Klaus Oetzmann sucht nach 40 Jahren einen Nachfolger für seinen Kult-Laden »Comics haben Zukunft«

Borgholzhausen(WB/-md). Geschmökert hat Klaus Oetzmann (65) in Comics schon als Kind. Seit 40 Jahren hat er ein Comic-Geschäft. Jetzt denkt der Experte der gezeichneten Helden an Ruhestand. Einziges Problem: Es muss ein Nachfolger her, der genau so eine Leidenschaft für Comics und ihre speziellen Lesern hat.

Klaus Oetzmann in seinem Reich an der Mühlenstraße: Comics bis unter die Decke, als Hefte oder mit Festeinband. Insgesamt auf etwa 100.000 Artikel schätzt der Fachmann sein Sortiment. Oetzmann ist Traditionalist: Internet kommt ihm nicht ins Haus.
Klaus Oetzmann in seinem Reich an der Mühlenstraße: Comics bis unter die Decke, als Hefte oder mit Festeinband. Insgesamt auf etwa 100.000 Artikel schätzt der Fachmann sein Sortiment. Oetzmann ist Traditionalist: Internet kommt ihm nicht ins Haus. Foto: Hans-Werner Büscher

Das Geschäft im Dreieck von Mühlenstraße und Oststraße in Bielefeld ist so etwas wie ein Geheimtipp für Comic-Fans. Ein Besuch lohnt – wenn man Zeit mitbringt und Neugier für die mit klaren Linien gezeichneten und kolorierten Helden und Heldinnen von Fantasy bis History hat. »Alles Neuware«, konstatiert Oetzmann. Der Inhaber spricht von 100.000 Artikeln.

Mit einem kleinen Laden in Brackwede habe er 1980 angefangen, erzählt der Borgholzhau­sener. Und das sei so gut angelaufen, dass er schon zwei Jahre später in die Mühlenstraße umzog. Beschäftigt hat sich der gelernte Großhandelskaufmann immer mit Neuware. Davon erscheint jede Woche jede Menge. Und alle Serienhelden haben ihre Fans.

Die Zeiten, als Comic-Sammler schräg angeschaut wurden, man Hefte unter dem Ladentisch lagerte oder die Leute insbesondere gebrauchte Hefte gesucht hätten, seien seit den 1970er Jahren vorbei. »Von dem Geschäft mit den neuen Ausgaben kann man leben«, sagt Klaus Oetzmann. Das Kundenspektrum reicht vom Bankdirektor über Arzt und Pastor bis zu Studenten oder Bauarbeitern. Ihre Motivation ist höchst unterschiedlich. Aber fast alle kommen regelmäßig in den Bielefelder Osten, um nach Neuerscheinungen gezielt zu schauen. Oetzmann: »Einige sammeln nach Nummern alle Hefte, andere nach Verlagen oder Themen, jeder in seiner Welt.«

Seit seinem 60. Geburtstag öffnet Klaus Oetzmann sein Geschäft nur noch am Donnerstag, Freitag und Samstag. Dass der Umsatz gegenüber der Zeit davor gleich ist, sieht der Kaufmann als klaren Beleg dafür, dass Laufkundschaft in seiner Welt absolut keine Rolle spielt. Stammkunden sind das Kapital – und zwar ohne Internet-Portal und Online-Handel. Klaus Oetzmann hat noch eine Kasse und einen Uralt-Bürorechner aus den 1970ern.

Auf jeden Fall schließen will Klaus Oetzmann schon 2016 sein an den Comic-Laden angrenzendes Geschäft für Wein und Zigarren. Ein Nachfolger für den Comic-Laden, ist er überzeugt, müsse man ganz besonnen aussuchen. Dass Verlage Interesse zeigen, nebenan ein eigenes Depot mit neuen Artikeln zu betreiben, sieht Oetzmann mit Freude: »Comics haben eben Zukunft.«

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