Verrückt: Der SC Paderborn kann den Klassenerhalt weiterhin aus eigener Kraft schaffen »Sind noch nicht abgestiegen«

Paderborn (WB).  Seit Oktober zu Hause nicht mehr gewonnen, von Union Berlin beim 0:4 vorgeführt worden, das 50. Gegentor kassiert. Und dennoch: Zweitligist SC Paderborn hat nach wie vor nur einen Punkt Rückstand auf Platz 16.

Von Peter Klute
Foto: Besim Mazhiqi

Verrückte Fußballwelt, denn eigentlich müsste der Vorletzte mit seiner unterirdischen Bilanz längst zum sicheren Abstieg verurteilt sein. Doch es ist noch nicht vorbei, dank der ebenfalls schwächelnden Konkurrenz ist der Klassenerhalt sogar noch aus eigener Kraft zu schaffen. »Es geht weiter, wir sind noch nicht abgestiegen, müssen klaren Kopf behalten und dürfen nicht in Panik verfallen. Es ist alles drin«, sagt Vize-Präsident Martin Hornberger. Trainer René Müller: »Wir müssen den Spielern die Überzeugung und den Glauben vermitteln, dass die Tasse halb voll und nicht halbleer ist. Ich werde jetzt nicht wilde Sau spielen oder in Aktionismus verfallen. Wir werden die Fehler beim Namen nennen, aber intern.« So wie in der Halbzeit gegen Union, als Müller später zugab: »Da ist es laut geworden.« Doch die Standpauke kam zu spät.

Frust und die Enttäuschung riesengroß. »Vier Gegentore in 30 Minuten sind ein Brett. Das war wie beim Jenga-Spiel. Wenn du den falschen Stein ziehst, fällt der ganze Turm zusammen«, gestand Müller, der sich mit seinem Co-Trainer Markus Feldhoff in der Nacht zu Samstag das Spiel noch einmal in voller Länge ansah.

Langes Gespräch mit Finke

Noch in der Arena hatte Müller ein langes Gespräch mit Präsident Wilfried Finke geführt. »Sportlich ausgerichtet und sehr sachlich«, so der Trainer. Finkes Vize Dr. Rudolf Christa hatte sich in der Pause sehr emotional geäußert: »Nach so einer ersten Halbzeit muss man sich fragen, warum die Spieler überhaupt auflaufen. Jetzt geht es um die Ehre und darum, sich vernünftig zu verabschieden. Das ist eine Sache der Einstellung.« Die Spieler scheinen es verstanden zu haben. Hauke Wahl: »So kann es nicht weitergehen, wir müssen ein ganz anderes Gesicht zeigen.«

Die beste Figur gaben die Paderborner nach dem Abpfiff ab. Da waren sie kompromisslos und selbstkritisch. »Wir haben den Gegner eingeladen. Wer so eine Scheiße spielt, muss mit Pfiffen rechnen«, so Moritz Stoppelkamp.

Als sei die Situation nicht schon schwierig genug, wenden sich jetzt auch noch die Fans von der Mannschaft ab und verließen das Stadion frühzeitig in Scharen. »Wir haben sie sehr enttäuscht, ich kann das verstehen«, räumte Wahl ein. »Das ist ihr gutes Recht. Unsere Leistung war unterste Schublade. Ich kann dieses Handeln nachvollziehen, dafür gibt es von mir größten Respekt«, sagte auch Müller, appellierte aber: »Wir brauchen sie und ich hoffe, dass sie uns weiter unterstützen.« Die Aufwach-Rufe von den Rängen am Freitag kommentierte Thomas Bertels so: »So laut konnten die gar nicht schreien, dass wir alle wach werden.«

Sarkasmus beim Verlierer, Mitleid beim Sieger

Sarkasmus beim Verlierer, Mitleid beim Sieger. Vor allem bei einem. Der Ex-Paderborner Sören Brandy war mitgenommen: »Natürlich freue ich mich, dass wir gewonnen haben und ich jetzt zwei Tage in der Heimat bleiben darf. Aber den SCP so zu sehen, da blutet mir das Herz. Die Verunsicherung ist groß, dennoch müssen sich die Jungs jetzt wieder aufrichten.« Auch Unions Trainer André Hofschneider stand den Paderbornern bei: »Es ist schwierig, wenn die Stimmung zuhause schon nach dem ersten Fehlpass so kippt. Dann kriegst du den Ball nicht mehr über zehn Meter zum eigenen Mann.«

Konsequenzen in Form von Suspendierungen wie im Dezember nach dem 0:4 in Bochum wird es aktuell nicht geben. »Das bringt jetzt nichts mehr«, stellte Christa fest. Hornberger pflichtete ihm bei: »Die Mannschaft hat unter René schon gezeigt, dass sie Fußball spielen kann.«

Um die Köpfe frei zu bekommen, will der SCP – sofern es die Hotelkapazität zulässt – zum Spiel am Freitag in Frankfurt bereits am Mittwoch anreisen. Nicht dabei ist neben dem gesperrten Thomas Bertels auch Tim Sebastian, der sich eine erneute Muskelverletzung zuzog. Eine genaue Diagnose soll es heute geben, dem Abwehrchef droht das Saison-Aus.

Kommentare

@ is nicht wahr?!-Troll

Was haben Sie für eine Ahnung vom "Gesamtverein", wie Sie es nennen? Da können weder die Fans was für, die trotz wahnsinniger Ticketpreise ins Stadion geganden sind, noch die Trainer die verschließen wurden. Diese Katastrophe geht alleine auf die Kappe des Vorstandes, der in dieser Saison so ziemlich alles falsch gemacht hat.

Paderborn hat in dieser Saison wirklich alles dafür getan abzusteigen. Der Gesamtverein präsentiert sich katastrophal. Egal ob Verantwortliche, Spieler oder Fans. Also warum sollte man denen jetzt nicht den Wunsch erfüllen, in der neuen Saison dritte Liga zu spielen ? Sie wollen es und sie haben es verdient !

Nach den bisherigen Leistungen auf allen Ebenen des Vereins mit der klaren Zielsetzung Abstieg, kann das als Überschrift gewählte Zitat nur der Aufruf zu noch weniger Einsatz sein, oder?

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