Einführung des Westfalentarifs zum 1. August 2017 beschlossen Das Ende des Wirrwarrs

Bielefeld (WB). In Bus und Bahn mit nur einem Ticket durch die ganze Region: Am 1. August 2017 erfüllt sich ein lang gehegter Kundenwunsch. Dann wird der Westfalentarif eingeführt.

Von Dietmar Kemper
Auch in den Zügen der Nordwestbahn werden Fahrgäste vom Sommer nächsten Jahres an den Westfalentarif nutzen können.
Auch in den Zügen der Nordwestbahn werden Fahrgäste vom Sommer nächsten Jahres an den Westfalentarif nutzen können. Foto: dpa

Der Tarif macht es möglich, mit nur einem Ticket zum Beispiel von Höxter, Bad Oeynhausen oder Herford nach Dortmund zu fahren und verschiedene Verkehrsmittel zu benutzen. Damit entsteht der zweitgrößte deutsche Nahverkehrstarif auf einer Fläche von 20.000 Quadratkilometern mit 7,2 Millionen Einwohnern. Etwa 70 Verkehrsunternehmen aus der Region werden die Passagiere befördern, auch die Deutsche Bahn wird den Tarif anbieten. Auf dessen Einführung haben sich jetzt der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), die OWL Verkehr GmbH, die Tarifgemeinschaft Münsterland/Ruhr-Lippe, die Verkehrsgemeinschaft Westfalen-Süd und die Verbundgesellschaft Paderborn-Höxter mbH geeinigt. Sitz der neuen Westfalen Tarif GmbH, die sich um Vertriebsfragen kümmert, wird Bielefeld werden.

Einheitliche Namensgebung

Von einer »historischen Entscheidung« sprach gestern die Geschäftsführerin der OWL Verkehr GmbH in Bielefeld, Cornelia Christian: »Fünf Regionen haben sich zu einer Region zusammengeschlossen, ohne alles aufzugeben.« Die Produkte und Preisstufen von eins bis fünf im Nahbereich werden beibehalten, aber Tarife wie der »Sechser« oder der »Münsterland-Tarif« vom Namen her im Westfalentarif aufgehen. Der greift ab Preisstufe sechs, zwölf ist die höchste Preisstufe für weite Fahrten. Um die wachsende Zielgruppe der älteren Menschen für den Westfalentarif zu begeistern, soll am 1. August 2017 das »60plusAbo« eingeführt werden, das voraussichtlich 86,70 Euro im Monat kosten wird. Wer mit Bus oder Bahn zur Arbeit fährt, wird nach aktuellen Planungen für ein Jobticket zwischen 202 und 212 Euro bezahlen müssen. Geplant sind 9-Uhr-Tagestickets für 29,60 Euro (eine Person, Preisstufe zwölf), normale Tagestickets für fünf Personen kosten zwischen gut 16 und 53 Euro, Einzeltickets zwischen 4,30 und 26 Euro.

Mehr als 120 Millionen Fahrgäste im Jahr

In der OWL Verkehr GmbH haben sich mehr als 20 Bus-, Stadtbahn- und Schienenverkehrsunternehmen zusammengetan, die jedes Jahr mehr als 120 Millionen Fahrgäste von A nach B bringen. Noch herrscht in OWL ein Tarifwirrwarr. Wer am Rande von Tarifräumen, wie etwa in Rheda-Wiedenbrück, lebt, leidet besonders unter dem Flickenteppich. Menschen aus dem Hochstift Paderborn, die mit dem Zug nach Bielefeld fahren und dann weiter mit dem Bus in den Kreis Herford wollen, können dies nicht mit einem Ticket tun. Außerhalb des Hochstifts gilt der »Sechser«, der Gemeinschaftstarif für Bus und Bahn in Bielefeld und den Kreisen Gütersloh, Lippe, Herford und Minden-Lübbecke.

Interessanter für Gelegenheitsfahrer?

Der Zusammenschluss der regionalen Tarife erleichtere es den Menschen, den ÖPNV zu nutzen, ist Cornelia Christian überzeugt: »Zukünftig brauchen sie für ganz Westfalen nur noch ein einziges Ticket, ganz gleich ob sie zum Shoppen nach Dortmund, zum Weihnachtsmarkt nach Siegen oder zu Freunden nach Paderborn fahren.« Das mache den Westfalentarif auch für Gelegenheitsfahrer und Familien interessanter.

Bahncard-Inhaber sind die Verlierer

Der Fahrgastverband Pro Bahn NRW begrüßt die Einführung des Westfalentarifs. »Westfalen sieht damit nach außen ein bisschen einheitlicher aus«, sagte Sprecher Lothar Ebbers gestern. Bislang sei das Tarifwerk sehr kleinteilig und kompliziert gewesen. Jetzt ziehe Westfalen mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr gleich, sagte Ebbers. Gleichzeitig behielten die Kommunen vor Ort weiterhin Spielraum bei der Gestaltung des ÖPNV. Als Verlierer des Westfalentarifs sieht Ebbers Kunden mit Bahncard. Die Ermäßigung im NRW-Tarif etwa bei Fahrten von Bielefeld nach Hamm werde wegfallen. In den nächsten Monaten werden die technischen Voraussetzungen für Verkauf und Verwaltung des Westfalentarifs geschaffen.

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