Mordkommission nimmt zweiten Verdächtigen nach drei Morden in Hille fest Anfangs war er nur ein Zeuge

Hille (WB). Nach dem Fund dreier Mordopfer in Hille hat die Kriminalpolizei einen zweiten Verdächtigen festgenommen: Kevin R. (24). Er ist Zeitsoldat und soll angeblich das Patenkind der Ehefrau des Hauptverdächtigen sein.

Von Christian Althoff
Drei Leichen wurden in Hille gefuden, rund um den Hof von Täter Jörg W.
Drei Leichen wurden in Hille gefuden, rund um den Hof von Täter Jörg W. Foto: Christian Althoff

Rund um den Pferdehof des früheren Fremdenlegionärs Jörg W. (51) wurden im März drei Tote gefunden – ein libanesischer Maurer (30), ein Nachbar (71) und ein landwirtschaftlicher Helfer (64). Staatsanwalt Christopher York: »Warum der 30-Jährige erschlagen wurde, wissen wir noch nicht. Bei den beiden älteren Opfern gehen wir davon aus, dass Habgier das Motiv war.« Jörg W. soll sich mit den EC-Karten der Toten deren Renten angeeignet haben.

Verdächtige SMS

Bereits nach dem Fund des getöteten Libanesen befragten Polizisten den Zeitsoldaten Kevin R., der in Husum stationiert ist und an den Wochenenden auf dem Pferdehof wohnte. Er gab damals an, den Mord an dem Libanesen beobacht zu haben. Anfangs war der Mann für die Mordkommission nur ein Zeuge, doch das änderte sich.

Der Staatsanwalt: »Die Polizei hat auf dem Handy des Hauptbeschuldigten SMS gefunden. Sie begründen den Verdacht, dass der Zeitsoldat an dem Mord an dem 64-jährigen landwirtschaftlichen Helfer beteiligt war – wahrscheinlich im August 2017.« Im Haus von Jörg W. fanden Ermittler ein Messer, an dem Blut des 64-jährigen Opfers war – möglicherweise die Tatwaffe. Christopher York erwirkte einen Haftbefehl, und am Donnerstag wurde Kevin R. in seiner Kaserne in Husum festgenommen.

Nichts getan?

In der Vernehmung gab der 24-Jährige an, Hofbesitzer Jörg W. habe alle drei Männer umgebracht. Er selbst sei bei allen Taten dabeigewesen, habe aber nichts getan. Das nehmen ihm die Mordkommission und der Staatsanwalt aber nicht ab.

Kevin R. wuchs in Duisburg auf. Als Kind war er Mitglied der Jungschützen, dann ging zur Realschule und jobbte als Discjockey. Er soll versucht haben, eine Ausbildung zum Feuerwehrmann zu machen. Später verpflichtete er sich bei der Bundeswehr.

In Hille wird erzählt, Kevin R. sei das Patenkind der Ehefrau von Jörg W. Die beiden hätten ihn vor Jahren aufgenommen. Sie seien so etwas wie ein Elternersatz für den jungen Mann gewesen, der angeblich sehr an Jörg W. hängen soll. Trifft das zu, wäre das eine Erklärung dafür, dass Kevin R. nicht nach dem ersten Mord zur Polizei gegangen war.

Kevin R. Foto: privat

Jörg W. und Kevin R. sollen um die Jahreswende herum jemanden gesucht haben, um sich angeblich mit ihm in der Baubranche selbständig zu machen. Auf ein entsprechendes Inserat soll sich der Libanese Fadi S. aus Stadthagen (Niedersachsen) gemeldet haben. Angeblich existiert ein Vertrag, den die drei Männer geschlossen haben sollen. Aus dem Kreis der Familie S. heißt es, Fadi S. habe etwa 5000 Euro vorgestreckt, um das Geschäft anzukurbeln. Das soll Jörg W. aber nicht getan haben. Kam es deshalb am 10. März in Hille zu einem tödlichen Streit, bei dem Fadi S. mit einem Hammer erschlagen wurde?

Leben durchleuchtet

Drei Morde in sieben Monaten – das lässt die Kripo aufhorchen. Die Mordkommission unter Leitung von Markus Mertens wurde mit Beamten aus den Kreisen Soest, Warendorf, Höxter, Gütersloh und Herford auf 29 Ermittler aufgestockt. Jetzt sollen das Leben von Jörg W., der aus Dusiburg nach Hille gezogen war, und seine bisherigen Adressen durchleuchtet werden. Staatsanwalt York: »Hinweise auf weitere Opfer haben wir aber noch nicht.«

Mehr zum Fall lesen Sie hier: westfalen-blatt.de/OWL/Mordfall-Hille

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