Lastwagen immer öfter Verursacher tödlicher Crashs am Stauende Mehr Autobahn-Unfälle: NRW nimmt Lkw ins Visier

Düsseldorf/Bielefeld (WB). Die steigende Zahl schwerer Lkw-Unfälle an Stauenden bereitet Polizei und Politik Sorgen. Die Zahl solcher Crashs ist in NRW seit 2013 um 44 Prozent auf 194 (2017) gestiegen.

Von Bernd Bexte
Zerstörte Fahrzeuge stehen auf der Autobahn 3.
Zerstörte Fahrzeuge stehen auf der Autobahn 3. Foto: dpa

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Foto: dpa

Bei allen Stauende-Unfällen mit und ohne Lkw-Beteiligung kamen im vergangenen Jahr in NRW 19 Menschen ums Leben (2013: 10). »Das zeigt, dass der bange Blick in den Rückspiegel am Stauende leider nicht unbegründet ist«, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik für NRW. Lkw könnten zu tonnenschweren Geschossen werden.

Reul macht sich für eine europaweite Verschärfung der Vorschriften für Notbremsassistenten stark. Es könne nicht sein, dass diese Systeme von den Lkw-Fahrern abgeschaltet werden könnten. »Ein abgeschalteter Notbremsassistent ist sinnlos – deshalb gehört er abgeschafft.« Der Minister kündigte gezielte Lkw-Kontrollen für die nächsten Tage an.

Zahl der Unfälle an Stauenden gesunken

Das Problem beschäftigt auch die Autobahnpolizei in OWL. »Lkw und Kleintransporter sind überproportional oft Verursacher von schweren Autobahn-Unfällen«, sagt Polizeidirektor Thomas Rosenthal, als Leiter der Direktion Verkehr im Bielefelder Polizeipräsidium auch Chef der Autobahnpolizei in OWL. Machen Lkw etwa ein Drittel des Verkehrsaufkommens aus, so sind sie laut Statistik für mehr als die Hälfte aller Unfälle mit Getöteten und Schwerverletzten auf den Autobahnen in der Region verantwortlich.

Die Zahl der Unfälle an Stauenden ist hier allerdings von 29 (2016) auf 21 im vergangenen Jahr gesunken. »Das hängt auch mit der Zahl der Baustellen zusammen.« An neun dieser Unfälle waren Lkw beteiligt (Vorjahr 5). Fünfmal verursachten Lkw den Crash, viermal fuhren Pkw-Fahrer auf.

Verstöße gegen Lenkzeit oder Ladung

Die heimische Autobahnpolizei hat zuletzt deutlich mehr Sanktionen im Güter- und Personenverkehr wegen Verstößen gegen Lenkzeit oder Ladung sowie Manipulationen an Fahrtenschreibern verhängt. »2015 waren es etwa 1000 Fälle in der Region, im vergangenen Jahr 1825«, erklärt die Bielefelder Polizeipräsidentin Katharina Giere. Die Gesamtzahl der Unfälle auf den 218,3 Autobahnkilometern in der Region ist 2017 um gut zwölf Prozent auf 2295 gestiegen. Die Zahl der Verunglückten sank jedoch um 16 Prozent auf 418, die der Getöteten von elf auf vier.

Die Gesamtzahl der Unfalltoten auf den Straßen in NRW ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 40 auf 484 Menschen gesunken – der niedrigste Wert der vergangenen vier Jahre. Von zwölf auf 21 gestiegen ist jedoch die Zahl der getöteten Pedelec-Fahrer. 18 waren 65 Jahre oder älter. Die Zahl der Schwerverletzten ging von 13.574 im Vorjahr auf 13.331 zurück. Leicht gestiegen ist hingegen die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle von 640.027 auf 653.442.

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