Vom Rührtopf bis zur Abpackstation: Produktionsablauf in einem Dr. Oetker-Werk – mit Video Ich werde eine Schokopizza

Wittenburg (WB). Ich bin, nein: ich werde erst noch eine Dr.-Oetker-Schokopizza. Eine von 150.000 Schokopizzen, die an diesem Tag im Werk Wittenburg produziert werden. Insgesamt stellt Oetker hier heute 700.000 Pizzen unterschiedlicher Sorten her. Meinesgleichen ist besonders gefragt, seit das Unternehmen Anfang April die ersten süßen Pizzen auf den Markt brachte .

Von Bernhard Hertlein
Die Böden der Schokopizza sind fertig geformt.
Die Böden der Schokopizza sind fertig geformt. Foto: Oliver Schwabe

Es soll sogar kleine Händler geben, die in Wittenburg direkt beim Chef anrufen, weil sie glauben, so eine größere Menge meinesgleichen kaufen zu können. Wie bei jeder Pizza besteht mein Teig aus Mehl, Hefelösung, Wasser, Salz und Olivenöl. In meinem Fall fügen zwei Mitarbeiterinnen Kakaopulver hinzu. Die Zutaten werden nach der Anlieferung regelmäßig im eigenen Labor untersucht. So wird beispielsweise im Viskosimeter die Fließgeschwindigkeit der Schokosoße gemessen. Gravierende Beanstandungen, sagt Werksleiter Dr. Detlef Förster, gebe es selten.

Maschinen kneten den Teig

Zu Beginn der Produktion wird mein Teig maschinell durchgeknetet. Ein Cutter schneidet kleine runde Portionen, alle genau gleich schwer. Abweichungen von mehr als einem Prozent werden aussortiert. Von hier geht es auf einem Fließband in den Vorgärer. 15 bis 20 Minuten habe ich nun Zeit, mich von der bisherigen Behandlung zu erholen.

Danach werde ich auf einen großen Blechteller gesetzt und durch den kräftigen Stoß eines stempelartigen Geräts in die typische runde Form gebracht. Wie die Hausfrau mit einer Nadel kleine Löcher in den Teig bringt, so werde auch ich hier gepikst. Das soll verhindern, dass sich später Luftblasen bilden.

Schokostückchen aus Westafrika

Ich bin inzwischen vorne, hinten und an den Seiten von anderen Teiglingen umgeben. In einem weiteren Gärschrank gibt Dr. Oetker uns noch einmal 30 Minuten Ruhezeit, in der ich vorgewärmt und angefeuchtet werde. Dann wird es richtig heiß, 250 Grad, und das vier Minuten lang. Danach braucht es einige Zeit, bis ich im Kühlturm auf normale Raumtemperatur abkühle. Dies verhindert, dass die Schokoflocken sowie die dunklen und weißen Schokostückchen, die Dr. Oetker aus Westafrika bezieht, nicht sofort schmelzen, wenn sie durch einen Trichter auf mich gestreut werden. Werkleiter Förster nennt diese Apparatur Wasserfall: Durch eine Lücke im Fließband fällt die überschüssige Schokolade auf ein quer laufendes Band. Sie wird sofort ab- und der nächsten Pizza zugeführt. Ich selbst komme nach weiterer Wartezeit in einen Froster, wo ich mindestens 30 Stunden bei minus 22 Grad verbringe.

150 Meter durch das Werk

Zuvor sind, seitdem mein Teig geformt wurde, eineinhalb Stunden vergangen, und ich wurde etwa 150 Meter bewegt. Unterwegs saßen immer wieder Mitarbeiterinnen von Dr. Oetker, die mich und meinesgleichen begutachtet und die eine oder andere Schokopizza aussortiert haben. Dabei sorgt Oetker gut vor. Damit sich nicht aus Versehen ein Stückchen Plastik im Teig verfängt, werden die Zutaten in blauer Folie angeliefert. Sie fällt schneller auf. Später gibt es noch eine automatische Kontrolle auf Metallteile – für alle Fälle. Vermutlich, höre ich Förster sagen, sei es nur eine Frage der Zeit, wann die Arbeitskraft der Frauen durch optische Geräte ersetzt wird. Doch noch sind die Frauen besser als die Technik.

Ab in den Karton

Vom Tiefkühllager führt mein Weg automatisiert in eine Plastikfolie, die in meinem Fall verhindert, dass Schokostückchen vom Teig herunterfallen, und von da in einen Faltkarton. Mit den Angaben, die dort aufgedruckt werden, lässt sich genau zurückverfolgen, wann ich wo und mit welchen Zutaten produziert wurde. Insgesamt gibt es hier fünf Maschinenstraßen, die von Sonntagabend bis Samstagfrüh in Betrieb sind. Die letzten Stunden sind jedoch der Großreinigung vorbehalten.

Bislang verkauft Dr. Oetker die Schokopizza ausschließlich in Deutschland. Weitere Märkte sollen aber bald folgen.

Kommentare

Dr. Oetker Schokopizza

gut geschrieben - aus Sicht einer Pizza. Es wäre jedoch schön, wenn man die Pizza auch endlich mal kaufen könnte. für Anfang April avisiert, ist sie jetzt - Ende Mai - weder in Lübbecke noch Hüllhorst erhältlich.

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