Schulministerin kündigt Rückkehr zur alten Regelung an – Philologenverband sieht dies kritisch Zweite Fremdsprache erst ab Klasse 7

Düsseldorf (WB). Die zweite Fremdsprache wird an den Schulen in NRW künftig erst wieder ab der 7. Klasse unterrichtet werden. Das ist jedoch umstritten.

Von Bernd Bexte
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: dpa

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will »dem Wunsch fast aller Beteiligten« nachkommen: Sie hat angekündigt, dass die zweite Fremdsprache künftig nicht schon in der Jahrgangsstufe 6, sondern erst ein Jahr später auf dem Stundenplan stehen werde.

Die Regelung soll mit der Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9) an Gymnasien zu Beginn des Schuljahres 2019/20 greifen und auch für alle anderen betroffenen Schulformen gelten. Dies sei notwendig, um den Wechsel von einer Schulform zur anderen möglich zu machen.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Foto: dpa

Der Schulausschuss des Landtages muss dazu jetzt einer Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Sekundarstufe I zustimmen. »Dies wird wohl noch im ersten Halbjahr geschehen«, erklärte ein Ministeriumssprecher. Eine breite Mehrheit gilt als sicher. »Auch SPD und Grüne haben sich dafür ausgesprochen«, berichtet die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Dorothea Schäfer, von Gesprächen aller Beteiligten.

»Viele Schüler waren schlichtweg überfordert«

Die GEW begrüßt die Rückkehr zur alten Regelung, wie sie vor Einführung des »Turbo-Abiturs« (2005) gegolten hatte. »Die zweite Fremdsprache ab Klasse 6 war einer der Hauptknackpunkte beim Abitur nach acht Jahren.« Rückmeldungen von Lehrern und Eltern hätten ein eindeutiges Bild ergeben: »Viele Schüler waren schlichtweg überfordert«, meint Schäfer.

Peter Silbernagel sieht das anders. »Es darf nicht nur darum gehen, es den Schülern leichter zu machen«, sagt der Vorsitzende des Philologenverbandes in NRW, der Vertretung der Gymnasial- und Gesamtschullehrer. Es dürfe nicht zu einer Verwässerung der Qualitätsansprüche an den Schulen kommen.

Die überwiegende Mehrheit der Bundesländer fange in der Klasse 6 mit der zweiten Fremdsprache an – »übrigens unabhängig davon, ob die Gymnasiasten dort nach acht oder neun Jahren ihr Abitur machen«.

Philologenverband: Englisch in der Grundschule ab Klasse 3

Silbernagel schlägt vor, Englisch in der Grundschule erst ab Klasse 3 zu unterrichten, die zweite Fremdsprache ab Klasse 6, die dritte (wahlweise) ab Klasse 8 und die vierte (wahlweise) in der Oberstufe. Es gehe auch darum, sich Gedanken über den Englischunterricht in der Grundschule zu machen. »Hier müssen die Erwartungen genau definiert werden.«

Das sieht auch die GEW so. »Wir müssen klar sagen, was wir mit dem Englischunterricht in der Grundschule erreichen wollen«, sagt Dorothea Schäfer. Dabei sei nicht entscheidend, ob der Unterricht in Klasse 1,2 oder 3 beginne.

Im vergangenen Schuljahr lernten 85.500 Gymnasiasten in NRW in der Klasse 5 Englisch, 2400 begannen mit Latein und 1400 mit Französisch ihre Schullaufbahn am Gymnasium.

Mit dem Start der zweiten Fremdsprache in der Klasse sechs gleichen sich die Zahlen an: Laut Schuldaten für NRW lernten dann gut 40.000 Schüler Französisch, 30.000 Schüler Latein, 3000 Spanisch. Mittlerweile bieten 26 Schulen in NRW auch Chinesisch an (1100 Schüler), elf Japanisch (600 Schüler).

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.