Robert Lebecks aufsehenerregende Fotografien im Kunstmuseum Wolfsburg So sah 1968 aus

Wolfsburg (WB/as/mzh). »Das Jahr der Studentenunruhen fand ohne mich statt«, hat Robert Lebeck behauptet. Schon bei flüchtiger Betrachtung seiner Fotografien von 1968 aber zeigt sich, wie sehr sie den Wandel jenes Jahres spiegeln.

Der Nordirlandkonflikt (1916 bis 1998) forderte 3600 Opfer. Die Demonstration protestantischer Kinder gegen die britische Armee (Belfast 1968) spiegelt die aufgeheizte Atmosphäre.
Der Nordirlandkonflikt (1916 bis 1998) forderte 3600 Opfer. Die Demonstration protestantischer Kinder gegen die britische Armee (Belfast 1968) spiegelt die aufgeheizte Atmosphäre. Foto: Archiv Robert Lebeck

Wir präsentieren hier eine Auswahl aus der Ausstellung »Robert Lebeck. 1968«, die vom 4. März bis zum 22. Juli im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen ist.

»Als in Paris die Barrikaden brannten, arbeitete ich in Florida an einer Serie über zwei ermordete Studentinnen«, schreibt der Fotograf, Bildjournalist und Sammler in den »Erinnerungen eines Fotoreporters«.

»Während Studenten vor dem Springer-Hochhaus demonstrierten, fotografierte ich die Taufe von Hildegard Knefs Kind«, fährt Robert Lebeck fort. »Und als die Russen in Prag einmarschierten, begleitete ich gerade den Papst nach Bogotá.«

Viele der Kontaktbogen, Fotoabzüge sowie Reportagen von Lebeck, die 1968 für die Illustrierte »Stern« entstanden, werden in der Wolfsburger Ausstellung erstmals umfassend präsentiert. Ganz entgegen der Einschätzung des Fotografen werden – 50 Jahre später – die im mythisierenden Rückblick nicht immer wahrnehmbaren roten Fäden jenes überaus bewegten Jahres zwischen Aufbruch und Protest, zwischen Beharren und Scheitern sichtbar.

Für die Schau wurden beispielhafte Fotografieserien ausgewählt, die Lebeck in New York, Bogotá, Kassel, Belfast erstellte – aber auch in Wolfsburg.

Es macht einen Reiz dieser Ausstellung aus, dass viele Bilder nie gedruckt wurden und somit der Öffentlichkeit komplett unbekannt sind. Ob »Geschiedene Frauen«, Rudi Dutschke in Prag, Robert F. Kennedys Beerdigung oder Joseph Beuys bei der Documenta 4: Stets trifft in Lebecks Arbeiten eine verdichtete Zeitgeschichte auf starke Bildreportage und Fotokunst.

Die Schau beginnt suggestiv mit einem raumhohen Überblick über Lebecks Œuvre sowie originalen Tondokumenten von 1968. Nach dem Saal speziell zu »1968« folgen Lebecks zentrale Bildthemen jenes Jahres vom Prager Frühling bis zum nordirischen Winter. Medienstationen und Großprojektoren bilden die zeitgeschichtliche Folie, auf der sich zeigt, wie bedeutend Lebecks Fotografien einzuschätzen sind.

Zur Ausstellung in Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) der Stadt Wolfsburg erscheint ein Katalog, herausgegeben von Ralf Beil und Alexander Kraus, gestaltet von Cordula Lebeck (Steidl, 360 Seiten mit 226 Abbildungen; 38 Euro im Museum). Er vereint Essays zur Zeitgeschichte, Bildreportage und Fotokunst, eine umfangreiche Auswahl bislang unveröffentlichter Fotografien und Kontaktbogen sowie Robert Lebecks wichtigste Reportagen des Jahres 1968.

Kunstmuseum Wolfsburg: »Robert Lebeck. 1968« (4. März bis 22. Juli). Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, auch von Karfreitag bis Ostermontag und an anderen Feiertagen. Samstags (16 Uhr) und sonntags (12 und 15 Uhr) gibt es öffentliche Führungen. Infos telefonisch unter 05361/26690.

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