Frau mit Kind in Transporter eingepfercht Die Geschichte des Titelfotos

Passau (WB/keig). Ein Kleinkind schmiegt sich Schutz suchend an seine Mutter. Mit großen Augen blickt es um sich. Gerade hat die Polizei seine Familie aus einem überfüllten Transporter geholt.

Das Bild zu unserer Themenwoche »Flüchtlinge«.
Das Bild zu unserer Themenwoche »Flüchtlinge«. Foto: Sebastian Backhaus

Szenen wie diese auf unserem Titelfoto machen die Dramatik der aktuellen Flüchtlingskrise deutlich. Fotograf Sebastian Backhaus hat sie in Passau für die Agentur imago eingefangen. Der 37-Jährige hat drei Tage auf einem Parkplatz an einer Autobahnabfahrt ausgeharrt und auf Fotomotive gewartet. »Ich wusste, dass das ein beliebter Platz von Schleusern ist, um Flüchtlinge einfach aus ihren Transportern zu schmeißen«, erzählt er dieser Zeitung. So auch an diesem frühen Montagmorgen. Mit einem Unterschied: Statt sich gleich aus dem Staub machen zu können, steht der Schleuser plötzlich Polizisten gegenüber. Sie nehmen ihn fest.

17-köpfige Familie klettert mit Kind aus dem Transporter

Als die 17-köpfige Familie – zuvor völlig zusammengepfercht – aus dem schwarzen Mercedes Vito klettert ist auch die junge Mutter mit ihrem Kind dabei. Fotograf Backhaus hält den Blick des Kindes fest. Anschließend fragt ihn einer der Flüchtlinge aus dem syrischen Hasakah: »In welchem Land sind wir?« auf Arabisch. Da Backhaus der Sprache mächtig ist, antwortet er: »Alemania.« Laut seiner Schilderungen strahlt der Großteil der Familie erleichtert. »Einige wirkten allerdings in der neuen Umgebung total verunsichert.« Alle seien jedoch glücklich gewesen, endlich nicht mehr in dem Transporter eingequetscht zu sein.

Das bei seiner Mutter Schutz suchende Kind hat Backhaus nicht nur auf dem Foto festgehalten. Es brennt sich ihm auch ins Gedächtnis ein. Was mag wohl in dem kleinen Kopf des Kindes vorgegangen sein, als sich die Transportertür öffnet und es vom stickigen, dunklen und überfüllten Wagen plötzlich in die Freiheit getragen wird?

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