Neue Studie nennt keinen Zeitplan – »Pro Bahn« in OWL lobt Konzept Rhein-Ruhr-Express kommt – aber wann?

Bielefeld (WB). Er heißt Rhein-Ruhr-Express (RRX), soll aber auch Westfalen besser an den Schienenverkehr anbinden. Der Fahrgastverband »Pro Bahn« in OWL spricht von einem »uneingeschränkt positiven Projekt«.

Von Bernd Bexte
Diese Computeranimation des Herstellers Siemens zeigt einen der RRX-Züge, die in OWL von Ende 2018 an fahren sollen.
Diese Computeranimation des Herstellers Siemens zeigt einen der RRX-Züge, die in OWL von Ende 2018 an fahren sollen. Foto: Siemens

Der RRX wird schrittweise – geplant von Ende 2018 an – den Regional-Express (RE) ersetzen. Im Endstadium wird er im 15-Minuten-Takt im Ballungsraum Rhein-Ruhr zwischen Köln und Dortmund pendeln.

Auch das westfälische Umland werde profitieren. Das besagt zumindest eine Studie für Westfalen-Lippe, die Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) am Montag vorstellte.

55 Züge sollen zwischen Hamm und Paderborn pendeln

Demnach werden unter anderem werktags mehr als 55 Züge je Richtung zwischen Hamm und Paderborn (RRX 2) verkehren. Das entspricht einer Steigerung des Angebots um mehr als 50 Prozent gegenüber 2016.

Gütersloh, Bielefeld, Herford und Minden sollen über die Linien RRX 4 oder 6 angebunden werden. Wann der RRX allerdings im gesamten Netz fährt, ist noch unklar. »Das Betriebskonzept mit all seinen Verbesserungen einschließlich 15-Minuten-Takt kann erst nach komplettem Ausbau der Infrastruktur umgesetzt werden«, heißt es in der Studie.

Neue Gleise müssen verlegt werden

Auf einen konkreten Zeitpunkt legt sich Groschek nicht fest. Denn erst müssen im Kerngebiet neue Gleise verlegt werden. Die Strecke Duisburg-Düsseldorf wird auf sechs Gleise ausgebaut. Baubeginn für den RRX soll im März im Raum Köln sein.

Der Bedarf ist laut Studie auf jeden Fall vorhanden – auch in Westfalen: Von 2010 bis 2014 sei die Nachfrage im Bahn-Regionalverkehr allein auf den Strecken Hamm-Paderborn und Hamm-Bielefeld um 30 Prozent gestiegen.

3,45 Milliarden Euro soll das Mammutprojekt kosten. Davon fließen 2,65 Milliarden Euro vom Bund in den Ausbau von Schienennetz und Bahnhöfen. Außerdem kauft das Land für 800 Millionen Euro die bei Siemens bestellten 82 RRX-Züge mit jeweils 400 Sitzplätzen.

Der RRX hält in 22 Kommunen im Bereich des Nahverkehrs Westfalen-Lippe (NWL). In den 16 Kreisen und drei kreisfreien Städten (Bielefeld, Münster, Hamm) Westfalens außerhalb des Ruhrgebietes leben 5,6 Millionen Menschen. »Etwa 270 000 Kunden nutzen werktäglich die Regionalzüge, Tendenz steigend«, erklärt der Paderborner Kreisdirektor und NWL-Verbandsvorsteher Dr. Ulrich Conradi. Potenziell könnten es 400 000 sein.

Bahnsteige werden auf 76 Zentimeter erhöht

Für den RRX werden 16 Bahnhöfe in Westfalen-Lippe modernisiert. Die Bahnsteige werden für die Barrierefreiheit auf einheitliche 76 Zentimeter erhöht und 215 Meter verlängert.

Bis 2023 werden 41 weitere Bahnhöfe saniert. Bereits zum 1. August wird ein westfalenweit einheitliches Tarifsystem eingeführt. »Dieses Projekt ist bundesweit vorbildlich«, lobt Rainer Engel vom Fahrgastverband Pro Bahn OWL. Barrierefreiheit, mehr Verbindungen, Investitionen in Bahnhöfe – »das ist alles sehr positiv«.

Im Vorlauf sei bereits Ende 2016 das Fahrplanangebot ausgeweitet worden, unter anderem der RE 11 von Düsseldorf nach Paderborn und Kassel. Ab Dezember 2018 wird das Angebot zwischen Hamm und Paderborn mit Start der ersten RRX-Linie zum Stundentakt erweitert.

Betreiber der RRX-Linien werden die deutsche Tochter des britischen Verkehrsunternehmens National Express und der niederländische Konkurrent Abellio. Die Deutsche Bahn war 2015 in der Ausschreibung unterlegen.

Der Netzplan für den Rhein-Ruhr-Express: OWL wird demnach über drei Linien auf zwei Strecken (Kassel-Paderborn-Hamm, Minden-Bielefeld-Hamm) angebunden. Wann der RRX allerdings auf allen Strecken fährt, ist noch ungewiss. Foto: NRW-Verkehrsministerium (Grafik)

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.