Gaststätten und Kinos sagen Veranstaltungen in Paderborn ab – Gottesdienst auf dem Schützenplatz Das Leben steht in der Stadt am Sonntag weitgehend still

Paderborn (WB). Während der Bombenentschärfung am Sonntag steht das Leben in der Paderborner Südstadt und einem Großteil der Innenstadt still. Betroffen sind unter anderem Kirchengemeinden, Gastronomen und Tankstellen im Sperrgebiet, aber auch das Theater und die Kinos.

Von Maike Stahl
Christopher Volmert (Ordnungsamt der Stadt) und seine Kollegen verteilen seit Mittwoch mehr als 2000 Informationszettel an betroffene Anwohner. 18 Mitarbeiter wollen bis Donnerstagmittag alle Briefkästen erreicht haben.
Christopher Volmert (Ordnungsamt der Stadt) und seine Kollegen verteilen seit Mittwoch mehr als 2000 Informationszettel an betroffene Anwohner. 18 Mitarbeiter wollen bis Donnerstagmittag alle Briefkästen erreicht haben. Foto: Jörn Hannemann

Kino und Theater

Sowohl das Pollux, als auch die UCI Kinowelt liegen mitten im Sperrgebiet. Im Pollux soll die abendliche Hauptvorstellung allerdings gespielt werden, wenn die Entschärfung der Bombe bis dahin erfolgreich abgeschlossen ist. Die Karten für diese Vorstellung können nur an der Kinokasse gekauft werden. Auch in der UCI-Kinowelt sollen die Abendvorstellungen ab 18.30 Uhr laufen. Die anlässlich des 20-jährigen Bestehens für Sonntag geplante Vorstellung von »Titanic« ist vom Nachmittag in den Abend verschoben worden. Bereits gekaufte Tickets bleiben gültig, können aber auch umgetauscht werden. Vom Theater gab es gestern wegen der Betriebsferien noch keine Information zu den Abendvorstellungen.

Gastronomie

Wer nach dem Kinobesuch noch einkehren möchte, hat dazu dann auch wieder Gelegenheit. Die Bar Celona will beispielsweise direkt nachdem die Sperrzone wieder freigegeben wird öffnen. »Wir halten das Personal auf Abruf«, sagt Schichtleiter Jonas Deleker. In erster Linie drücke das Team die Daumen, dass alles wie geplant klappt und schnell Entwarnung gegeben werden kann. »Aber natürlich ist es ärgerlich, dass am ersten schönen Wochenende der Sonntag weitgehend flach fällt.« Er geht von mehreren tausend Euro Umsatz aus, die wegen der Evakuierung ausbleiben. »Aber das ist im Vergleich zu dem, was beispielsweise auf die Krankenhäuser zukommt, ein relativ kleines Problem«, hat er großes Verständnis für die Situation.

Das trifft auch auf die meisten Gäste zu, die bereits lange im Vorfeld reserviert haben, sagt Gastwirt Rolf Hoppe vom Libori-Eck, das ebenfalls gegen 17.30 Uhr geöffnet werden soll. »Wir hatten eine große Geburtstagsfeier und zwei kleinere Gesellschaften für Sonntag, denen wir absagen mussten«, berichtet er. »Das ist eben höhere Gewalt.«

Das heißt aber auch, dass es für die betroffenen Gastwirte vermutlich keine Entschädigung für den Verdienstausfall geben wird. »Dafür gibt es keinen rechtlichen Anspruch«, sagt Miriam Kröger Dehoga-Geschäftsführerin des Kreisverbandes Paderborn. Es sei denn, jemand habe eine Betriebsunterbrechungsversicherung abgeschlossen, bei der Bombenentschärfung mitversichert sei. »Das ist aber eher unwahrscheinlich.«

Museen

Auch das Museum in der Kaiserpfalz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe bleibt am Sonntag geschlossen. Dementsprechend fällt die für 15 Uhr angekündigte öffentliche Führung ebenfalls aus. Im Gegenzug bieten das Klostermuseum in Dalheim und das Heinz-Nixdorf-Museumsforum am Sonntag freien Eintritt für alle Besucher – nicht nur für diejenigen, die von der Evakuierung betroffen sind.

Gottesdienste

Neu organisieren müssen sich auch die Familien der Konfirmanden der evangelischen Lukasgemeinde. Die dort für Sonntag geplante Konfirmation kann nun nicht stattfinden und wird um eine Woche verschoben. Erstkommunionfeiern waren für die im Sperrbezirk liegenden katholischen Gemeinden für diesen Sonntag nicht vorgesehen.

Für alle, die von der Evakuierung betroffen sind, soll aber am Sonntag auf dem Schützenplatz ein großer ökumenischer Freiluftgottesdienst im Bereich der Maspern-Kompanie stattfinden. Dieser wird von Pfarrer Gunnar Grahl und Dechant Benedikt Fischer gefeiert. Im Dom wird am Sonntag nur die Frühmesse um 7 Uhr wie gewohnt stattfinden. Wegen der Evakuierung müssen auch die neuen Domglocken, die noch auf dem Domplatz zu sehen sind, bereits am Samstag um 14 Uhr abtransportiert werden.

Universität

Die Universität, in deren unmittelbarer Nähe die 1,8-Tonnen-Bombe gefunden wurde, räumt ihre Gebäude bereits bis Samstag, 21 Uhr, um genügend Zeit für notwendige Kontrollgänge und Sicherheitsvorkehrungen zu haben. Ärgerlich ist die Sperrung für Wissenschaftler, die Langzeitexperimente betreuen, die persönlich überwacht werden müssen. Diese müssen unterbrochen oder sogar abgebrochen werden.

Das sagt die Polizei

Ob es zu den geplanten Abendvorstellungen und Kneipenbesuchen kommen wird, hängt maßgeblich davon ab, ob die Entschärfung der Bombe bis dahin erfolgt ist. Polizeisprecher Michael Biermann mahnt bei der Planung für Sonntag zur Vorsicht: »Es kann bei einer so umfangreichen Aktion immer noch etwas dazwischenkommen, was die Freigabe der Straßen um Stunden verzögert.«

www.westfalen-blatt.de/bombenfund

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