2016 stand im Zeichen von Terror, Krisen und den Folgen der Flüchtlingsbewegung Ein Jahr der Extreme

Bielefeld (WB). Am Silvesterabend gibt es guten Grund zu feiern – dass dieses überwiegend verstörende Jahr endlich vorüber ist. 2016, das waren zwölf Monate der Extreme, geprägt von Terror, Krieg, von Überraschungen und nur wenigen Lichtblicken.

Von André Best
Überraschende und tragische Ereignisse haben das Jahr 2016 bestimmt.
Überraschende und tragische Ereignisse haben das Jahr 2016 bestimmt. Foto: WB

Das Jahr begann so schlimm wie es endete. Die Katastrophe von Köln und die Tragödie von Berlin bilden den grausamen Rahmen. Die Bombenexplosionen im März in Brüssel mit 35 Toten und das Attentat von Nizza im Juli, bei dem 86 Menschen sterben mussten, – dazu die vielen Verletzten – sind weitere Merkmale des Jahres.

Zwölf Monate haben einiges verändert. Unruhen und die zunehmende Unbeständigkeit haben dazu geführt, dass viele Menschen irritiert sind. Es scheint nochmals mehr aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Vieles ist noch unklarer, noch unkalkulierbarer geworden. Der Syrien-Krieg, Trump, Erdogan, Putin, Hass im Internet, Rechtspopulismus, EU-Instabilität, die zunehmende Gewaltbereitschaft – ein paar Stichworte reichen, um das Gefühl des Unbehagens zu dokumentieren.

Vieles nicht für möglich gehalten

Vielen – auch Politikern – scheint die Orientierung abhanden gekommen zu sein. Terror, Brexit und Trump haben den Wesenskern unserer Überzeugung getroffen. Das nutzen Parteien wie die AfD aus. Sie wollen die Gesellschaft spalten. Es liegt an uns, ob wir das zulassen oder nicht.

2016 ist viel geschehen, was niemand für möglich gehalten hätte. Wie hätten wir wohl reagiert, wenn uns jemand vor einem Jahr mit folgenden Nachrichten konfrontiert hätte: In Köln und anderen Städten werden Frauen auf offener Straße zu Opfern von sexueller Gewalt, ohne dass die Polizei eingreift? Wir hätten gesagt:Niemals. Trump wird Präsident?Niemals.Ein Lastwagen rast auf einen Weihnachtsmarkt und reißt zwölf Menschen in den Tod?Ja, aber dennoch unvorstellbar.Ein Obdachloser wird in der Berliner U-Bahn von Jugendlichen angezündet, eine junge ahnungslose Frau die Treppe zum Bahnsteig heruntergestoßen.Unglaublich.Die AfD zieht in drei Landtage ein.Bestimmt nicht.Es kommt zum Brexit.Sicher nicht.

Zeit von großer historischer Bedeutung

Doch! Die Normalität ist zur Ausnahme geworden. Krise ist längst Alltag. Aber Krise ist nicht gleich Krise. Die Staatsschuldenkrise Griechenlands etwa ist verglichen mit den derzeitigen Herausforderungen fast schon eine Kleinigkeit. Sie steht in keinem Verhältnis zur Situation, die der Terror und seine Folgen mit sich bringen. Er betrifft unsere Grundfesten, unsere Werte wie Freiheit, Demokratie, Toleranz und Menschenrechte.

Wir erleben gerade eine Zeit von großer historischer Bedeutung. Mit rasanten Veränderungen. Mit Fragen, auf die Politik und Gesellschaft, auf die wir Antworten finden müssen. Wie viel Staat wollen wir? Was ist uns unsere Sicherheit wert? Welche Rolle wollen wir einnehmen in der weiter zunehmenden globalisierten und digitalisierten Welt?

Es ist falsch, dass nichts mehr so ist, wie es einmal war. Aber es ist richtig zu sagen, dass vieles neu bewertet werden muss, nicht nur in den Fragen rund um Terrorbekämpfung und Sicherheit. Nur, weil ein neues Jahr beginnt, werden die Herausforderungen nicht kleiner. Nein, sie werden eher größer.

Lesen Sie zum Jahreswechsel auch unseren Leitartikel.

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