SCP-Manager vor Wechsel – Präsidium tritt zurück Krösche ist Favorit beim HSV

Paderborn (WB). Der Präsident ist zurückgetreten, der Manager verhandelt mit dem Hamburger SV, der Chefcoach wird mit Union Berlin in Verbindung gebracht und am Dienstag soll die Profiabteilung ausgegliedert werden – Zweitligist SC Paderborn steht vor richtungsweisenden Tagen.

Von Matthias Reichstein
An diesem Samstag fällt wohl die Entscheidung, ob Markus Krösche (rechts) in Paderborn bleibt.
An diesem Samstag fällt wohl die Entscheidung, ob Markus Krösche (rechts) in Paderborn bleibt. Foto: Besim Mazhiqi

Am Samstagnachmittag tagt ab 15 Uhr der HSV-Aufsichtsrat unter Vorsitz von Präsident Bernd Hoffmann. Das sechs Personen umfassende Kontrollgremium wird über den künftigen Sportvorstand abstimmen. Der bislang als Favorit gehandelte Ralf Becker (Holstein Kiel) soll nach Informationen dieser Zeitung nicht mehr erste Wahl sein. Nach einem persönlichen Gespräch mit Hoffmann werden Paderborns Macher Krösche die besten Chancen eingeräumt. Jung, unverbraucht, teamfähig und einer, der für mutigen Offensivfußball steht – das alles soll der 37-Jährige dem HSV-Boss in einer »begeisternden Präsentation« vermittelt haben.

Krösche, der zurzeit mit seiner Familie auf Sylt urlaubt, beendete die Spekulationen rund um seine Person auch am Freitag nicht: »Ich möchte das alles nicht näher bewerten.« Allerdings steht er beim SCP noch bis 2022 unter Vertrag. Der SCP-Aufsichtsratsvorsitzende Elmar Volkmann betonte daher: »Markus Krösche hat sich große Verdienste erworben. Aber wenn es eine Anfrage gibt, werden wir alles tun, um ihn zu halten.«

Was gegen Kiels Becker spricht:

Kiels Geschäftsführer Ralf Becker wäre ablösefrei zu haben und wird nach zwei Jahren Kiel definitiv verlassen. Laut Fußball-Fachblatt »Kicker« soll der 47-Jährige dem Aufsichtsrat bereits vor drei Wochen seine Entscheidung mitgeteilt haben. Was gegen Becker spricht: Bei seiner Vorstellung soll er große Skepsis geäußert haben, ob sich der beim Erstliga-Absteiger hoch angesehene Bernhard Peters ihm in seiner Rolle als Direktor Sport und Nachwuchschef unterordnen würde.

Nicht viel Neues gibt es bei Union Berlin. Geschäftsführer Oliver Ruhnert wollte bis zum Wochenende den Chefcoach präsentieren, nannte bis Freitag aber noch keine Namen. Neben Baumgart werden auch Mike Büskens und Markus Gisdol als Kandidaten genannt. Was gegen Baumgart sprechen könnte: Mit Ex-Trainer Hofschneider (bekommt einen anderen Posten) und dem entmachteten Sportchef Lutz Munack (jetzt Geschäftsführer der Amateure) bleiben zwei im Verein, die keine Baumgart-Befürworter sein sollen.

Hämmerling und Wezorke Kandidaten für Präsidentenamt

Beim SC Paderborn wackelt die sportliche Führung bedenklich. Drei Tage vor der entscheidenden Abstimmung über die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung in eine Kapitalgesellschaft fällt das Präsidium des SCP bereits auseinander. Klub-Chef Wilfried Finke hat seinen am 12. Mai verkündeten Rücktritt schriftlich fixiert und ist seit dem 18. Mai auch offiziell nicht mehr Präsident. Mit ihm verlassen die Vizepräsidenten Dr. Rudolf Christa und Josef Ellebracht ebenfalls die Führungsebene. Beide traten zurück, allerdings erst mit Wirkung zum 30. Juni. »Wir brauchen ab 1. Juli einen Präsidenten und den werden wir auch bekommen«, sagte Volkmann zu entsprechenden Informationen dieser Zeitung. Wer das sein könnte, ließ er offen.

Als aussichtsreiche Kandidaten gelten zwei erfolgreiche Unternehmer: der ehemalige Vizepräsident Ralf Hämmerling und das frühere Aufsichtsratsmitlied Ralph-Jörg Wezorke. Auch Alt-Bürgermeister Heinz Paus wird genannt.

Kommentare

Ich kann mich noch lebhaft erinnern, wie Markus zum SCP kam. Damals konnte man im HLS nach Spielen die Spieler auf dem Weg aus dem Stadion an der Bierbude treffen. In meinem ersten Gespräch mit ihm, dachte ich noch: die üblichen Fußballer-Floskeln. Es stellte sich aber heraus, dass mein erster Eindruck falsch war und Kröschi eine der wertvollsten Personalien der letzten 20 Jahre sein sollte.

Und nun zum aktuellen Thema: die Arbeit des Sportdirektors/Geschäftsfüher Sport ist gut gemacht. Es sind viele langfristige Verträge vorhanden, die die Arbeit eines Sportdirektors beinahe überflüssig für die nahe Zukunft macht.

Für Markus ist das doch so: beim HSV ist er das schwächste Glied in einer Kette, in der alle paar Wochen ein Glied ausgetauscht wird. Naja, dafür sollte die Kohle stimmen und eine Abfindungsregelung ihm ein sicheres Netz bieten.

Beim SCP sieht das anders aus: der Verein ist hoch verschuldet, der einzige Bürge ist von Bord, der Etat wird auf lange Sicht immer im unteren Drittel egal welcher Liga sein. Und alles unter der 2. Liga ist gleichbedeutend mit de sofortigen Insolvenz. Da heißt, ob nun 2 Jahre SCP oder 2 Jahre HSV. Danach ist wohl in beiden Fällen Schluß.

Nur der HSV zahlt sicher das drei- bis vierfache...

Also Markus, war schön mit Dir. Die besten Jahre des SCP werden immer mit Deinem Namen verbunden bleiben.


Was die Nachfolge im Präsidentenamt betrifft, so hielte ich Herrn Paus für eine glänzende Lösung. Es muss kein Mäzen in dieser Position sein. Und Paus als einer der besten Bürgermeister würde durch seinen Nachfolger - den schlechtesten Bürgermeister - eine noch höhere Strahlkraft haben.

Der Verein kann sowieso nur gerettet werden, wenn er wirtschaftlich solide ist. Und das heißt Schuldenabbau - also mindestens 90% der Erlöse einer Ausgliederung in die Tilgung.

Vielleicht ist dann der Verein noch ein paar Jahre am Leben zu halten...

Deutsches Theater

Paderborn hat eine blitzsaubere Serie gespielt. Das hätte doch keiner so erwartet. Alle Achtung.
Was da jetzt abgeht, erinnert an die ausgemerzt geglaubten Vorboten der Vergangenheit.
Im Grunde fehlt jetzt nur noch Finkes Rücktritt vom Rücktritt und ein neuer Trainer vom Format Efgenberg um zu alten Zeiten zurück zu kehren.
Ich hoffe, das an der Pader Ruhe einkehrt, damit man sich gut und in Ruhe auf die 2. BL vorbereiten kann.

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