Zweitligist SC Paderborn will heute Lizenzspielerabteilung ausgliedern Krösche wird der starke Mann

Paderborn (WB). Der Zweitligist SC Paderborn stellt sich völlig neu auf. Am Dienstagabend (19 Uhr, Hansesaal des Schützenhofs) soll bei einer außerordentlichen Versammlung die Lizenzspielerabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert werden. Manager Markus Krösche fällt eine ganz besondere Rolle zu.

Von Matthias Reichstein
Paderborns Manager Markus Krösche spielt bei der geplanten Ausgliederung eine zentrale Rolle.
Paderborns Manager Markus Krösche spielt bei der geplanten Ausgliederung eine zentrale Rolle. Foto: Besim Mazhiqi

»Markus Krösche ist ein wesentliches Gesicht der Zukunft dieses Vereins«, machte Ex-Präsident und Hauptsponsor Wilfried Finke gestern deutlich. Das erklärt auch, warum Finke in einem Gespräch mit dem HSV-Boss Bernd Hoffmann nicht verhandlungsbereit war. Über eine konkrete Ablösesumme habe er nie mit Hoffmann gesprochen, sagte Finke zur Anfrage aus Hamburg. Seine Wertschätzung für Krösche machte er auch so deutlich: »Selbst wenn wir fünf Millionen Euro bekommen hätten, wäre es nicht das gewesen, was mich erfreut hätte.«

Christa: »Auf 100-prozentige Zustimmung gestoßen«

Krösche soll der neue starke Mann im Verein werden. Das verhehlte auch Vizepräsident Dr. Rudolf Christa, Architekt der geplanten Ausgliederung, nicht. »Bei allen Gesprächen mit möglichen Investoren, dem Vorstand und dem Aufsichtsrat sei er beim Namen Krösche auf 100-prozentige Zustimmung gestoßen. Wörtlich sagte Christa: »Ihn zeichnen sportliche Kompetenz und wirtschaftliches Denken aus. Krösche ist als Geschäftsführer Sport gesetzt, und er wird bei uns künftig eine Rolle einnehmen wie Hans-Joachim Watzke beim BVB.« Ob der satzungsgemäß ebenfalls fest verankerte Posten des Geschäftsführers Finanzen künftig von Krösche in Personalunion mitübernommen, vom bisherigen Geschäftsführer Martin Hornberger weitergeführt oder extern neu besetzt wird, ließ Christa offen.

Seit Januar hat er mit 28 Unternehmern aus Ostwestfalen als potenzielle Anleger in einer künftigen Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) gesprochen. Elf Zusagen gab es, elf Firmenchefs überlegen noch, und sechs sagten ab. Namen und genaue Zahlen nannte Christa nicht. Ein Betrieb sei aber sogar bereit, sich im siebenstelligen Bereich zu engagieren, der Rest eher im sechsstelligen. Die erhofften zehn Millionen Euro an frischem Geld für den Paderborner Profifußball konnte Christa damit zwar noch nicht einsammeln, der 55-Jährige ist aber dennoch zufrieden: »Man darf nicht vergessen, dass es sich bei so einem Invest um risikobehaftetes Kapital handelt.«

Bewertung durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG

Damit die künftigen Geldgeber aber zumindest wissen, was der SCP wert ist, wird der Teil des Klubs (Profiabteilung, U21, U19, U17, Markenrechte), der ausgegliedert werden soll, von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bewertet. Ebenso die Paderborner Stadiongesellschaft (PSG) als weiterer Teil der künftigen KgaA. Diese »objektive Wertermittlung« (O-Ton Christa) soll Ende Juni abgeschlossen sein. Bis dahin muss auch ein neues Präsidium stehen. Ein möglicher Kandidat sagte gestern ab. Das ehemalige Aufsichtsratsmitglied Ralph-Jörg Wezorke teilte schriftlich mit, bereits in den vergangenen Wochen alle Anfragen und Angebote bezüglich des Präsidentenamts abgelehnt zu haben. Christa bleibt aber dennoch zuversichtlich: »Bis zum 1. Juli steht die neue Führung.«

Die Weichen für die Ausgliederung sind damit gestellt, ob die Mitglieder den KGaA-Zug auch rollen lassen, ist noch ungewiss: 75 Prozent der anwesenden Mitglieder müssen heute zustimmen.

Kommentare

Dass Krösche ein ausgezeichneter Mann ist, um den ich als Armine den SCP beneide, steht außer Frage. Aber für ein Präsidentenamt kommt nur jemand infrage, der nicht im operativen Geschäft tätig war und einem Verein ohne Pause verbunden ist. Insbesondere sollte zukünftig sichergestellt sein, dass das "Gesicht des Vereins" in den kommenden Jahren nicht zu jeder offenen Stelle seine Bewerbungsunterlagen schickt, wenn diese Geschichte so stimmen sollte. Eine Anfrage eines anderen Vereins wäre ganz anders zu bewerten. Höher dotierte Angebote als in Paderborn oder auch Bielefeld wird es zukünftig zuhauf geben. Bleibt abzuwarten, wie Krösche bei zukünftigen Anfragen reagieren wird. Übel nehmen kann ihm sein Verhalten niemand, alles im grünen Bereich. Aber es erweckt für Außenstehende schon den Anschein, dass der SCP für ihn so etwas wie ein Netz oder doppelter Boden ist.

Krösche wäre für mich auch ein geeigneter Kandidat für das Präsidentenamt.

Gut, in der Kapitalgesellschaft ist der Aufsichtsratsvorsitzende der wahre starke Mann, aber als Identifikatinsfigur übt er Anziehungskraft auf Zuschauer und Sponsoren aus.

Die Hetzjagten mancher Leute gegen ihn wegen der HSV-Geschichte sind jedenfalls total fehl am Platz und unnötige Unruhestiftung GEGEN die Vereinsinteressen.

Früher gingen nur Spieler für Geld. Seit Jahren ist das auch bei Trainern oder Funktionären üblich.

Kröschi ist Familienvater mit zum Teil ungewöhnlichen Belastungen. Dass er an der Stelle Prioritäten setzt, nehme ich ihm nicht übel. Denn er war bereits in Leverkusen. Das war genau das selbe. Und trotzdem wurde der "verlorene Sohn" mit offenen Armen wieder willkommen geheißen.

Finke als Investor

Es dürfte jedem klar sein, dass Finke als Großinvestor in Erscheinung treten wird und somit indirekt weiter am Geschehen beteiligt ist. Daher auch sein eiliger Rücktritt und deswegen werden die Investoren auch nicht genannt. Transparenz geht anders!
Letztlich ist es sinnvoll möglichst viele Investoren ins Boot zu holen. Ohne Aufstieg wäre Finke vermutlich der einzige geblieben. Das Präsidium wird mit der Ausgliederung jedenfalls ein Stück entmachtet und nur noch der Abnickonkel. Krösche wird das neue Gesicht des SCP und es bleibt abzuwarten was er mit seiner macht anstellt. Die Perspektive ist jedenfalls gut. Die Ausgliederung heute abend dürfte reine Formsache sein.

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