Familienminister kündigt »verbindliche Feststellung des Sprachstandes« an Erneut Sprachtest für Kita-Kinder

Düsseldorf (WB). In NRW wird es bald wieder Sprachtests für Kindergartenkinder geben. Das hat NRW-Familienminister Joachim Stamp angekündigt.

Von Bernd Bexte
NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP)
NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) Foto: dpa

Man wolle die Feststellung des Sprachstandes und die Sprachförderung verbindlicher machen, erklärte der FDP-Politiker. Einen Sprachtest für Kita-Kinder hatte es bereits von März 2007 bis Juli 2014 in NRW gegeben. Delfin 4, so der Name, stand für Diagnostik, Elternarbeit, Förderung der Sprachkompetenz in Nordrhein-Westfalen bei Vierjährigen. Die Prüfung, zu der Grundschullehrer in die Kitas kamen, war hoch umstritten.

Viele Kinder verweigerten sich beim Testverfahren, die Ergebnisse seien wenig aussagekräftig und die Belastungen für das Personal seien enorm, ergab eine Studie im Jahr 2013. Die damalige rot-grüne Landesregierung schaffte daraufhin die von der schwarz-gelben Vorgängerregierung eingeführte Prüfung für Kita-Kinder wieder ab. Seitdem ist es Aufgabe der Erzieherinnen in den Kitas, die Sprachfähigkeiten der Kinder einzuschätzen und sie entsprechend zu fördern. Das hatte zuvor die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW gefordert.

Keine Rückkehr zum Delfin-4-Test

Es werde keine Rückkehr zum Delfin-4-Test geben, betonte Minister Stamp jetzt. »Wir sind am Anfang des Prozesses und stehen im Austausch mit den Beteiligten, um eine flächendeckende und verbindliche Feststellung des Sprachstandes für alle Kita-Kinder vor der Einschulung sicher zu stellen. Dabei wollen wir Erzieher und Träger eng einbeziehen«, erklärt er auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage. So werden voraussichtlich nicht Grundschullehrer, sondern Erzieherinnen in den Kitas die Tests machen. Über Inhalte und Konzepte sowie einen Zeitplan zur Einführung der Prüfung machte das Ministerium keine Angaben. Die Landesregierung arbeitet derzeit an einer Reform des Kita-Gesetzes.

In einem Interview mit der »Rheinischen Post« betonte Stamp, nicht nur Kinder aus Flüchtlingsfamilien seien eine besondere Herausforderung. »Wir stellen fest, dass es auch beim Alltagssprachgebrauch hiesiger Kinder Defizite gibt, das kann Folge von Reizüberflutungen und dem unreflektierten Umgang mit digitalen Medien sein.«

Die GEW befürchtet Mehrbelastungen für Erzieherinnen. Landesvorsitzende Dorothea Schäfer fordert bereits seit langem »ausreichende Ressourcen und qualifiziertes Personal«.

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