Paderborner Polizei kann niemandem Vorsatz nachweisen – mit Video 80 Menschen in der Sperrzone

Paderborn (WB). Im Netz gab es am Sonntag kritische, aber auch hasserfüllte Kommentare, weil sich Menschen in Paderborn während der  Bombenentschärfung im evakuierten Gebiet aufhielten. Die Polizei hielt dagegen.

Von Christian Althoff
Menschenleere Straßen: So sah es am Sonntag fast überall in der Paderborner Sperrzone aus. Doch ein paar Dutzend Menschen waren trotz der Bombenentschärfung im Evakuierungsgebiet, was zu kritischen Kommentaren im Netz führte.
Menschenleere Straßen: So sah es am Sonntag fast überall in der Paderborner Sperrzone aus. Doch ein paar Dutzend Menschen waren trotz der Bombenentschärfung im Evakuierungsgebiet, was zu kritischen Kommentaren im Netz führte. Foto: dpa

Um 12 Uhr sollte die Evakuierung beendet sein, um 14 Uhr wollten die Entschärfer anfangen. Die zwei Stunden Puffer waren vorgesehen, weil erfahrungsgemäß immer noch Menschen in einem geräumten Gebiet angetroffen werden.

In Paderborn waren es etwa 80. »Rund 30 wurden vom Polizeihubschrauber aus entdeckt, aber auch von unseren Absperrkräften«, sagt Michael Biermann, Sprecher der Polizei in Paderborn. Weitere 50 erwischten Ordnungsamtsmitarbeiter im Paderquellgebiet, wo die Menschen in der Sonne lagen.

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Offenbar hielt sich niemand bewusst oder gewollt in der evakuierten Zone auf.

Michael Biermann, Sprecher der Polizei in Paderborn

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Von seinen Kollegen, die die ertappten Menschen aus dem Sperrgebiet wiesen, erfuhr Biermann: »Offenbar hielt sich niemand bewusst oder gewollt in der evakuierten Zone auf.« Die Leute hätten angegeben, von der Bombe nichts gewusst oder sich mit dem Datum vertan zu haben. »Sie machten einen glaubwürdigen Eindruck.«

Deshalb habe es auch keinen Grund gegeben, die Personalien festzustellen oder andere Maßnahmen einzuleiten. »Ihnen wurde ein Platzverweis erteilt, und sie gingen.« Trotz etlicher Medienberichte in der vergangenen Woche auf allen Kanälen habe es offenbar tatsächlich Menschen gegeben, die nichts von der Bombenentschärfung gewusst hätten, sagte Biermann. Diesen Eindruck hat auch Paderborns Bürgermeister Michael Dreier. »Es gab am Sonntagmorgen Leute in der Stadt, die sich über die vielen Feuerwehr- und Polizeiwagen wunderten.«

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Für uns war das nichts Besonderes. Ich habe noch keine Entschärfung erlebt, bei der das Gebiet auf Anhieb leer war.

Rainer Woitschek, Entschärfer

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Jedesmal, wenn Menschen im Sperrgebiet gesichtet wurden, mussten die Entschärfer ihre Arbeit unterbrechen. Teamleiter Rainer Woitschek: »Für uns war das nichts Besonderes. Ich habe noch keine Entschärfung erlebt, bei der das Gebiet auf Anhieb leer war. Da können Polizei und Ordnungsamt noch so gut arbeiten.«

Bei Facebook und Twitter regten sich Nutzer über die Menschen auf, die in der Sperrzone waren, weil sie die Entschärfung verzögerten und mehr als 26.000 Menschen nur verspätet in ihre Häuser zurückkonnten. Polizeisprecher Michael Biermann: »Neben normalen kritischen Kommentaren gab es auch Hass-Postings. Wir haben darauf reagiert und online erklärt, dass wir noch niemanden erwischt haben, der mit Absicht gegen die Evakuierungsanordnung verstoßen hat. Daraufhin ebbten die Hasskommentare ab.«

80 Erwischte – das sind nur 0,3 Prozent der Menschen, die in Sicherheit gebracht werden sollten. Deshalb bewerten die Behörden die Evakuierung unter dem Strich als gut organisiert und gelungen.

Mehr zum Bombenfund unter: westfalen-blatt.de/OWL/Bombenfund-Paderborn  

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