Stürmer Sebastian Heidinger verstärkt in Paderborn die Defensive Der Umschüler

Paderborn (WB). Wer den Neu-Paderborner Sebastian Heidinger fragt, warum er die SpVgg Greuther Fürth verlassen hat und damit freiwillig abgestiegen ist, der bekommt diese Antwort: »Das Projekt ist spannend. Der SCP steckt in einer sehr schwierigen Situation, ich will mithelfen, das zu ändern.«

Von Matthias Reichstein
Kaffeepause in der Paderborner Innenstadt: Der Kämpfer Sebastian Heidinger ist auch ein Genießer.
Kaffeepause in der Paderborner Innenstadt: Der Kämpfer Sebastian Heidinger ist auch ein Genießer. Foto: Besim Mazhiqi

Wie weit der Weg zurück in die 2. Liga sein wird? Einige Antworten liefern in diesem Jahr die ersten 90 Minuten: Zum Rückrundenstart geht es an diesem Samstag gegen Tabellenführer MSV Duisburg in die Benteler-Arena. »Der MSV punktet konstant. Die Mannschaft weiß, worauf es ankommt«, sagt Heidinger vor seiner Drittliga-Heimpremiere.

Ein kurzer Blick auf die Tabelle macht schnell die Klasse dieser Elf deutlich: elf Gegentore in 19 Spielen. »Das ist eine unglaubliche Quote«, sagt Heidinger. Zum Vergleich: Paderborn, mit den Zebras im Sommer 2016 gemeinsam abgestiegen, kassierte bereits 36 Treffer. Auch das ist eine Rekordmarke. Aber keine für Genießer.

Was dürfen die Besucher deshalb am Samstag erwarten? Heidinger bleibt trotz aller Statistiken optimistisch: »Wir haben gute Fußballer im Team, das zeigt sich jeden Tag im Training. Wir müssen noch einige Abläufe optimieren, dann läuft es wieder in die richtige Richtung.«

Höhen und Tiefen in der Profilaufbahn

Das war beim SCP mit einem Aufstieg und zwei Abstiegen zuletzt nicht immer so. Auf eine Profilaufbahn mit Höhen und Tiefen blickt auch Sebastian Heidinger zurück. Übrigens eine, die sehr holprig begann. Als Wolfgang Dremmler, damals Chefscout bei Bayern München, 2001 bei den Heidingers anrief, legte der Papa sofort auf. »Er dachte, da will uns einer veralbern.«

Im zweiten Versuch klappte die Kontaktaufnahme, mit 15 ging’s nach München und 2004 wurde die Deutsche Meisterschaft gefeiert. »Aber nur mit der A-Jugend. Für einen Vertrag hat es dann doch nicht gereicht«, blickt Heidinger zurück.

Der talentierte Jungprofi nahm notgedrungen einen anderen Weg und kommt mittlerweile auf 135 Einsätze (15 Tore) in der 2. und 3. Liga. Der SC Paderborn ist seine siebte Profistation, davor liegen drei Aufstiege (Fortuna Düsseldorf und RB Leipzig), ein Abstieg (Arminia Bielefeld) und die Umschulung vom flexiblen Stürmer zum Allround-Verteidiger – verbunden mit dem Namen Alexander Zorniger.

Umzug nach Paderborn

Leipzigs Trainer war es, der den Unterfranken nach hinten beorderte. »Die Entscheidung fiel aus einer Laune heraus. Ich musste in einem Landespokalspiel hinten aushelfen und blieb da«, erzählt Heidinger. Bis heute.

Der 31-Jährige zieht in Kürze mit Freundin Katharina und Sohn Franz (zehn Monate) nach Paderborn. Wie schon die Vertragsdauer (bis 2019) ist der Wohnortwechsel als weiteres Signal zu werten, dass der Ex-Fürther an der Pader Fuß fassen möchte. Schließlich sei das Umfeld zweitligareif, der Präsident ein Visionär.

Wilfried Finke hatte Heidinger letztlich vom »Projekt Paderborn« begeistert: »Der Mann ist so sehr von seiner Sache überzeugt, der holt nicht einmal Spieler, die erst noch ein wenig Bedenkzeit brauchen.« Wer diese Begeisterung des Chefs nicht teilt, braucht erst gar nicht zu kommen – auch das macht die Aufgabe für Heidinger so reizvoll.

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