Paderborns Trainer und der Pokal: vom peinlichen Erstrunden-Aus bis zum Halbfinal-Einzug Gellhaus kennt alle Facetten

Paderborn (WB). Handeln aufgrund der Hitze: Da für gestern Nachmittag Temperaturen von 33 Grad Celsius angesagt waren, verlegte Paderborns Trainer Markus Gellhaus das Mannschaftstraining kurzerhand auf den Morgen. »Da ist es hoffentlich noch etwas frischer«, begründete Gellhaus  die Maßnahme.

Von Peter Klute
Markus Gellhaus will mit Paderborn eine Runde weiter.
Markus Gellhaus will mit Paderborn eine Runde weiter. Foto: Besim Mazhiqi

Am Nachmittag bot er den SCP-Kickern bei Bedarf eine individuelle Einheit, von der zahlreiche Profis Gebrauch machten. Nichts soll dem Zufall überlassen bleiben vor dem sonntäglichen Gastspiel des Zweitligisten im DFB-Pokal beim Viertligisten VfB Lübeck (16 Uhr, Stadion an der Lohmühle).

Dass die Ostwestfalen ihren zwei Klassen tiefer agierenden Erstrundengegner nicht unterschätzen, dafür wird schon Gellhaus höchstpersönlich sorgen. Wie ernst ihm der Wettberwerb ist, verdeutlicht die Tatsache, dass er den Gegner gleich zweimal beobachten ließ. Co-Trainer Asif Saric sah den Lübecker 2:0-Sieg zum Regionalliga-Auftakt gegen die zweite Mannschaft des FC St. Pauli. Jugendkoordinator Florian Fulland beobachtete den VfB am vergangenen Wochenende in Havelse, als Lübeck  nach einer 2:0-Führung am Ende noch mit 3:5 unterlag.

Gellhaus selbst ist, was den Pokal betrifft, ein gebranntes Kind. Wie der SC Paderborn. Der SCP und seine Vorgängervereine schafften es bislang nur ein Mal in die dritte Runde. Das war in der Saison 2004/2005, doch der Erstrundensieg über den Erstligisten Hamburger SV wurde überschattet vom Wettskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer aus Berlin. Damals neben Chefcoach Pavel Dotchev als Co-Trainer auf der Paderborner Bank: Markus Gellhaus. »Wir haben uns gefreut über die Elfmeter und den Hamburger Platzverweis, wir hatten ja keine Ahnung, dass das Spiel verschoben war«, blickt Gellhaus zurück. Schluss war für den SCP damals nach dem Zweitrundensieg gegen den MSV Duisburg im Achtelfinale nach Elfmeterschießen gegen den SC Freiburg. In den vergangenen drei Jahren war für die Ostwestfalen zweimal bereits in Runde eins Endstation: 2012 bei Arminia Bielefeld, 2014 bei RB Leipzig.

Gellhaus' Trainer-Premiere 2001 in Lübeck

Jetzt also Lübeck, wo Gellhaus 2001 sein erstes Punkt-Auswärtsspiel als Cheftrainer bestritt und das Regionalliga-Duell gegen seinen Trainerkollegen Dieter Hecking mit 1:2 verlor. Seine Karriere als erster Mann war vier Monate später erstmal zuende, unter Pavel Dotchev und vor allem Jos Luhukay hatte Gellhaus anschließend aber sehr erfolgreiche Jahre als Assistent. Angesprochen auf den DFB-Pokal sagt er: »Ich kenne alle Facetten.«

Positiver Höhepunkt war der Halbfinaleinzug 2010 mit dem FC Augsburg, als der Zweitligist beim Erstligisten Werder Bremen nur hauchdünn scheiterte. Negative Krönung war das Erstrunden-Aus 2012 mit dem damaligen Zweitligisten Hertha BSC Berlin beim Viertligisten Wormatia Worms. Das war peinlich und soll sich am Sonntag keinesfalls wiederholen. Doch Vorsicht ist geboten: Im Finale des Schleswig-Holstein-Pokals besiegte Lübeck den Beinahe-Zweitligisten Holstein Kiel mit 1:0.

Kommentare

Tatsachenverdrehung führt zu Legendenbildung

Ja, es stimmt 2004/05 fand in der ersten Runde des DFB-Pokals einer der Akte des Hoyzer-Skandals statt.

Das heißt aber nicht - wie immer bei der Erwähnung mitschwingt -, dass der SCP unverdient weiter gekommen wäre.

Zur Erinnerung ging der HSV zwar 0:2 in Führung, bot dabei aber alles andere als eine souveräne Leistung. Alleine René Müller hatte in der ersten Halbzeit zwei riesen Chancen auf dem Fuß. Sicher war der Elfmeter zum 1:2 "diskutabel", aber der HSV als zwei Klassen höher spielende Verein führte nach wie vor. Wenn Mpenza dann eine berechtigte Rote wegen Schiri-Beleidigung bekommt, ist das deren Problem.

Anschließend schoss sich der SCP verdient in Front. Der Elfmeter zum 4:2 Endstand spielte keine Rolle mehr.

Nach dem Spiel haben die mitgereisten HSV-Fans nicht umsonst die Mannschaft attackiert! Dem Schiri gab da noch niemand die Schuld!


Was danach geschah war der hoch verdiente Sieg gegen den höherklassigen MSV Duisburg und das Aus im Elfmeterschießen gegen Freiburg.

Diese Pokalsaison muss man sich also hier nicht kaputt reden lassen, weil manche eben nur den "Skandal" sehen wollen. Übrigens beschrieb Udo Lattek das Spiel damals so: Wer sich 70 Minuten in des Gegners Strafraum aufhält, der bekommt auch zwei Elfmeter!

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