Ernstfall für die Welt. Der Krieg zwischen Armee und Taliban wird weitergehen. Weder Washington, Peking, Neu Delhi noch die Europäer können diesen Ernstfall zulassen. Dafür denken die Taliban zu radikal und handeln ohne Rücksicht auf Verluste. Peshawar hat es gezeigt. Man wird die Armee als das kleinere Übel unterstützen, im eigenen Interesse, diskret und effektiv. Und es wird noch viele Opfer geben.

Kommentare

Die Taktik de Taliban

Sehr geehrter Herr Liminski,
es ist wohl so, dass viele Menschen Angst vor Islamisten haben. Aber wie sie es so treffend bemerkten, diese Sorte Mensch hat sich den Koran als Rechtfertigung genommen und das tuen alle Muslime.
Hatte nicht in gleicher Form die Kirche im 15. Jahrhundert sich die Bibel als Rechtfertigung genommen und ein einzelner Mönch das Malleus Malificarum geschrieben und seine Umsetzung, nämlich die Verbrennung von "Hexen und Zauberern" innbrünstig betrieben, nur weil er ein Inquisitionsverfahren verloren hatte.
Da ist halt Vorsicht geboten, und die Politiker täten gut daran, die Ängste mancher Menschen ernst zu nehmen.
Ich glaube, die Politik hat eine Verpflichtung nicht nur anderen Völkern gegenüber, sondern auch dem eigenen Volk, egal wie es auch zusammengesetzt ist. Da ist es schon leicht, einem Menschen den Nimbus der Ausländerfeindlichkeit aufzustülpen. Stellen Sie sich mal vor, ich würde Politikerinnen unterstellen, dass sie sich nur für "Ausländer" einsetzen, weil sie deren Stimme benötigen, quasi Mittel zum Machterhalt.

Mit nachdenklichem Gruß

Josef Oligmüller

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