Resi und Fritz Voß wollen vor allem Paderborner Evakuierungsopfern mit Hund helfen Zuflucht auf der Cherry-Farm

Paderborn (WB). »Selbstverständlich helfen wir!« Das war für Resi und Fritz Voß sofort klar, als sie gelesen haben, dass Unterstützung für die 26.300 Menschen gesucht wird, die am Sonntag von der Evakuierung betroffen sind. Etwa 20 Betroffene, gerne auch mit Hunden, wollen die beiden auf ihrer Cherry-Farm in Paderborn-Elsen aufnehmen.

Von Maike Stahl
Resi und Fritz Voß öffnen ihre Cherry-Farm an der Wewerstraße in Elsen am Sonntag für Menschen, die ihre Häuser und Wohnungen wegen der Bombenentschärfung verlassen müssen. Gerne dürfen diese auch ihre Hunde mitbringen.
Resi und Fritz Voß öffnen ihre Cherry-Farm an der Wewerstraße in Elsen am Sonntag für Menschen, die ihre Häuser und Wohnungen wegen der Bombenentschärfung verlassen müssen. Gerne dürfen diese auch ihre Hunde mitbringen. Foto: Jörn Hannemann

Zwei Dinge waren für Fritz Voß ausschlaggebend: Schon während des Zweiten Weltkrieges haben seine Eltern Kriegsflüchtlingen auf dem Hof an der Wewerstraße Zuflucht geboten. Als Hundebesitzer und Züchter liegen dem 70-Jährigen und seiner Frau zudem die von der Evakuierung betroffenen Tiere besonders am Herzen. »Hunde kann man nicht für einen Tag mit die Maspernhalle oder die Benteler-Arena nehmen. Wir haben aber die Möglichkeiten, dass sie hier gemeinsam den Tag entspannt verbringen können.«

Fritz Voß wurde zwar erst 1947 geboren, hat die Geschichte des elterlichen Hofs Kuhoff, der seit 105 Jahren in Familienbesitz und heute als Cherry-Farm bekannt ist, aber ausgiebig erforscht. Auch die Kriegszeiten, als seine Großeltern Agnes und Christian Kuhoff auf dem Hof ab 1943 nicht nur den Familien ihrer beiden ältesten Töchter aus Paderborn und Wolfsburg, sondern auch Flüchtlingen eine sichere Unterkunft boten. »Jahrelang saßen bis zu 18 Personen am Tisch. Es war sicher nicht leicht, alle satt zu bekommen«, sagt Fritz Voß. Seine Mutter Gertrud, die damals 23 Jahre alt war, habe kräftig mit angepackt.

Eine große Tafel bietet nun auch das geräumige Nebengebäude auf dem weitläufigen Gelände der Cherry-Farm, die ihren Namen von den Kirschbäumen hat, die dort jahrzehntelang abgeerntet wurden. In dem Haus gibt es Sanitäranlagen, eine Küche und genügend Möglichkeiten, einen schönen Tag im Grünen zu verleben. »Für die Hunde gibt es zudem abgezäunte Auslaufbereiche«, sagt Fritz Voß. Seine Feuertaufe in Sachen Gastfreundschaft hat das Gelände der Cherry-Farm bereits im vergangenen Jahr bestanden, als Resi und Fritz Voß beim Tag des Hundes Gestgeber für 120 Menschen mit Vierbeinern waren.

»Sollten sich mehr als 20 Gäste anmelden, können wir auch noch Zeltunterkünfte aufstellen«, freuen die beiden sich auf viele Besucher – gerne natürlich auch ohne Hunde. »Wir haben uns nur überlegt, dass die Hundebesitzer auf besondere Schwierigkeiten stoßen werden. Das wollen wir ihnen und ihren Tieren am Sonntag etwas erleichtern«, sagt Resi Voß.

Mit ihrer Einladung befinden sich Resi und Fritz Voß in guter Gesellschaft. 40 kreative Hilfsangebote haben Leser allein an diese Zeitung gerichtet – von Hilfe beim Transport gehbehinderter Menschen über Betreuungsangebote bis hin zu gemeinsamen Ausflügen. Weitere Ideen können Sie gerne an evakuierung@westfalen-blatt.de melden. Eine Übersicht gibt es auf der Internetseite www.westfalen-blatt.de/bombenfund. Auch die Stadt Paderborn hat eine Kontaktbörse organisiert (www.paderborn.de). Auf Facebook bringt die Gruppe »Bombenentschärfung Paderborn« Menschen zusammen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.