Vor 45 Jahren gab das Land seinen Plan für einen Flughafen im Münsterland auf Als NRW vom Super-Airport träumte

Sendenhorst (WB). Vor 45 Jahren begrub die nordrhein-westfälische Landesregierung ihren Plan, im Münsterland einen der größten Flughäfen Europas zu bauen. Vor allem Landwirte, die ihre jahrhundertalten Höfe hätte aufgeben müssen, waren erleichtert.

Von Christian Althoff
Dieser Plan, 1970 vom NRW-Verkehrsministerium veröffentlicht, schreckte viele Menschen auf. Er zeigt die Lage des Internationalen Großflughafens »3IF«, den das Land im Münsterland zwischen Bauernhöfen, Dörfern und kleinen Städten bauen wollte.
Dieser Plan, 1970 vom NRW-Verkehrsministerium veröffentlicht, schreckte viele Menschen auf. Er zeigt die Lage des Internationalen Großflughafens »3IF«, den das Land im Münsterland zwischen Bauernhöfen, Dörfern und kleinen Städten bauen wollte.

Am Ortseingang von Hoetmar, seit 1975 ein Stadtteil Warendorfs, stehen zwei viergeschossige verklinkerte Flachdachbauten mit 16 Wohnungen. »Ein Investor aus Ahlen hat die Häuser damals gebaut, um Wohnungen für Flughafenmitarbeiter zu schaffen«, sagt Christian Hölscher, Vorsitzender der Heimatvereins Sendenhorst.

Es ist ein gewaltiger Plan, den die sozialliberale Landesregierung unter Ministerpräsident Heinz Kühn (SPD) Ende der 60er Jahre verfolgt. Der westfälische Flughafen soll im Endausbau fünf Start- und Landebahnen haben (der Frankfurter Flughafen hat heute vier) und das Münsterland sowie das nördliche Ruhrgebiet wirtschaftlich stärken. Mit 30 Millionen Fluggästen jährlich ab 1980 rechnet die Landesregierung – Frankfurt hatte 1980 nur 20 Millionen.

1,1 Milliarden Mark soll der Airport kosten

1970 veröffentlicht das Landesverkehrsministerium den ersten Lageplan, auf dem der interkontinentale Großflughafen zwischen Sendenhorst, Albersloh und Drensteinfurt zu erkennen ist. 3IF heißt das Projekt – die Abkürzung steht für den »Dritten internationalen Flughafen« in NRW nach Düsseldorf und Köln/Bonn. 1,1 Milliarden Mark soll der Airport kosten, plus Grunderwerb. Bis 1975 will das Land die Flächen gekauft haben – 2000 Hektar, 20 Millionen Quadratmeter.

Die Bauern sind in Aufruhr: 21 Höfe, manche seit Jahrhunderten in Familienbesitz, sollen verschwinden. Die Kreisstelle Münster der Landwirtschaftskammer befasst sich bereits mit dem Thema Hofumsiedlungen. Dort sieht man außerdem große Probleme auf die Landwirte zukommen, deren Betriebe am Rande des Flughafens liegen. Wie werden die Tiere auf den Fluglärm reagieren?

Die Bürgermeister der betroffenen Orte beklagen, sie würden aus Düsseldorf kaum informiert. Können sie überhaupt noch neue Wohngebiete ausweisen? Und wo? Das St.-Josefs-Stift in Sendenhorst hat gerade den Rohbau für die orthopädische Klinik fertiggestellt. Sollen die Kranken Tag und Nacht dem Fluglärm ausgesetzt werden? Aber es gibt auch Handwerker, die auf den Flughafen hoffen, weil er Arbeit bringt.

In der Hauptstadt Bonn kaum Befürworter

Die Verwirklichung des Vorhabens scheint so nah, dass Straßen, die in diesen Monaten rund um das fragliche Gebiet entstehen, vorsichtshalber breiter als üblich gebaut werden. »Das sieht man heute noch an etlichen Stellen«, sagt Heimatforscher Christian Hölscher.

Was die Landesregierung in ihrer Euphorie offenbar verdrängt hat: In Gütersloh ist die Royal Air Force stationiert, und mehrere Tiefflugschneisen von Briten und NATO führen über den kaum besiedelten Raum, in dem 3IF entstehen soll. Ministerpräsident Heinz Kühn versucht, Bundeskanzler Willy Brand (SPD) für eine Intervention bei den Briten und eine Verlegung der Tiefflugschneisen zu gewinnen. Aber in der Hauptstadt Bonn hat der Flughafen kaum Befürworter.

Das Vorhaben scheitert schließlich am Veto der Briten. Vor 45 Jahren, am 17. Januar 1973, verkündet Wirtschafts- und Verkehrsminister Horst-Ludwig Riemer (FDP) im Landtag das Ende der Planungen. Und im Münsterland kehrt wieder Ruhe ein.

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