Mitglieder des SC Paderborn stimmen für die Kapitalgesellschaft Ja zur Ausgliederung

Paderborn (WB). Die Mitglieder des Zweitligisten SC Paderborn haben Dienstagabend den Weg frei gemacht: Mit großer Mehrheit stimmten sie für die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung in eine Kapitalgesellschaft. Damit hätte Profifußball in Paderborn auch ohne Hauptsponsor Wilfried Finke dauerhaft eine Chance.

Von Matthias Reichstein
Mit großer Mehrheit stimmten sie für die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung in eine Kapitalgesellschaft.
Mit großer Mehrheit stimmten sie für die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung in eine Kapitalgesellschaft. Foto: Besim Mazhiqi

Verwertungsrecht der Marke, die Profis, die Mannschaften der U21 bis U17, die Verwaltungsmitarbeiter, das Anlage- und Umlaufvermögen sowie die in der 3. Liga wieder angehäuften Schulden (Insider rechnen bis zum 30. Juni mit etwa 4 Millionen Euro) gehören nun zu der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA).

Sie soll künftig die knappe Eigenkapitaldecke des SCP nachhaltig stärken und die Abhängigkeit von einem Großsponsor beenden. »Unsere Ausgliederung war heute alternativlos. Nur so bekommen wir eine breite Investorenschaft und schaffen die Emanzipierung des Vereins von Wilfried Finke«, sagte Vizepräsident Dr. Rudolf Christa erleichtert.

»Die Mitglieder bleiben aber das wichtigste Gremium. Ohne ihre Zustimmung läuft nichts«, machte Frank Nordhoff (Wirtschaftsprüfer KPMG) bei der Vorstellung des Konzepts deutlich.

Wer wird Präsident? Wer wird Finanzchef?

Doch jetzt fängt die Arbeit erst an. Bis Ende Juni will die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die Bewertung des ausgegliederten SCP-Teils und der Paderborner Stadiongesellschaft abgeschlossen haben.

Danach müssen die künftigen Investoren - neun der zehn Firmen sind Gönner, die noch nicht im Verein tätig waren – ihren Worten Taten folgen lassen und Anteile kaufen. Nur so wäre zum Beispiel auch bei einem Abstieg in der 3. Liga die Finanzierung einer Saison möglich.

Parallel dazu müssen sehr zeitnah einige Personalien geklärt werden: Wen bestellt der Aufsichtsrat nach dem Rücktritt von Finke zum Präsidenten und wie heißen die künftigen Stellvertreter? Wer rückt in den Wirtschaftsrat? Wie setzt sich der künftige Präsidialausschuss zusammen?

Und besonders spannend: Wen bestellt dieser Ausschuss neben Markus Krösche (Geschäftsführer Sport) zum neuen Finanzchef? Dieses Personal-Puzzle muss noch nicht bis zum Saisonstart am 4. August komplett sein. Zu einer Hängepartie darf der Start der neuen SC Paderborn 07 GmbH & Co. KGaA aber auch nicht werden.

300 SCPer und damit 85,96 Prozent votierten für den Antrag

Das eindeutige Votum der 350 stimmberechtigten Mitglieder im Hansesaal des Schützenhofes (75 Prozent mussten zustimmen) stand um 20.43 Uhr fest, unter genauer Aufsicht des Paderborner Notars Klaus Schröder. 300 SCPer und damit 85,96 Prozent votierten bei der geheimen Abstimmung für den Antrag, 49 waren dagegen, ein Mitglied enthielt sich.

Vorausgegangen war eine kurze Aussprache. Das nicht nur von den Fans sehnlich erwartete »frische Geld« soll zum Beispiel ausschließlich für Investitionen und nicht zur Schuldentilgung genutzt werden. Pläne gibt es auch, dass sich Fans künftig an der (KGaA) über eine eigene Gesellschaft beteiligen können.

Einem Mitglied war aufgefallen, dass in der ersten Fassung der neuen SCP-Satzung als Mutterverein »Preußen Münster« geführt wird. Eine peinliche Panne, die korrigiert worden ist und deshalb mit Humor hingenommen wurde.

Die SCP-Profis urlauben und waren gestern Abends nicht da - bis auf zwei: Thomas Bertels und Neuzugang Uwe Hünemeier.

Kommentare

Der richtige Weg?

Nun hat auch der Kommerz beim SCP 07 Einzug gehalten, und es scheint aber so gut wie keinen zu interessieren.
Vor 10 Jahren hatte der SCP ca. 1.500 Mitglieder, nach dem Aufstieg in die 1. Liga über 10.000 (zwangsweise um eine Dauerkarte zu bekommen) aktuell nur noch etwas über 5000 (also in 3 Jahren wieder halbiert).
Da zeigt sich doch (leider) wie es um den Verein (demnächst KGaA) bestellt ist. Da gehen (nur) 350 Mitglieder zu einer Abstimmung wo es um die Zukunft geht. Was soll man dazu sagen? Wir sind (NICHT) alle Paderborner Jungs sondern Schönwetterfans! SC Peinlich Fans!

Jetzt rollt der Rubel....

WIr (Mitglieder) machen den Weg frei....und das also mit großer Mehrheit?
Stimmt, fast 86 % der anwesenden Mitglieder (von 350!!!) stimmen für den Antrag, was aber bedeutet dass nur knapp 6 % von den Gesamtmitgliedern für eine Ausgliederung gestimmt haben!!!
Kaum zu glauben dass rund 94% (ca. 5000!!!) der Mitglieder bei dieser wichtigen Entsacheidung zuhause geblieben sind.
Man kann sich immer nur wundern wen dieser Verein (demnächst KGaA) wirklich noch interessiert und berührt.


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