Bombenfund in Paderborn: Kranke werden am Donnerstag nach Marsberg gebracht Erste Patienten werden verlegt

Paderborn (WB). Zwei beatmete Intensivpatienten, die nicht bei Bewusstsein sind, werden am Donnerstag von Paderborn ins 45 Kilometer entfernte Marsberg verlegt. Es ist der Auftakt der Evakuierung von 26.300 Menschen, die bis Sonntagmittag den Sperrbezirk rund um den Bombenblindgänger verlassen haben müssen.

Von Christian Althoff
Oberärztin Renate Menzel leitet die Intensivstation des Paderborner Brüderkrankenhauses. Sie wird »ihre« Patienten am Sonntag voraussichtlich im St.-Marien-Hospital Marsberg betreuen.
Oberärztin Renate Menzel leitet die Intensivstation des Paderborner Brüderkrankenhauses. Sie wird »ihre« Patienten am Sonntag voraussichtlich im St.-Marien-Hospital Marsberg betreuen. Foto: Jörn Hannemann

Das Brüderkrankenhaus war in seiner 114 Jahre währenden Geschichte nicht einen einzigen Tag geschlossen. Selbst als die Briten die Stadt 1945 bombardierten, arbeiteten die Ärzte und Schwestern weiter – bis auch große Teile des Krankenhauses zerstört waren. »Deshalb ist der kommende Sonntag für uns ein besonderer Tag. Es wird das erste Mal sein, dass niemand mehr im Krankenhaus ist«, sagt Sprecher Gerd Vieler. Das bringt auch Einschränkungen für Kliniken in umliegenden Städten, denn ihnen steht das Zentrallabor des Krankenhauses mindestens einen halben Tag lang nicht zur Verfügung.

Nur 400 Meter von der Bombe entfernt

Die ersten Patienten werden am Donnerstag nach Marsberg verlegt. Foto: Jörn Hannemann

Das Brüderkrankenhaus liegt nur etwa 400 Meter von der Fundstelle der 1,8-Tonnen-Fliegerbombe entfernt. Es ist eine von zwei Kliniken, die während der Entschärfung geräumt sein müssen. »Weil die Transportmöglichkeiten begrenzt sind, beginnen wir bereits am Donnerstag«, sagt Oberärztin Renate Menzel, die Leiterin der Intensivstation.

Das 400-Betten-Haus hat seinen eigenen kleinen Krisenstab, der im Zusammenspiel mit Stadt und Kreis die Versorgung der Patienten am Tag X organisiert. 305 Kranke lagen am Mittwoch noch auf den Stationen. Doch durch medizinisch vertretbare Entlassungen und die Beurlaubung fitter Patienten übers Wochenende sollen es am Samstag nur noch 64 sein.

Ärzten begleiten Schwerkranke

Die größte Sorge gilt den elf Intensivpatienten. Gerd Vieler: »Der Transport so schwer kranker Menschen ist immer ein Risiko und verbietet sich eigentlich. Aber wir können sie ja nicht einfach auf der Intensivstation zurücklassen, wenn am Sonntag niemand da ist, der sich um kümmern könnte.«

Diese schwerkranken Menschen werden deshalb von Ärzten begleitet ins kleine St.-Marien-Hospital nach Marsberg gebracht, das zur selben Unternehmensgruppe gehört wie das Brüderkrankenhaus. Mitarbeiter der Paderborner Intensivstation machten sich am Mittwoch in Marsberg mit den Gegebenheiten vertraut. Gerd Vieler: »Es ging um Anschlüsse für unsere intensivmedizinischen Geräte und weitere ganz praktische Dinge.« Zwei Intensivpatienten werden heute ins St.-Marien-Hospital gefahren und zwei weitere sollen morgen folgen, bevor am Samstag die übrigen sieben nach Marsberg verlegt werden.

St. Vincenz wird nicht geräumt

Die voraussichtlich 57 bettlägerigen Patienten, die auf normalen Stationen behandelt werden können, werden am Samstag und Sonntag in andere Häuser gebracht – der größte Teil ins etwa 600 Meter entfernte St.-Vincenz-Krankenhaus. Das 800-Betten-Haus liegt zwar ebenfalls in der Sperrzone, aber nach Einschätzung des städtischen Krisenstabes kann es verantwortet werden, das Haus nicht zu räumen.

Odnungsamtsleiter Udo Olschewski: »Das Vincenz-Krankenhaus ist deutlich weiter vom Bombenfundort entfernt als das Brüderkrankenhaus. Deshalb halten wir eine Evakuierung innerhalb des Vincenz-Krankenhauses für vertretbar: Die der Bombe zugewandte Gebäudeseite wird geräumt, und die Patienten werden auf der abgewandten Seite untergebracht.« Die Baustruktur des Krankenhauses erlaube dieses Vorgehen. »Bei normalen Wohnhäusern wäre das nicht möglich. Die müssen zwingend geräumt werden.«

Hier gibt es Hilfe

Sind Sie am Sonntag von der Evakuierung betroffen? Betreuungsangebote für Haustiere, kostenlose Freizeitangebote und mehr gibt es auf www.westfalen-blatt.de/bombenfund . Auch die Stadt Paderborn hat eine Kontaktbörse auf ihrer Internetseite organisiert, und auf Facebook bringt die Gruppe »Bombenentschärfung Paderborn« Menschen zusammen.

www.westfalen-blatt.de/bombenfund

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