Borusse Reus fällt wegen eines Außenbandrisses bis Januar aus – Paderborns Bakalorz ist der Buhmann Ein Tritt und seine Folgen

Paderborn (WB). Das Resultat war ihm nicht so wichtig. Jürgen Klopp war mit den Gedanken bei Marco Reus.

Von Dirk Schuster
Marco Reus krümmt sich, Paderborns Bakalorz fasst sich an den Kopf.
Marco Reus krümmt sich, Paderborns Bakalorz fasst sich an den Kopf. Foto: Stefan Hörttrich

»Mir fällt es einigermaßen schwer, über Fußball zu sprechen«, sagte Borussia Dortmunds Trainer nach dem 2:2 am Samstag in Paderborn. Er tat es dann doch, kam aber zügig zum Wesentlichen: zu der Szene, »die einfach Wahnsinn ist«.

Er meinte das Foul, mit dem SCP-Profi und Ex-Borusse Marvin Bakalorz Gegenspieler Reus die dritte schwere Verletzung innerhalb eines halben Jahres zugefügt hat (64. Minute). Noch bevor die Partie beendet war, befand sich Reus schon im Krankenwagen auf dem Weg ins Dortmunder Knappschaftskrankenhaus. Diagnose: Außenbandriss im rechten Sprunggelenk. Für den 25-Jährigen ist die Hinrunde beendet. Laut ersten Prognosen kann Reus voraussichtlich Anfang Januar wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

»Ich habe mit Marvin ein paar Jahre in Dortmund gearbeitet. Es gibt Situationen, in denen ihm immer mal wieder passiert, dass er unnötig grätscht. Marvin ist ein Topjunge. Aber ich habe ihm früher schon gesagt, dass er das nicht machen soll – und wir sind heute die Leidtragenden«, sagte Klopp, dem die Heftigkeit des Fouls an die Nieren ging: »Ich möchte ihm nix, aber das war einfach too much. Das weiß Marvin mittlerweile auch.«

Während des Spiels war Bakalorz noch nicht bewusst, was er angerichtet hatte. Dass Schiedsrichter Wolfgang Stark ihm die Gelbe Karte zeigte, löste beim SCP-Profi Empörung aus. Dabei hätte es Rot sein müssen, wie auch Stark später einräumte. »Als ich nachher die Zeitlupe gesehen habe, habe ich mich selbst erschrocken und muss sagen: Rot wäre die richtige Entscheidung gewesen«, bekannte er in der »Bild am Sonntag«.

Diesmal kam Bakalorz glimpflich davon. Nach einer ähnlichen Attacke in der Partie bei Bayer Leverkusen (7. Spieltag) hatte er nach einem Foul an Wendell Rot gesehen und war für zwei Begegnungen gesperrt worden.

Für die Fans in Deutschland ist der Paderborner nach seinem Tritt gegen Sympathieträger und Nationalspieler Reus erstmal der Buhmann. Doch der 25-Jährige wehrt sich gegen das drohende Treter-Image. »Ich bin über den Ball gerutscht. Dabei habe ich ihn schlimm getroffen. Es tut mit leid. Das war niemals meine Absicht. Ich würde das keinem antun wollen«, sagte Bakalorz. Klopp meinte zähneknirschend: »Dass es keine Absicht war, ist vollkommen klar.« Dass Bakalorz bei seiner Risiko-Grätsche damit rechnen musste, Reus verletzen zu können, allerdings auch. Der SCP-Profi kündigte an, sich telefonisch bei Reus melden zu wollen, denn: »Ich kenne ihn gut. Wir waren zu gemeinsamen BVB-Zeiten im Trainingslager auf einem Zimmer.«

Klopp hatte Bakalorz unmittelbar nach dem Tritt heftig angebrüllt. »Ich habe gesehen, wie Kloppo an der Seitenlinie abgegangen ist. Direkt nach dem Foul habe ich es nicht so extrem empfunden. Jetzt, da ich die Bilder noch mal im Fernsehen gesehen habe, bin ich selbst erschrocken. Kloppo hat mich zurecht angemacht. Die Szene hatte einen großen Einfluss aufs Spiel. Alle hatten einen Schock, weil Marco so lange liegengeblieben ist.«

Reus' Pechsträhne begann im Juni im WM-Test gegen Armenien. Dabei zog er sich einen Teilriss des Syndesmosebandes zu, weshalb er den Triumph in Brasilien verpasste. Kaum genesen, erlitt er im EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland den nächsten Rückschlag: Außenbandteilriss sowie eine Dehnung der Fußwurzelbänder. Und nun das. Reus sollte den in dieser Saison personell gebeutelten BVB noch vor Weihachten aus der Krise führen.

Stattdessen steht er in den letzten fünf Liga- und zwei Champions-League-Begegnungen des Jahres, darunter am Mittwoch bei Arsenal, nicht zur Verfügung. »Wer denkt, dass sich auf einen Schlag alles ändern wird und wir in den Uefa-Cup-Rängen aufwachen, der täuscht sich«, sagte Klopp. Dass Schiri Stark den Borussen das 3:1 wegen angeblicher Abseitsstellung raubte, machte alles noch ein bisschen schlimmer. Klopp: »Wir sitzen hier und haben erneut fast nichts.« Außer einen verletzten Leistungsträger mehr.

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