Destruktive Gegner machen Umschaltspiel immer schwieriger SCP muss sich wandeln

Paderborn (WB). Paderborns Weg in die 2. Liga ist trotz der 51 Punkte noch weit, das hat das 0:1 gegen RW Erfurt deutlich gemacht. Die Überraschungsmannschaft der Hinrunde wird bis zum letzten Spieltag von der gesamten Liga gejagt – auch das zeigten die 90 Minuten am Freitagabend.

Von Matthias Reichstein
Massih Wassey soll und will Signale geben – aber gegen Erfurt blieb auch er weit unter seinen Möglichkeiten.
Massih Wassey soll und will Signale geben – aber gegen Erfurt blieb auch er weit unter seinen Möglichkeiten. Foto: Oliver Schwabe

»Dass die Rückserie sehr viel schwieriger wird, weil sich die Gegner besser auf uns einstellen, war mir klar. Bei uns fehlen im Moment aber auch ein paar Prozentpunkte.« Damit meint Paderborns Trainer Steffen Baumgart nicht die Einstellung seiner Elf.

Die war am Freitagabend auch in doppelter Unterzahl in Ordnung. Einigen Leistungsträgern fehlt im Moment die Frische. Gute Beispiele sind Leistungsträger wie Massih Wassey und Sven Michel. Dem Spielmacher ist nach vielen kleineren Verletzungen die Leichtigkeit wieder abhanden gekommen.

Hektischer Eindruck

Auch Erfurt zeigte: Wenn Wassey nicht in bester körperlicher Verfassung ist, kann er sein Potenzial nicht im Ansatz abrufen. Der gegen Erfurt erst eingewechselte Top-Scorer Michel trifft, anders als in der ersten Halbserie, zu oft die falschen Entscheidungen und macht einen hektischen Eindruck. Ihm scheint die innere Ruhe zu fehlen, die einen Torjäger seiner Güte auszeichnet.

Dazu kommt, dass sich Paderborns Fußball wandeln muss. Das gefährliche und fast perfekte Umschaltspiel war gestern – in diese Situationen kommt der SCP kaum noch, weil die Gegner immer tiefer stehen und defensiver agieren. Wie Rot-Weiß Erfurt. Die Gäste gaben ihre Taktik auch nicht auf, als sie zwei Feldspieler mehr auf dem Platz hatten – sie versteckten sich mehr, als sie vorne attackierten. Über die destruktive Einstellung mag man die Nase rümpfen, sie hat aber letztlich zum Erfolg geführt und nur das zählt im reinen Ergebnissport Fußball.

Trotzdem Top-Werte

Dazu kommt, dass der dreifache Fast-Absteiger SCP wieder zu einer Marke geworden ist. 16 Siege, nur fünf Niederlagen und 55 geschossene Tore in 24 Spielen sind Top-Werte. Die Nummer 1 in Liga drei will jeder schlagen, da haut sich auch jeder einzelne Spieler des Konkurrenten mehr rein. »Selbst die Bayern. Die haben gegen uns gefühlt auch mehr Gas gegeben, als in vielen Bundesligaspielen«, sagt Baumgart.

Bereits am Samstag in Meppen wird die Situation kaum eine andere sein. Deshalb muss Paderborns junge Mannschaft möglichst schnell den nächsten Entwicklungsschritt machen. Das heißt cleverer, einfacher und ruhiger agieren sowie mit noch mehr Ballbesitz und Ballsicherheit Lösungen gegen Teams finden, die extrem verhalten spielen.

Zurück zum Rhythmus

Was Baumgart schnell abstellen muss, ist die beim SCP eigentlich ungewohnte Fehlerhäufigkeit. Dass im Fußball nicht alles klappt, gehört zu dem Sport wie der Ball. Die Ostwestfalen sind im Moment aber in einer Phase, dass sie den nächsten direkt hinterher machen. Das hat gegen die Bayern an der Klasse des Gegners gelegen. Die bis Spielbeginn 36 Punkte schlechteren Erfurter hatten die nicht. Trotzdem ließ Leon Fesser nach Zingerles Aussetzer (64.) nur zwei Minuten später den zweiten Patzer folgen.

Was gut für den SCP sein wird ist, dass die Elf nun in den normalen Spiel- und Trainingsrhythmus zurückkehrt. Bis Serienschluss am 12. Mai gibt es nur noch eine Englische Woche, das wird helfen, die auch nötige geistige Frische zurückzubekommen. »Ich glaube aber nicht, dass ich auch nur einen Spieler extra aufrichten muss«, ist Baumgart überzeugt. Sein Motto für Meppen: aufstehen, Mund abputzen, siegen.

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