Drei weitere Babys in Lippstädter Krankenhaus infiziert – tödliche Keiminfektion bereits 2014 Erneut stirbt ein Frühchen

Lippstadt (WB). Im Evangelischen Krankenhaus Lippstadt ist erneut ein Frühchen an einer Keiminfektion gestorben. Drei weitere Neugeborene auf der Station sind infiziert.

Von Bernd Bexte
Das Evangelische Krankenhaus im Lippstädter Norden: Hier starb ein erst 19 Tage altes Baby, ein Junge, an einer Infektion.
Das Evangelische Krankenhaus im Lippstädter Norden: Hier starb ein erst 19 Tage altes Baby, ein Junge, an einer Infektion.

Ihr Zustand sei aber stabil, teilt das Krankenhaus mit. Nach dem Tod des 19 Tage alten und nur 840 Gramm schweren Jungen am 2. Januar hat die Klinik (328 Betten) vergangene Woche einen Aufnahmestopp für die Frühchenstation verhängt.

Bereits im Juni 2014 war dort ein frühgeborenes Mädchen sieben Tage nach der Geburt an einer Keiminfektion gestorben. 14 weitere Babys waren infiziert. Als Folge waren die hygienischen Standards auf der Station erhöht worden.

»Das jetzt gestorbene Frühchen hatte am 2. Januar tagsüber Infektionserscheinungen gezeigt«, erklärt Krankenhaussprecher Thomas van Zütphen. Ihm sei noch ein Antibiotikum verabreicht worden. »Kurz vor Mitternacht ist es dann aber gestorben.«

Darmbakterien sind eine Gefahr für Frühchen

Bei dem tödlichen Keim handele es sich um das Bakterium Serratia marcescens. Dies habe ein Rachenabstrich bei dem Säugling ergeben. Das Ergebnis habe am 4. Januar vorgelegen.

Serratia marcescens gehört zur Familie der Darmbakterien, die für gesunde Menschen in der Regel ungefährlich seien. »Dieser Keim ist überall.« Da frühgeborene Kinder aber ein sehr schwaches Immunsystem hätten, berge das Bakterium für sie ein großes Risiko.

Es könne unter anderem zum Nierenversagen oder zu einer Blutvergiftung führen. Anders als beim multiresistenten E-Coli-Bakterium, das generell meldepflichtig sei und 2014 zu dem Todesfall in dem Lippstädter Krankenhaus geführt hatte, sei Serratia marcescens nur bei nachgewiesenen Infektionen meldepflichtig.

Es sei auch – anders als das E-Coli-Bakterium – gut mit Antibiotika einzudämmen. Deshalb seien die drei ebenfalls infizierten Frühchen bereits auf dem Weg der Besserung. Sie werden getrennt von den anderen Neugeborenen versorgt. Insgesamt liegen derzeit sieben Frühgeborene auf der Perinatalstation (16 Plätze).

Kreis Soest: »Hygienemaßnahmen sind vorbildlich«

Der Aufnahmestopp sei nicht behördlich angeordnet worden. »Den haben wir selber verhängt«, sagt Krankenhaussprecher van Zütphen. Das Kontrollsystem im Haus sei spätestens seit dem Vorfall vor zwei Jahren »deutlich über dem vorgeschriebenen Standard«.

Die Frühgeborenen würden häufiger auf Keime untersucht als es das Robert-Koch-Institut vorschreibe. »Wir tun hier das Maximale.«

Das bestätigt ein Sprecher des Kreises Soest, dessen Gesundheitsamt bei der Krisenbewältigung eingebunden ist. »Die Hygienemaßnahmen in dem Haus sind vorbildlich«, sagt Kreissprecher Wilhelm Müschenborn.

Suche nach dem Keimherd

Nach dem Todesfall im Jahr 2014 stehe das Kreisgesundheitsamt ständig im Kontakt mit dem Krankenhaus. Der Infektionsweg konnte damals nicht geklärt werden.

Auch jetzt dürfte dies schwierig sein. Ein dem tödlichen Bakterium ähnlicher Keim sei zwar im Siphon eines Waschbeckens nachgewiesen worden. Ob die Stelle der Keimherd ist, sei jedoch unklar, sagt van Zütphen.

Weitere Proben seien notwendig, um sicherzugehen, dass sich die Keime nicht ausbreiten. Der erneute Todesfall belaste die Krankenhausmitarbeiter. »Sie sind alle sehr betroffen.«

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