Drittligist Paderborn holt keinen Spieler mehr – Emmerling kritisiert U 23-Regel – Brinkmann ausgeliehen Mit Wiemann wird’s nichts

Paderborn (WB). Präsident Wilfried Finke gab am Samstag schon die Richtung vor, am Montag folgte auch die sportliche Führung: Fußball-Drittligist SC Paderborn verpflichtet keinen Spieler mehr. Damit ist für Innenverteidiger Michael Wiemann die Tür beim SCP endgültig zu.

Von Matthias Reichstein
Seine Zukunft liegt nicht beim SC Paderborn: Michael Wiemann muss sich einen anderen Verein suchen.
Seine Zukunft liegt nicht beim SC Paderborn: Michael Wiemann muss sich einen anderen Verein suchen. Foto: Besim Mazhiqi

Das ist bitter für den vereinslosen 29-Jährigen, der seit dem Paderborner Trainingsauftakt am 3. Januar als Gastspieler dabei war.

Ruck gegen Duisburg nicht im Kader

Dass sich die Ostwestfalen aber gegen den Profi als fünften Neuzugang in der Winterpause entscheiden würden, hatte sich bereits vergangene Woche abgezeichnet. Da gab der Verein die Ausleihe von U 19-Nationalspieler Lukas Boeder (Bayer Leverkusen) bekannt. Der 19-Jährige kann nicht nur im Abwehrzentrum eingesetzt werden, er ist als Leihspieler auch die wesentlich kostengünstigere Option. Außerdem hat Trainer Stefan Emmerling schon jetzt die Qual der Wahl. Mit Florian Ruck gelang am Samstag einer weiteren Option für das Abwehrzentrum noch nicht einmal der Sprung in den 18 Mann starken Spieltagskader für die Partie gegen den MSV Duisburg (0:1).

Brinkmann nach Trier

Wobei die Nicht-Nominierung des 24-Jährigen wohl andere Gründe hatte. »Rucki hat eine gute Vorbereitung absolviert«, bekräftigte Emmerling und verwies damit indirekt auf die U 23-Regel, wonach im 18er Kader mindestens vier U23-Spieler stehen müssen. »Jeder Profi muss Leistung zeigen, sich aufdrängen und sich in die Köpfe der Trainer spielen. Deshalb ist diese Quotenregel völliger Quatsch«, sagte Emmerling und begründete sein Urteil noch so: »Es bringt für die Entwicklung des Nachwuchses nichts, wenn diese Spieler nur wegen der Regel auf der Bank sitzen, aber nicht zum Einsatz kommen.« Die beiden Torhüter Till Brinkmann (21) und Jonas Brammen (19) sowie Tim Mannek (19) und Aykut Soyak (21) kamen in der Hinrunde auf 27 Nominierungen, spielten insgesamt aber nur 168 Minuten. Oder Pascal Itter (21): immer im Kader, aber nur zehn Mal eingesetzt.

Am Dienstag teilte der SCP mit, dass sich Brinkmann dem Regionalligisten Eintracht Trier anschließe. Der Drittligist leiht den Torwart bis zum 30. Juni 2017 aus und verlängerte den Vertrag mit ihm um ein Jahr bis zum 30. Juni 2018. Emmerling hält die Ausleihe für beide Seiten für sinnvoll: »Till hat viel Potenzial und wird in Trier zusätzliche Erfahrungen sammeln. Dort sind seine Chancen auf Einsätze deutlich höher als aktuell bei uns in Paderborn.«

Gegenbeispiele Schonlau und Krauße

Gegenbeispiele sind die 22-jährigen Sebastian Schonlau (nur von einer Gelbsperre gestoppt) und Robin Krauße, der nur dreimal zuschauen musste. Auf eine ähnliche Rolle hofft Boeder. Der Auswahlspieler wurde von Emmerling nämlich nicht nur wegen des Alters dazugeholt: »Lukas erhöht die Qualität des Kaders.« Eine Ideallösung für die Nachwuchsförderung kennt auch Emmerling nicht, er plädiert im Zweifel aber eher für schärfere Anordnungen: »Eine gewisse Anzahl von U 23-Spielern müsste in der Startelf stehen.«

Das gibt es manchmal schon auf freiwilliger Basis. Allerdings haben diese Varianten meist einen finanziellen Hintergrund: Entweder setzen die Klubs auf den Nachwuchs, wenn das Geld knapp ist. Oder sie haben das nötige Kleingeld, wie RB Leipzig, extrem talentierte Spieler zu holen.

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