NRW rechnet 2015 mit Anstieg auf 43.000 Menschen Mehr Flüchtlinge erwartet

Essen (dpa). Viele Asylbewerber müssen laut Flüchtlingsrat in Nordrhein-Westfalen noch immer unter menschenunwürdigen Umständen leben. »Die Zustände sind in vielen Flüchtlingsheimen katastrophal«, sagt Birgit Naujoks, Geschäftsführerin des NRW-Flüchtlingsrates. Trotz Bemühungen der Politik sei es auch 2014 nicht gelungen, die Situation der Flüchtlinge merklich zu verändern. Naujoks forderte Mindeststandards für die von den Kommunen bereitgestellten Unterkünfte. Besonders Turnhallen, leerstehende Baumärkte und Zeltstädte seien aufgrund fehlender Privatsphäre völlig ungeeignet, um Menschen zu beherbergen.

Ein ehemaliger Baumarkt in Köln dient als Notunterkunft für Flüchtlinge.
Ein ehemaliger Baumarkt in Köln dient als Notunterkunft für Flüchtlinge. Foto: dpa

Das Land NRW unterhält mittlerweile 7500 Plätze für Flüchtlinge. In den Regelunterkünften stehen 6300 Betten zur Verfügung, in Notunterkünften noch einmal 1200. Insgesamt haben die Städte und Gemeinden in NRW von Januar bis November knapp 35.000 Flüchtlinge aufgenommen. Köln musste mehr als 2000 davon unterbringen, Düsseldorf bekam 1326 Asylbewerber zugewiesen, in Dortmund waren es 684, in Bochum 625. Die Zuweisungsquote errechnet sich aus verschiedenen Faktoren wie Einwohnerzahl, Fläche und Zahl der bereits in der Kommune lebenden Asylbewerber. In Landesunterkünften sollen mittelfristig 10.000 Plätze zur Verfügung stehen, um laut NRW-Innenministerium »der zu erwartenden anhaltenden Steigerung der Zugangszahlen Rechnung zu tragen«. In diesem Jahr wird es nach Auskunft des Ministeriums etwa 40.000 Flüchtlinge in NRW geben, für 2015 bereite man sich auf eine Steigerung auf 43.000 Menschen vor.

Übergriffe von Wachleuten auf Flüchtlinge in einer Unterkunft des Landes in Burbach hatten im Herbst für Entsetzen gesorgt. Die Männer hatten mit zuvor menschenunwürdig behandelten Flüchtlingen posiert und dies auf Foto und Video festgehalten. Das hat nicht nur strafrechtliche Folgen. Das Land NRW geriet wegen der Enge in den Heimen, nicht festgelegter Standards und mangelnder Kontrolle in die Kritik und kündigte Änderungen an. Im Fall Burbach wird gegen etwa 20 Beschuldigte ermittelt. Etwa die Hälfte davon seien Wachmänner, sagt Oberstaatsanwalt Johannes Daheim. Die Ermittlungen würden sich wegen der Auswertung der umfangreichen beschlagnahmten Daten noch Monate hinziehen.

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