Für Paderborns Torwart Michael Ratajczak ist jedes Spiel ein »Feiertag« Ratajczak: »Ich freue mich wie ein Kind«

Paderborn (WB). Es ist die Horrorvorstellung eines jeden Torwarts – eingewechselt werden und dann mit dem ersten Kontakt den Ball aus dem Netz holen. Michael Ratajczak vom Drittligazweiten SC Paderborn musste 35 Jahre alt werden, um das zu erleben.

Von Peter Klute
Lautstarker Michael Ratajczak: Paderborns Nummer eins steht am Samstag auch in der Liga im Tor.
Lautstarker Michael Ratajczak: Paderborns Nummer eins steht am Samstag auch in der Liga im Tor. Foto: Thomas F. Starke

Es war im Heimspiel vor zwei Wochen gegen Schlusslicht RW Erfurt, als Paderborns Nummer eins Leopold Zingerle in der 66. Minute gegen Elias Huth die Notbremse zog und von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus die Rote Karte sah. Ratajczak kam und musste Sekunden später hilflos mitansehen, wie Theodor Bergmann den Freistoß, verursacht durch das Foul von Zingerle, traumhaft und unhaltbar zum 1:0-Sieg der Thüringer versenkte.

»Ich wusste, dass er gute Freistöße schießen kann, er hatte ja auch in der vergangenen Saison einen gegen uns verwandelt. Er hat den Ball perfekt hingelegt und ihn großartig getroffen«, lobte Ratajczak den Torschützen. Der Torwart war machtlos in seinem ersten Punktspieleinsatz in dieser Saison, in der er bislang lediglich im Pokal gesetzt war.

»Vom Pokal-Rata zum Heimspiel-Rata«

An diesem Samstag im Heimspiel gegen die Würzburger Kickers (14 Uhr, Benteler-Arena) ändert sich das. Dann trägt Ratajczak nicht nur die Nummer 1 auf dem Rücken, er steht als Vertreter des für ein Spiel gesperrten Zingerle auch beim Anpfiff zwischen den Pfosten. In der Meisterschaft war das zuletzt am 28. April beim 1:0-Erfolg bei Fortuna Köln der Fall. Jetzt musste Ratajczak aufgrund des Spielausfalls am vergangenen Samstag in Meppen länger warten als gedacht.

»So werde ich jetzt vom Pokal-Rata zum Heimspiel-Rata. Aber im Ernst: Im Prinzip ist es egal, ob Meppen oder Würzburg. Zu Hause in seinem Wohnzimmer spielen zu dürfen, ist jedoch schon schön. Da fühle ich mich wohl. Würzburg hat aber eine gute Mannschaft, die mit der in der Hinrunde nicht mehr zu vergleichen ist«, warnt er vor dem Gegner aus Franken. Erfurt ist für ihn längst abgehakt: »So etwas passiert. Wichtig ist jetzt, welche Reaktion wir zeigen. Ich mache mir da keine Sorgen, wir müssen nur weiter Gas geben und ruhig bleiben«, sagt Ratajczak mit Blick auf die Vorsaison.

Zingerle schnappte ihm den Stammplatz weg

Nach dem Weggang von Stammkeeper Lukas Kruse im Sommer wähnte sich Ratajczak als dessen Nachfolger. Doch der aus Magdeburg gekommene Zingerle schnappte ihm den sicher geglaubten Stammplatz weg. Ratajczak nahm es professionell, durfte als Belohnung im Pokal ran und wurde entschädigt. Der gebürtige Herner wurde trotz fehlender Spielpraxis zum großen Rückhalt und hatte entscheidenden Anteil daran, dass der SCP drei Zweitligisten eliminierte und erst im Viertelfinale des DFB-Pokals am großen FC Bayern München scheiterte.

Im Westfalenpokal kamen vier Partien hinzu, für den Schlussmann eindeutig zu wenig. »Ich finde es schon gut zu spielen. Spieltage sind Feiertage, da freue ich mich wie ein Kind«, sagt er. Doch er sagt auch: »Die Position der Nummer zwei muss ausgefüllt werden, und da kommt es darauf an, wie derjenige diese Rolle annimmt. Da bin ich im Alter gelassener geworden. Ich freue mich jeden Tag auf die Arbeit und stelle mich in den Dienst der Mannschaft. Ich mache hier jetzt kein Fass auf. Wenn der Trainer sagt, ich spiele, dann bin ich bereit.«

Das ist die Einstellung eines Musterprofis, die er mit seinen Pokalauftritten eindrucksvoll bewiesen hat. Doch es soll nicht der Eindruck entstehen, Ratajczak habe im Laufe der Jahre an Ehrgeiz verloren und bereite sich schon auf seine Fußballerrente vor. Der bis 2019 laufende Vertrag in Paderborn soll nicht sein letzter sein. »Ich habe Ideen für die Zeit danach, aber wenn es nach mir geht, stehe ich noch mit 40 im Tor.« Nach Würzburg wird er sich aber wohl erst einmal wieder hinten anstellen müssen

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