Paderborns Pokal-Held Ben Zolinski kann sein Glück kaum fassen »Die Krönung des Wahnsinns«

Paderborn (WB). Doch, das war schon ein bisschen unfair: Ausgerechnet der Paderborner Pokal-Held, der den Viertelfinaleinzug des SCP mit seinem Tor gegen den FC Ingolstadt überhaupt möglich gemacht hatte, verpasste einen Großteil der Feierlichkeiten . Erst 75 Minuten nach seinen Teamkollegen erreichte Ben Zolinski die Kabine des Siegers .

Von Elmar Neumann
Standing Ovations für den Torschützen: Ben Zolinski lässt sich bei seiner Auswechslung standesgemäß feiern.
Standing Ovations für den Torschützen: Ben Zolinski lässt sich bei seiner Auswechslung standesgemäß feiern. Foto: Besim Mazhiqi

Während der 25-Jährige wie Innenverteidiger Sebastian Schonlau nach dem Losentscheid zur Dopingprobe musste, drehten die terminfreien Paderborner Profis in den vier wackelnden Wänden die Party-Musik auf und ließen sich zur Feier des historischen Augenblicks aus dem VIP-Raum das eine oder andere Tablett mit gut gefüllten Caipirinha-Gläsern bringen. Für den Matchwinner gab es im betont spartanisch eingerichteten Dopingkontrollraum nur Wasser.

»Das ist doch kaum zu glauben«

Aber mit Blick auf den kurzweiligen Rest des Abends, der noch folgen sollte, und vor allem auf das, was sich in den 95 Minuten auf dem Rasen abgespielt hatte, war Zolinskis Laune natürlich unkaputtbar: »Dieser Abschluss des Jahres ist für mich die vorläufige Krönung des Wahnsinns. Im Sommer, da war hier alles tot. Das muss man so hart sagen. Das war wirklich keine einfache Zeit. Und jetzt? Jetzt genießen wir Gefühle, die das komplette Gegenteil sind, sind Zweiter in der Liga und überwintern dazu im DFB-Pokal. Das ist doch kaum zu glauben.«

Und doch nichts als wahr, weil der Rechtsaußen die mit zunehmender Spielzeit immer überlegeneren Paderborner in der 56. Minute für eine starke Leistung belohnte. Nach dem schicksten Angriff der Partie, an dem mit Massih Wassey, Sven Michel, Christopher Antwi-Adjei, Dennis Srbeny und – zum Happy-end – Zolinski die Hälfte der versammelten Feldspieler in Schwarz und Blau beteiligt war, hieß es 1:0.

So groß ist das Selbstvertrauen beim SCP

Verdientermaßen, wie alle Beteiligten feststellten. Überrascht davon, den Ruf als Schreck der Zweitligisten nach dem 2:1 gegen den FC St. Pauli und dem 2:0 gegen den VfL Bochum auch gegen die doch ein großes Stück stärker eingeschätzten Schanzer untermauert zu haben, zeigte sich kaum einer. Nicht Ben Zolinski, nicht Manager Markus Krösche, der sagte: »Man muss auch mal festhalten, dass es ja nicht so einfach ist, bei uns zu spielen. Du fährst nicht mal eben nach Paderborn und fiedelst uns dann weg.«

Wem der SCP als nächstes die Meinung geigt, ist den Akteuren des Drittliga-Zweiten ganz schön schnuppe. Wenn Zolinski selbst Losfee spielen dürfte, fiele seine Wahl eher auf einen der nicht so prominenten Anwärter, aber auch in jedem anderen Fall hält er sich und die Seinen für gerüstet: »Die Gefahr, dass uns die Aussicht auf einen großen Gegner von unserem Kerngeschäft, der Liga, ablenken könnte, sehe ich nicht. Wir haben gegen Ingolstadt wieder gezeigt, dass wir auf den Punkt da sein können und haben einen Coach, der uns auf Kurs hält.« Dieser Trainer namens Steffen Baumgart erwartet dafür großes Interesse am Gegner, der Paderborn heißt: »Alle, die im Wettbewerb sind, werden sich uns wünschen.«

Beim SCP dagegen ist man bereits einige Tage vor der Bescherung wunschlos glücklich. Zolinski ist gebürtiger Berliner, feiert das Weihnachtsfest aber mit der Familie an der Müritz. Nach Berlin geht es also erst wieder am 19. Mai, dem Tag des Pokalfinals? »Ich hätte nichts dagegen.«

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