Bis zu 2000 Anrufe pro Tag zum Thema Evakuierung in Paderborner Zentrale Telefone laufen heiß

Paderborn (WB). Bis zu 2000 Anrufe allein zur Bombenentschärfung und der damit verbundenen Evakuierung nehmen die Mitarbeiter des Telefonischen Service-Centers der Stadtverwaltung derzeit pro Tag entgegen. Auch an diesem Wochenende werden sie am Telefon sitzen, um aktuelle Fragen und Sorgen der Bürger entgegenzunehmen.

Von Maike Stahl
Die Bewohner der drei Kilometer im Durchmesser betragenden Sperrzone haben viele Fragen an die Mitarbeiter der Verwaltung. Die Service-Hotline der Stadt läuft heiß.
Die Bewohner der drei Kilometer im Durchmesser betragenden Sperrzone haben viele Fragen an die Mitarbeiter der Verwaltung. Die Service-Hotline der Stadt läuft heiß. Foto: Jörn Hannemann

»Wenn wir vollbesetzt sind, sitzen wir hier mit neun Mitarbeitern«, sagt Dietmar Werner, Leiter des Telefonischen Service-Centers. »Wer die 88-0 anwählt wird automatisch an einen freien Platz weitergeleitet.« Doch wegen der enormen Zahl an Anrufen, könne es eben in diesen Tagen auch mal vorkommen, dass gerade kein Mitarbeiter frei sei, um einen Anruf entgegenzunehmen. »Ein Mitarbeiter kann etwa 80 bis 120 Anrufe pro Tag bearbeiten, je nachdem, um welche Anliegen es geht«, erläutert er. »Wir geben unser Bestes, aber rein rechnerisch kann im Moment nicht jeder Anruf entgegengenommen werden.«

Hotline und Sprechstunde

Für alle Fragen rund um die Evakuierungsmaßnahme am Sonntag steht am Samstagvormittag von 10 bis 14 Uhr auch ein Team aus der Stadtverwaltung und dem Padersprinter im kleinen Sitzungssaal des Historischen Rathauses persönlich zur Verfügung. Dort werden nochmals Pläne des Evakuierungsgebiets ausgehängt und das Team wird Interessierte mit Informationen versorgen.

Das Telefonische Service-Center der Stadtverwaltung ist am Samstag und Sonntag ebenfalls von 7 bis 18 Uhr besetzt, um alle drängenden Fragen rund um die Evakuierung zu beantworten. Weitere laufend aktualisierte Informationen gibt die Stadt über ihre Internetseite sowie die sozialen Medien Facebook und Twitter heraus.

Dass so viele Menschen den persönlichen Kontakt zur Stadtverwaltung suchen, schreibt Werne der Tatsache zu, dass in dem betroffenen Gebiet viele Menschen leben, die bereits älter sind. Feuerwehrchef Ralf Schmitz sagte in der Pressekonferenz am Donnerstag, dass 4800 der 26.300 von der Evakuierung betroffenen Menschen bereits älter als 65 Jahre seien. »Diese Gruppe hat nicht unbedingt Zugang zum Internet. Die stellen ihre Fragen lieber persönlich«, sagt Dietmar Werner. Zum Teil hätten seine Mitarbeiter bewegende Gespräche mit Anrufern geführt, die die Bombardierung Paderborns in den letzten Kriegstagen noch miterlebt haben. »Da sind einige Erinnerungen wieder hochgekommen«, beschreibt er den Inhalt der Telefonate.

Wichtig sei es, dass die Mitarbeiter gerade diesen Anrufern die Angst vor der Bombenentschärfung nehmen. »Die Entschärfer sind erfahren, auch mit diesem Bombentyp, und sind sich sicher, dass sie die Bombe am Sonntag entschärfen können«, sagt Dietmar Werner, der überzeugt ist, dass alles gut gehen wird.

Aber es gebe auch viele praktische Fragen, die zu klären seien – allen voran, die, ob jemand in der Sperrzone wohnt oder nicht. »Es gibt eben eine Grenze. Manchmal muss der eine Nachbar sein Haus am Sonntag verlassen, der andere nicht. Viele, die an der Grenze des Evakuierungsgebietes leben, versuchen von uns zu hören, dass sie ruhig zuhause bleiben können. Aber das geht natürlich nicht.« Stattdessen würden die Mitarbeiter ihnen raten, zum Nachbarn zu gehen, der nicht betroffen sei.

Bürgerhilfe untereinander empfehlen die Hotline-Mitarbeiter auch denjenigen, die nicht wissen, wo sie ihre Haustieren mit hinnehmen können. »Es gibt genügend Angebote von Privatleuten, die im Internet veröffentlicht sind. Die sollten die Haustierbesitzer nutzen. Für uns geht die Sicherheit der Menschen vor«, sagt der Mitarbeiter der Stadt.

Ein großes Thema der Anrufer sei auch der Zeitplan für Sonntag. »Wo muss ich mich hinstellen, damit der Shuttlebus mich mitnimmt? In welchem Takt fahren die Busse? Das sind sehr häufige Fragen. Der Padersprinter ist aber sehr gut aufgestellt und hat uns mit den nötigen Informationen versorgt.« Schließlich hatten auch die Mitarbeiter des Telefonischen Service-Centers nur sehr wenig Zeit, sich in die Thematik einzuarbeiten. »Wir lernen mit unseren Anrufern«, sagt Werner. Außerdem sei sein Team mit einer langen Liste von Notfallnummern gewappnet.

In einigen Fällen, erfüllen die Mitarbeiter eine reine Vermittlungsfunktion. Zum Beispiel, wenn es um Menschen geht, die ohne Hilfe ihre Wohnung nicht verlassen können. »Diese Anrufe leiten wir sofort an die Feuerwehr weiter, weil es da in der Regel Details abzusprechen gilt, die wir nicht klären können.«

Gespannt ist Dietmar Werner, was am Samstag und Sonntag noch an Fragen auf sein Team zukommt. Alle Mitarbeiter, die grundsätzlich im Dienst sind, hätten sich auch für das nun anstehende Wochenende zur Verfügung gestellt. »Natürlich hatten einige die Tage eigentlich anders verplant. Aber in so einer Situation ist es klar, dass wir gebraucht werden«, weiß Dietmar Werner. Deshalb seien nun auch alle an Bord, um möglichst alle sich noch ergebenden Fragen auch zu beantworten.

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