Spitzenreiter dreht 0:2-Rückstand in Rostock und gewinnt 3:2 Paderborn-Party an der Ostsee

Rostock (WB). Wenn der nicht gerade für Gefühlsausbrüche bekannte Trainer mit geballter Faust die Katakomben betritt und aus der Kabine laute Musik dröhnt, muss etwas Außergewöhnliches passiert sein. Beim Drittliga-Gastspiel des SC Paderborn in Rostock war das definitiv der Fall.

Von Peter Klute

»Dass das nicht irgendein Sieg für mich ist und ich mich darüber besonders freue, sollte mir niemand übel nehmen. Ich bin überglücklich über diesen Ausgang«, ließ Steffen Baumgart seinen Gedanken nach dem 3:2-Erfolg freien Lauf. Als gebürtiger Rostocker bei Hansa zu gewinnen, war das eine, die Art und Weise, wie der SCP seine Negativserie von sechs Pflichtpartien ohne Sieg beendete und die Tabellenführung verteidigte, das andere. 0:2 hieß es aus Sicht der Ostwestfalen zur Pause, der Untergang an der Ostsee schien vorprogrammiert.

»Wir uns das Leben selbst schwer gemacht«

Die Gäste hatten begonnen wie eine Heimmannschaft und wurden dann von den auf Konter lauernden Hausherren bei frostigen Temperaturen schon in der Anfangsphase zweimal kalt erwischt. Nach schnellen Angriffen über die Außen mussten Tim Väyrynen in der zehnten Minute und Pascal Breier nur sechs Zeigerumdrehungen später nicht mehr viel Kunst aufwenden, um den Ball ins Tor zu schieben. »Da haben wir uns das Leben selbst schwer gemacht, auch wenn wir mehr vom Spiel hatten und ich schon das Gefühl hatte, dass wir mit einem Anschlusstor zurückkommen könnten«, sagte Baumgart.

Das fiel sieben Minuten nach dem Wechsel durch Marlon Ritter, dennoch sprach in der Folge wenig dafür, dass das Spiel komplett kippen würde und es an der Ostsee noch eine Paderborner Party geben könnte. Denn Rostock war dem 3:1 in Person von Breier (57.) sowie Soufian Benyamina (85.) näher als Paderborn dem Ausgleich. Dass der SCP durch Sven Michel (86.) und Christian Strohdiek (90.+1) am Ende nicht nur egalisierte, sondern noch den Dreier entführte, war nicht absehbar und auch nicht wirklich verdient. »Der Zeitpunkt der Tore ist glücklich«, gab Baumgart zu.

Rostock-Trainer Pavel Dotchev ist fassungslos

Sein Gegenüber Pavel Dotchev, der ehemalige Paderborner Spieler und Jahrhunderttrainer, war restlos bedient und fassungslos. »Das ist brutal, trifft uns hart und ist sehr ärgerlich. Wir müssen das dritte Tor machen und wenn nicht, dann müssen wir wenigstens einen Punkt behalten. Außer den drei Treffern habe ich von Paderborn keine Torchance gesehen. Und jetzt muss ich heute Abend auch noch dorthin fahren«, sagte Dotchev, der nach wie vor in Paderborn lebt.

Dotchev reiste nach Paderborn, Baumgart blieb in Rostock. Ein Trainer-Kuriosum, das zu diesen verrückten 93 Minuten im mit 13.400 Zuschauern gut gefüllten Ostseestadion passte. Hansa hat sich mit nur einem Punkt aus der Englischen Woche und zwei Niederlagen in Folge so gut wie aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet, der SCP ist nach schwierigen Wochen wieder obenauf. »Wir hatten immer die Kontrolle, sind nicht hektisch geworden, sondern ruhig geblieben. Insgesamt waren wir die bessere Mannschaft«, sagte Manager Markus Krösche. Da hatten die späten Tore die Sichtweise doch etwas zu positiv beeinflusst. »Wir haben die Nerven behalten«, zog Baumgart dieses Fazit und spendierte seinen Spielern aufgrund der jüngsten Belastung zwei freie Tage. »Ich weiß nicht, ob ich das auch bei einer Niederlage gemacht hätte, aber die Jungs haben sich das verdient«, sagte Baumgart. Dass das so ist, verdeutlicht dieser Satz von Michel: »In Rostock ein Spiel so zu drehen, ist eine Hausnummer.«

So wurde gespielt:

SCP-Einwechslungen: 46. Antwi-Adjei (2,5) für Zolinski, 62. Klement für Wassey, 72. Michel für Yeboah

Rostock: Blaswich - Rankovic, Hüsing, Riedel, Rieble - Väyrynen (78. Quiring), Henning, Wannenwetsch, Holthaus - Breier (63. Evseev), Benyamina (89. Bouziane)

Schiedsrichter: Schlager (Rastatt)

Zuschauer: 13.400

Tore: 1:0 Väyrynen (10.), 2:0 Breier (16.), 2:1 Ritter (52.), 2:2 Michel (86.), 2:3 Strohdiek (90.+1)

Gelbe Karten: Holthaus (2), Wannenwetsch (7) / Schonlau (7), Ritter (6)

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