Vor dem Spiel in Paderborn: Schalkes Boss Clemens Tönnies sieht unter Trainer Di Matteo eine stabile Entwicklung »In der Nähe der Plätze, die wir erreichen wollen«

Paderborn (WB). Am Mittwoch gastiert Schalke 04 zum Spiel in Paderborn. Aufsichtsratschef Clemens Tönnies äußert sich im Interview zur Zwischenbilanz seines Klubs, aber auch zum Aufsteiger aus Ostwestfalen. Die Fragen stellte Matthias Reichstein.

Der Chef auf Schalke: Clemens Tönnies steht seit 2001 als Aufsichtsratsvorsitzender an der Spitze der Königsblauen.
Der Chef auf Schalke: Clemens Tönnies steht seit 2001 als Aufsichtsratsvorsitzender an der Spitze der Königsblauen. Foto: Wolfgang Wotke

Herr Tönnies, Aus im DFB-Pokal, in Europa im Achtelfinale der Champions League, Platz 6 in der Bundesliga – wie fällt kurz vor der Winterpause Ihre Halbzeitbilanz aus?

Clemens Tönnies: Wir haben zu Beginn bei einem schwierigen Start einige Rückschläge hinnehmen müssen. Das betraf Ergebnisse und Verletzungen in unserem Kader. Gerade in den vergangenen Wochen ist es Roberto Di Matteo gelungen, unter schwierigen personellen Bedingungen eine stabile Mannschaft zu formen. Das kann man auch an unseren Ergebnissen ablesen. In der Champions League sind wir zum dritten Mal in Folge im Achtelfinale, in der Bundesliga wieder in der Nähe der Plätze, die wir am Ende erreichen wollen. Jetzt geht es darum, auch in den abschließenden beiden Bundesligaspielen erfolgreich zu sein.

Sie wollen keine Fußball-AG, sondern Schalke als eingetragenen Verein für die Mitglieder erhalten. Ist ein Klub wie Schalke damit international auf Dauer überhaupt wettbewerbsfähig?

Tönnies: Natürlich, wenn wir die richtigen Schlüsse aus dem sich verändernden Wettbewerb ziehen. Das tun wir: Demnächst wird eine aus Verantwortlichen und Fans gebildete vereinsinterne Satzungskommission Vorschläge präsentieren, die sicherlich dazu beitragen. Das zeigt, dass Schalke 04 gerade als Verein stark ist.

Der SC Paderborn hat ein 15 000 Zuschauer fassendes Stadion und verfügt über einen Lizenzspieleretat von 17 Millionen Euro. Wie lange kann man sich mit diesen Rahmenbedingungen in der Liga halten?

Tönnies: Dazu kann ich keine Prognosen abgeben. Aber je länger der SC Paderborn in der Fußballbundesliga spielt, desto stärker werden sie in den kommenden Jahren auch ihre Rahmenbedingungen verbessern können.

Sie sind, wie Wilfried Finke, ein Förderer der Bad Lippspringer Landesgartenschau. Was verbindet Sie noch mit dem Paderborner Präsidenten?

Tönnies: Ich kenne Wilfried Finke von unseren Begegnungen bei verschiedenen Veranstaltungen. Ich habe eine hohe Achtung vor seinem Lebenswerk, sowohl als Unternehmer wie auch als Präsident des SC Paderborn 07.

Schalke will nächstes Jahr für die Nachwuchsarbeit ein Amateurstadion mit entsprechender Infrastruktur bauen und dafür deutlich über 20 Millionen Euro in die Hand nehmen. Paderborn kämpft gerade um ein gemeinsames Trainingsgelände für Profis und den Nachwuchs. Das wird sehr viel weniger als die Hälfte kosten – fängt damit die Zwei-Klassen-Gesellschaft in der 1. Liga schon ganz unten an?

Tönnies: Lassen Sie uns keine Neiddebatte führen. In keiner Topliga in Europa werden etwa die Fernsehgelder so gerecht verteilt. Erst Rahmenbedingungen wie diese machen es möglich, dass Klubs auch aus der dritten oder vierten Liga nach ganz oben kommen, wenn sie gute Arbeit machen. Da gibt es viele Beispiele, mir fällt in dieser Saison spontan der FC Augsburg ein, der vormacht, wie es gehen kann.

Schalke hat laut Medienberichten etwa 170 Millionen Euro Schulden, aber alle Marketingrechte. 2018 hat Ihr Klub die Arena bezahlt. Wird dann zur Bayern-Jagd geblasen?

Tönnies: Richtig ist: Wir haben alle unsere Rechte in eigener Hand und 170 Millionen Euro Finanzverbindlichkeiten. Wir verfolgen ein nachhaltiges Konzept, diese kontinuierlich zu tilgen. Aber sportliche Mühlsteine, die uns bremsen, hängen wir uns nicht mehr um.

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