Der Paderborner Familie Werth ist ein dicker Stein vom Herzen gefallen – mit Videos Die Bombe ist entschärft, jetzt soll Ruhe einkehren

Paderborn (WB). Die Erleichterung ist greifbar, als Katja und Stefan Werth am Sonntag um kurz nach 19 Uhr zu ihrem Haus zurückkehren dürfen. »Am liebsten würden wir unser Haus umarmen«, sagt der 40-Jährige sichtlich bewegt. Die Bombe, die jetzt fest verzurrt auf dem Laster liegt, hat ihnen die aufregendste Woche überhaupt in ihrem Heim beschert.

Von Maike Stahl
Feuerwehrchef Ralf Schmitz bringt Katja und Stefan Werth in der Einsatzleitstelle auf den aktuellen Stand der Dinge.
Feuerwehrchef Ralf Schmitz bringt Katja und Stefan Werth in der Einsatzleitstelle auf den aktuellen Stand der Dinge. Foto: Jörn Hannemann

Wie verbringt man seinen Tag, wenn im Garten gerade eine 1,8 Tonnen-Fliegerbombe entschärft wird? »Für uns war klar, dass das gar nicht entspannt geht, auch nicht einigermaßen. Deshalb sind wir zu Freunden gefahren, wo unsere Tochter Mira sich wohl fühlt, damit sie möglichst wenig davon mitbekommt«, sagt Stefan Werth.

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Für die Zweijährige ist die ganze Situation besonders schwierig. »Als sie heute morgen angefangen haben, den Garten um die Bombe herum aufzugraben, hat sie bitterlich geweint«, erzählt Katja Werth, die in sechs Wochen das zweite Kind erwartet.

Dennoch war für die Familie irgendwann klar, dass sie trotz der vielen großzügigen Hilfsangebote, die sie erreicht haben, so lange wie möglich zu Hause bleiben wollen. »Wenn so etwas passiert, fährt man nicht weg. Wir waren ohnehin in Gedanken die ganze Zeit bei der Situation hier vor Ort und haben gehofft, dass alles gut geht«, sagt Stefan Werth, der als Berufsschullehrer zum Glück gerade Ferien hat. »Es gibt unglaublich viel zu besprechen und abzuklären. Und leider sind trotz der Straßensperre und Wachschutz auch immer noch sehr viele Schaulustige hierher gekommen.« Selbst in der Nacht zu Samstag hätten sich nach Mitternacht noch Fremde vor dem Grundstück herumgetrieben.

Stefan Werth bedankt sich bei den Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. Foto: Oliver Schwabe

Gut schlafen konnten die Werths allerdings auch wegen der Aufregung nicht. »Je näher die Entschärfung rückt, desto mehr ist sie gestiegen«, räumt Katja Werth (31) ein. Während der gesamten Evakuierungsdauer steht das Ehepaar in engem Kontakt mit den Behörden.

Am frühen Nachmittag machen sich die Werths selbst im Lagezentrum in der Feuerwache Süd ein Bild der Situation. »Als wir gehört haben, dass sich der Einsatz verzögert, haben wir erst einmal einen Riesenschreck gekriegt«, sagt Katja Werth im Gespräch mit Feuerwehrchef Ralf Schmitz. Der kann sie zwar insofern beruhigen, dass das nicht an der Bombe liegt. Aber es wurden erneut Menschen im Sperrbezirk entdeckt. »Das strapaziert die Nerven«, stellt Katja Werth fest.

Angesichts der Lagepläne wird dem Ehepaar, das das Haus am Peter-Hille-Weg vor neun Jahren gekauft hat, immer noch mulmig. »Das ist ein bisschen surreal, in der Mitte des Evakuierungsgebietes siehst du das Kreuz und weißt, darunter ist unser Garten«, sagt der 40-Jährige. Töchterchen Mira wird unterdessen von der Feuerwehr liebevoll versorgt mit vegetarischen Nudeln und zwei Plüschtierchen.

Den Nachmittag bis zur endgültigen Entwarnung verbringt die Familie mit Freunden und ist gerade auf dem Spielplatz, als die ersehnte Nachricht kommt. Die Werths machen sich direkt auf den Heimweg, wo sie sich zuerst bei den Entschärfern bedanken.

Das Ehepaar ist jetzt ebenso erleichtert wie dankbar. »Wir haben so viele bewegende Unterstützungsangebote erhalten. Das ist wirklich unglaublich toll und hat uns sehr berührt«, freut sich der Hausbesitzer.

Besonders geholfen habe ihnen in der angespannten Zeit aber auch die frühzeitige Aussage von Bürgermeister Dreier, dass die Stadt in Bezug auf die Kosten in Vorleistung tritt und sie selbst keine hohe Rechnung zu erwarten haben. »Das hat uns sehr gut getan, weil uns damit eine Riesensorge genommen wurde. Danken möchten wir aber allen Beteiligten von der Stadtverwaltung über die Entschärfer und die anderen beteiligten Behörden bis hin zu den Hilfsorganisationen und Rettungsdiensten. Alle haben einen tollen Job gemacht!«

Katja Werth wünscht sich, dass jetzt Ruhe einkehrt und sie sich entspannt auf die Geburt des zweiten Töchterchens freuen können.

www.westfalen-blatt.de/Bombenfund

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