In OWL deutlich mehr Infektionen als in den Vorjahren registriert – Kliniken am Limit Grippewelle erreicht Höhepunkt

Lippstadt (WB/bex/dpa). Die Krankenhausgesellschaft NRW schlägt Alarm: Sie sieht die Kliniken im Land angesichts der anhaltenden Grippewelle am Rande der Belastbarkeit.

Die Krankenhausgesellschaft NRW schlägt Alarm: Sie sieht die Kliniken im Land angesichts der anhaltenden Grippewelle am Rande der Belastbarkeit.
Die Krankenhausgesellschaft NRW schlägt Alarm: Sie sieht die Kliniken im Land angesichts der anhaltenden Grippewelle am Rande der Belastbarkeit. Foto: dpa.

Termin verschieben

Wer nicht dringend zum Arzt muss, sollte jetzt gerade nicht hingehen. »Es gibt Routineuntersuchungen, die ohne Probleme ein paar Tage warten können«, sagt Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes. Solche Termine etwas zu verschieben, schont nicht nur die Nerven – es verhindert auch, dass sich Patienten im Wartezimmer anstecken. »Menschen mit akuten Beschwerden sollten aber nicht zögern, zum Hausarzt zu gehen«, sagt Weigeldt.

»Die seit Dezember andauernde Grippewelle bringt viele unserer Kranken­häuser an ihre Kapazitätsgrenze. In den Notaufnahmen und internistischen Stationen in den NRW-Kliniken beobachten wir einen deutlichen Anstieg von Patienten mit Grippesymptomen«, sagt Jochen Brink, Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW) und Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhauses Lippstadt.

Die Aufnahmekapazitäten änderten sich zwar stündlich, doch zuletzt hätten die Krankenhäuser stets am Limit gearbeitet. Die Zahl der Grippe­fälle ist – wie das Robert-Koch-Institut (RKI) bestätigt – ungewöhnlich hoch. In OWL sind nach Angaben des Landeszentrums Gesundheit NRW in der vergangenen Woche 410 neue Influenzafälle gemeldet worden. Zum Vergleich: In der gesamten Grippesaison (Beginn Anfang Oktober) gab es bis dahin gut 1100 gemeldete Infektionen. Im Vorjahr waren bis zu diesem Zeitpunkt lediglich 767 Influenzafälle registriert worden, 2015/2016 waren bis dahin sogar nur 164 gewesen.

Kreißsaal geschlossen

Die Grippewelle macht auch vor dem Klinikpersonal nicht Halt. So hat das Rhein-Maas-Klinikum in Würselen bei Aachen am Freitag die vorübergehende Schließung des Kreißsaales angeordnet. Grund sei die Vielzahl erkrankter Mitarbeiterinnen. Auch das Bereitstellen von Isolationsmöglichkeiten führe zu Problemen, sagt KGNW-Präsident Brink. Da Grippe­patienten in der Regel isoliert würden, führe das dazu, dass etwa in einem Zwei-Bett-Zimmer nur ein Patient liegen könne.

Je nach Belegung müssten Patienten dann in ein anderes Krankenhaus verlegt werden – und das wiederum führe zu Kritik am Klinikpersonal, sagt Brink. Der vielfach gefor­derte Bettenabbau sei deshalb das falsche Signal, schlussfolgert der KGNW-Präsident. Von 2006 bis 2016 sei die Zahl der Kliniken in NRW von 437 auf 348 gesunken, obwohl die Zahl der stationär behandelten Patienten von 3,9 auf 4,6 Millionen pro Jahr gestiegen sei.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) lässt die Grippewelle aber nicht als Argument für mehr Betten und gegen seine Pläne gelten, die Klinik-Strukturen weiter zu verändern. »Die saisonale Grippe ist kein unerwartetes schweres Ereignis, da sie jedes Winterhalbjahr auftritt«, sagt Laumann.

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