Gesamtsumme NRW-weit binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt Spieler verzocken immer mehr Geld an Automaten

Bielefeld (WB). In NRW wird immer mehr Geld an Glücksspielautomaten ausgegeben. 2014 haben Spieler allein in Spielhallen rund 1,34 Milliarden Euro verzockt. An Automaten in Gaststätten wurden zusätzlich fast 155 Millionen Euro verspielt. Auch in OWL steigen die Zahlen deutlich.

Von Bernd Bexte
Immer mehr Menschen spielen an Spielautomaten.
Immer mehr Menschen spielen an Spielautomaten. Foto: Oliver Schwabe

In den vergangenen zehn Jahren haben sich damit die verlorenen Spieleinsätze an Automaten in NRW mehr als verdoppelt: 2004 waren es insgesamt noch etwa 600 Millionen gewesen. Das hat der Arbeitskreis gegen Spielsucht in Unna ermittelt, der die Zahlen alle zwei Jahre bei NRW-Kommunen mit mehr als 10.000 Einwohnern abfragt. Demnach stieg die Gesamtsumme der verzockten Spieleinsätze in Bielefeld von knapp 11 Millionen Euro (2004) auf 22,5 Millionen (2014). Die Summe benennt die Kasseninhalte der Automaten – die ausgeschütteten Gewinne sind bereits abgezogen. In Paderborn legte dieser Wert von 6,7 auf 17,5 Millionen Euro zu.

Zum Teil lassen sich die landesweiten Mehrausgaben mit der wachsenden Zahl an Spielgeräten erklären. Insgesamt verzeichnet die in Bielefeld ansässige Landeskoordinierungsstelle für Glücksspielsucht für 2014 fast 62   500 Geldspielgeräte in Spielhallen und Gaststätten in NRW. 2012 waren es knapp 60.000 Geräte gewesen. Doch als einzige Erklärung reicht dies nicht: In Bielefeld liegt die Zahl der Spielautomaten konstant bei etwa 1000 – trotzdem steigt der Spieleinsatz, in Paderborn sind mit 690 Automaten sogar deutlich weniger aufgestellt als 2013 (820).

Jugendschutz in Gaststätten schwer zu kontrollieren

Derzeit schätzt die Landeskoordinierungsstelle die Zahl der Glücksspielsüchtigen NRW-weit auf 40.000. »Die Beratungsnachfrage nimmt ständig zu«, sagt Leiterin Ilona Füchtenschnieder. An den Automaten spiele allerdings nicht die breite Bevölkerung. »Eine ganz kleine Gruppe sorgt für den Hauptumsatz.« Füchtenschnieder fordert die Verbannung von Geldspielautomaten aus Gaststätten. Hier lasse sich der Jugendschutz nur schwer kontrollieren. Beim Espelkamper Automatenhersteller Gauselmann, Marktführer in Deutschland, hält man das für überzogen. »Gastwirte würden unter Pauschalverdacht gestellt, sie könnten den Jugendschutz nicht einhalten«, sagt Unternehmenssprecher Mario Hoffmeister. Zudem fordert Füchtenschnieder – wie in Hessen Praxis – die Möglichkeit für Spielsüchtige, sich freiwillig sperren zu lassen. In Spielbanken gibt es dieses Angebot schon. Hoffmeister kritisiert das: »Das geht am eigentlichen Problem der Spielsucht vorbei.« Zudem sieht er datenschutzrechtliche Bedenken.

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Essen erklärt, dass sie derzeit kein Ermittlungsverfahren gegen Paul Gauselmann führe. Hintergrund sind Ermittlungen gegen den ehemaligen Geschäftspartner Ali T., der in Manipulationen von Geldspielgeräten verstrickt sein soll.

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